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Selenskyj spricht von "Politik des Völkermords" im Donbass

Von dpa
Aktualisiert am 27.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj ehrt gefallene ukrainische Soldaten posthum mit militĂ€rischen WĂŒrden.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj ehrt gefallene ukrainische Soldaten posthum mit militĂ€rischen WĂŒrden. (Quelle: Sarsenov Daniiar/Ukrainian Presi/imago-images-bilder)
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Außenminister Lawrow warnt den Westen vor Raketenlieferungen. Der ukrainische PrĂ€sident beschuldigt Russland, den Donbass unbewohnbar machen zu wollen. Die wichtigsten Ereignisse der Nacht im Überblick.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj befĂŒrchtet angesichts der massiven russischen Angriffe im Osten einen weitgehend entvölkerten Donbass. Mit ihrer ĂŒberlegenen Feuerkraft setzten die angreifenden russischen Truppen am Donnerstag die ukrainischen Verteidiger um die Stadt Sjewjerodonezk unter Druck.


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"Die laufende Offensive der Besatzer im Donbass könnte die Region menschenleer machen", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache in Kiew. Die StĂ€dte wĂŒrden zerstört, die Menschen getötet oder verschleppt. Dies sei "eine offensichtliche Politik des Völkermords". Freitag ist der 93. Kriegstag. Russland hatte das Nachbarland Ukraine am 24. Februar angegriffen.

Brenzlige Lage fĂŒr Ukrainer im Osten

Die ukrainische Armee steht im Ă€ußersten Osten ihrer Front stark unter Druck. Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk wurde am Donnerstag mit Artillerie und aus der Luft beschossen, wie Gouverneur Serhij Hajdaj mitteilte. Der ukrainische Generalstab teilte mit, der Angriff auf die Stadt und ihren Vorort Boriwske sei aber nicht erfolgreich. Die MilitĂ€rangaben waren nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfbar. In einem anderen Dorf in der NĂ€he, in Ustyniwka, habe die russische Seite einen Teilerfolg errungen, hieß es.

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Die GroßstĂ€dte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind derzeit die Ă€ußersten ukrainischen Vorposten im Osten. KĂ€mpfe gibt es aber auch schon im RĂŒckraum dieser StĂ€dte, damit drohen ukrainische Truppen abgeriegelt zu werden. Auf der Nordseite dieses möglichen Kessels sei die Stadt Lyman verloren worden, bestĂ€tigte PrĂ€sidentenberater Olexyj Arestowytsch im ukrainischen Fernsehen. Auf der SĂŒdseite gab es KĂ€mpfe um die Orte Komyschuwacha, Nirkowe und Berestowe.

Bei Raketenangriffen auf die ostukrainische Stadt Charkiw seien neun Menschen getötet worden, darunter ein fĂŒnf Monate altes Kind mit seinem Vater, sagte Selenskyj. 19 Menschen seien verletzt worden.

Ein zerstörtes Haus in Luhansk (Archivbild): In der Donbass-Region sind viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht worden.
Ein zerstörtes Haus in Luhansk (Archivbild): In der Donbass-Region sind viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht worden. (Quelle: Alexander Reka/imago-images-bilder)

Selenskyj hĂ€lt EuropĂ€er fĂŒr zögerlich

In seinem Video fragte der ukrainische PrĂ€sident, warum die EU so lange brauche, um ein sechstes Sanktionspaket zu verabschieden. Noch immer verdiene Russland Milliarden mit Energieexporten, noch seien nicht alle russischen Banken sanktioniert. Wie lange mĂŒsse die Ukraine darum kĂ€mpfen, die notwendigen Waffen zu bekommen, fragte er. "Die Ukraine wird immer ein unabhĂ€ngiger Staat sein und nicht zerbrechen." Die Frage sei, welchen Preis die Ukraine fĂŒr ihre Freiheit zahlen mĂŒsse.

Derweil zieht die US-Regierung einem Medienbericht zufolge in ErwĂ€gung, fortschrittliche Langstrecken-Raketensysteme in die Ukraine zu schicken. Die in den USA hergestellten Waffensysteme könnten Raketen ĂŒber Hunderte Kilometer abfeuern, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf mehrere Beamte. Ein neues militĂ€risches Hilfspaket könnte bereits in der kommenden Woche angekĂŒndigt werden. Die Ukraine habe um diese Art von Waffen gebeten, hieß es weiter. Allerdings sei die US-Regierung zögerlich gewesen, da befĂŒrchtet werde, dass die Ukraine die Raketensysteme fĂŒr Angriffe auf russisches Gebiet nutzen könnte. Es stelle sich die Frage, ob dies eine russische Vergeltungsmaßnahme zur Folge haben könnte, so CNN. Lesen Sie hier mehr dazu.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hielt unterdessen Selenskyj fehlende Verhandlungsbereitschaft vor. Der Westen unterstĂŒtze den ukrainischen Staatschef auch noch in dieser Haltung, sagte Lawrow dem arabisch-sprachigen Ableger des staatlichen Fernsehkanals RT. Selenskyj hatte zuvor gesagt, er werde nur mit Kremlchef Wladimir Putin direkt verhandeln – und das erst, wenn Russland sich auf die Grenzen vor dem 24. Februar zurĂŒckziehe. "Dass das nicht ernsthaft ist, muss man niemandem erklĂ€ren und beweisen", sagte Lawrow.

In den ersten Wochen nach dem russischen Überfall hatten Moskau und Kiew noch verhandelt. Die GesprĂ€che kamen aber zum Erliegen, als die GrĂ€ueltaten russischer Soldaten nach dem RĂŒckzug aus Kiewer Vororten wie Butscha ans Licht kamen.

Russische Nationalgardisten wollen nicht in den Krieg

Im russischen Nordkaukasus haben 115 Nationalgardisten einen Einsatz im Krieg gegen die Ukraine verweigert. Dies trug ihnen eine KĂŒndigung ein, die von einem MilitĂ€rgericht in Naltschik fĂŒr rechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt wurde. Den Angaben nach hatten die Nationalgardisten aus der Teilrepublik Kabardino-Balkarien sich geweigert, Befehlen zu gehorchen, und waren in ihre Kasernen zurĂŒckgekehrt.

USA sehen Schuld an Getreideblockade bei Russland

Die US-Regierung wies Russlands Forderung nach einer Aufhebung der Sanktionen im Gegenzug zu einer Freigabe ukrainischer GetreidevorrĂ€te zurĂŒck. "Es ist Russland, das aktiv die Ausfuhr von Lebensmitteln aus ukrainischen HĂ€fen blockiert und den Hunger in der Welt vergrĂ¶ĂŸert", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, in Washington. In Silos in der Ukraine und auf Schiffen lagere viel Getreide, das wegen der russischen Seeblockade nicht verschifft werden könne. Die Sanktionen wĂŒrden weder die Ausfuhr noch die notwendigen Geldtransaktionen verhindern.

Eine Satellitenaufnahme zeigt ein russisches Schiff, das mit Getreide beladen wird.
Eine Satellitenaufnahme zeigt ein russisches Schiff, das mit Getreide beladen wird. (Quelle: Maxar Technologies/imago-images-bilder)

Nato-Manöver mit kĂŒnftigen Mitgliedern an der Ostsee im Sommer

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine findet im Juni unter FĂŒhrung der USA ein großes multinationales Manöver im Ostseeraum statt. An der jĂ€hrlichen maritimen Übung "Baltops 22" werden neben 14 Nato-Staaten wie Deutschland auch die PartnerlĂ€nder Schweden und Finnland teilnehmen. Das sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Dabei sein sollen 45 Marineeinheiten, 75 Flugzeuge und rund 7.000 Soldaten.

Schweden ist dieses Jahr Gastgeber des Manövers, das vom 5. bis 17. Juni geplant ist. Wegen Russlands Einmarsch in die Ukraine haben Schweden und Finnland die Mitgliedschaft in der Nato beantragt. Das Manöver findet bereits seit 1972 regelmĂ€ĂŸig im Ostseeraum statt.

Das bringt der Tag

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die weltweite Energiewirtschaft ist ein Thema der Minister fĂŒr Klima, Energie und Umwelt der Siebenergruppe wichtiger Industrienationen (G7). Sie beenden am Freitag ihr Treffen in Berlin. Außerdem soll es um den Ausstieg aus der Kohleverstromung gehen.

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Von Liesa Wölm
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