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Huthi-Rebellen im Nahen Osten: Was will die Miliz aus dem Jemen?


Wer sind die Huthi-Rebellen und was wollen sie?


Aktualisiert am 11.02.2024Lesedauer: 5 Min.
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Huthi-Rebellen im Jemen (Archivbild): Sie wollen Israel angreifen.Vergrößern des Bildes
Huthi-Rebellen im Jemen (Archivbild): Ihre Ideologie ist wie die des islamischen Regimes im Iran zutiefst israelfeindlich. (Quelle: KHALED ABDULLAH)

Die Huthi-Rebellen griffen zuletzt immer wieder in den Nahostkonflikt ein. Die Sorge vor einer Eskalation in der Region wächst. Was ist das für eine Gruppe und was will sie?

Seit den vergangenen Wochen bekommt die Huthi-Miliz aus dem Jemen immer mehr internationale Aufmerksamkeit. Sie führte Raketenangriffe auf den südisraelischen Badeort Eilat durch und griff mehrere Frachtschiffe im Roten Meer an – eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Reedereien mieden das Gewässer infolge der Angriffe. Es wächst die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten.

Die USA reagierten resolut auf die Angriffe der Huthi-Rebellen. Kriegsschiffe wurden ins Rote Meer geschickt, um die Handelsschiffe zu schützen. Dann kam es sogar zu einem gemeinsamen Angriff mit den britischen Streitkräften auf Stellungen der Huthis im Jemen. Mehrere Staaten unterstützten den Militärschlag – darunter auch Deutschland. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Doch was ist bekannt zu der Terrororganisation, die jetzt von den USA und weiteren Verbündeten angegriffen wurde? t-online gibt einen Überblick.

Wer sind die Huthis im Jemen?

Ihre Wurzeln hat die radikale Bewegung im Norden des Jemen. Das bergige Grenzgebiet zu Saudi-Arabien ist eine Hochburg der schiitischen Zaiditen, die es nur noch im Jemen gibt und die dort ein Drittel der Bevölkerung stellen. Mehr als tausend Jahre, bis zur Revolution 1962, herrschten zaiditische Imame über das Land. In den 1990er-Jahren fühlten sich die Zaiditen angesichts des wachsenden Einflusses sunnitischer Fundamentalisten zunehmend an den Rand gedrängt.

Die al-Huthis, eine Familie zaiditischer Gelehrter, verbündeten sich mit Stämmen der Region zur Ansaruallah-Miliz ("die Anhänger Gottes"). Doch ihr Aufbegehren mündete 2004 in einen bewaffneten Konflikt mit der jemenitischen Armee. Bis 2010 wurden Tausende getötet, Hunderttausende mussten fliehen. Als der Arabische Frühling 2011 den Jemen erfasste, schloss sich Ansarullah der Protestbewegung an, der damalige Präsident Ali Abdallah Saleh wurde aus dem Amt gedrängt.

Doch die Sicherheitslage und wirtschaftliche Situation des ohnehin ärmsten Landes der arabischen Halbinsel verschlechterten sich weiter, die Unterstützung für die neue Regierung des Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi schwand. Das brachte den Huthis weiteren Zulauf. Im September 2014 stürzten sie den von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi, dem sie Korruption und Misswirtschaft vorwarfen.

Seitdem tobt im Land ein Bürgerkrieg. 2015 schaltete sich Saudi-Arabien ein. Eine von Saudi-Arabien gestützte Regierung kontrolliert inzwischen den Süden des Landes, die Huthi dagegen den Norden. Mehr als 15.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet. Die Wirtschaft des Jemen ist zusammengebrochen. Die Bevölkerung ist von einer Hungerkatastrophe bedroht und rund 80 Prozent der Menschen sind abhängig von internationaler humanitärer Hilfe.

Wer steht hinter den Huthi-Rebellen?

Die Huthi-Rebellen werden vom islamischen Regime im Iran unterstützt und sind Teil von dessen sogenannter "Achse des Widerstands". Das Regime in Teheran bezeichnet damit die von ihm unterstützten Terrororganisationen und pro-iranischen Milizen in der Region, darunter die Hisbollah im Libanon, die Hamas in Gaza sowie weitere Gruppierungen im Irak und in Syrien.

Spätestens seitdem sie im Jahr 2014 die Macht im Jemen teilweise an sich reißen konnten, ist ihre Verbindung zum Regime im Iran enger geworden. Zwar leugnet Teheran bis heute die direkte Unterstützung der Huthis, doch sowohl US-Beamte als auch Beamte aus dem Jemen sehen Hinweise darauf, dass das islamische Regime die radikale Bewegung etwa mit schweren Waffen, Ausrüstung und Geld unterstützt. Auch sollen sie Ausbildungen durch die von Regime im Iran unterstützte libanesische Terrororganisation Hisbollah sowie die Revolutionsgarde des islamischen Regimes erhalten haben.

Nahe stehen sie dem islamischen Regime im Iran auch in ihrer antisemitischen und zutiefst anti-israelischen Einstellung. Ihr Slogan "Gott ist groß, Tod für Amerika, Tod für Israel, verflucht seien die Juden, Sieg für den Islam", ist inspiriert von der Ideologie des Regimes im Iran, das sowohl Israel als auch die USA seit seiner Entstehung 1979 zu Erzfeinden erklärt hat. Inwieweit das islamische Regime jedoch tatsächlich Einfluss auf die Huthis hat, ist unklar.

Zwar drohte der iranische Präsident Ebrahim Raisi am Sonntag mit Blick auf den Krieg zwischen Israel und Gaza mit dem Eingreifen weiterer Akteure. Inwieweit er dabei auch die Huthis meint, ist offen. Beobachter sehen in ihnen eher Partner des Regimes als treue Untergebene, denn sie sind nicht in einem solchen Maße abhängig von der Gunst des islamischen Regimes wie andere Terrororganisationen in der Region. Durch formale und illegale Steuern und Abgaben sowie durch die Beschlagnahmung und Veräußerung von Immobilien oder Landbesitz wissen sie sich gut zu finanzieren und ihr Waffenarsenal weiter auszubauen.

Video | Angriff im Jemen: USA und Großbritannien greifen Huthi-Stellung an
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Quelle: Reuters

Was wollen die Huthi-Rebellen?

In der Vergangenheit brandmarkten sie offiziell die Korruption der vertriebenen Elite und einen "sunnitischen Extremismus". Mit ihrer teilweisen Machtübernahme im Jemen streben sie nun offenbar jedoch nach der Kontrolle über das ganze Land, welches schon jetzt als das ärmste der Welt gilt. Beobachter sehen in ihnen daher nur einen schwachen Verbündeten für das islamische Regime im Iran.

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Im Angriff auf Israel verbindet die Huthis und Teheran allerdings ihre anti-israelische Ideologie: Am Dienstag teilte die Terrororganisation mit, man habe eine große Anzahl von Drohnen und "eine große Ladung" Raketen auf "mehrere Ziele des israelischen Feindes" abgeschossen. Man werde weiter Angriffe mit Raketen und Drohnen durchführen, "bis die israelische Aggression endet", so ein Huthi-Sprecher mit Blick auf die israelische Bodenoffensive gegen die Terrororganisation Hamas in Gaza. Wie auch das islamische Regime im Iran behaupten die Huthis, die Angriffe zur Unterstützung der Palästinenser zu führen.

Das Regime des Iran wird als Drahtzieher hinter der Terrororganisation Hamas vermutet. Laut einem Bericht der "Washington Post" soll Teheran den Angriff auf Israel gemeinsam mit der Terrororganisation vorbereitet haben. Offiziell stritt die Machtelite in Teheran den Vorwurf ab, Nahostexperte Ali Fatholla-Nejad hält ihn im Interview mit t-online allerdings für "realistisch", denn in Teheran weiß man sich die Lage zunutze zu machen: "Das Regime versucht, den Angriff auf Israel propagandistisch auszuschlachten – sich also als großer Unterstützer der Palästinenser zu stilisieren und gleichzeitig das Narrativ zu erschaffen, dass es seinem auserkorenen Ziel, der Auslöschung Israels, näherkommt", so der Politikwissenschaftler und Direktor des Center for Middle East and Global Order (CMEG).

Dass der Iran mit der Revolutionsgarde direkt in den Krieg einsteigt, hält der Experte für "unwahrscheinlich". Und auch die Terrororganisation Hisbollah würde in Anbetracht der schlechten Wirtschaftslage im Libanon die Unterstützung ihrer Anhänger aufs Spiel setzen, sollte sie tatsächlich eine zweite Front gegen Israel eröffnen. Ähnlich dürfte es sich mit den Huthi-Rebellen verhalten. "Es sind symbolische Attacken, aber wichtige Botschaften des Iran, dass dessen Verbündete Angriffe auf Israel von verschiedenen Orten versuchen können und sogar US-Ziele treffen können", analysiert Experte Magid al-Madhadschi vom Sanaa Centre for Strategic Studies in der emiratischen Zeitung "The National".

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters
  • swp-org.de: "Die "Achse des Widerstands""
  • reuters.com: "Iranian support seen crucial for Yemen's Houthis" (englisch)
  • tagesschau.de: "Kriegsparteien lassen fast 900 Gefangene frei"
  • Eigene Recherche
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