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Nato-Manöver startet: 50.000 Soldaten senden ein Signal an Russland

Nato-Manöver startet  

50.000 Soldaten senden ein Signal an Russland

24.10.2018, 19:06 Uhr | Von Ansgar Haase, dpa

Nato-Manöver startet: 50.000 Soldaten senden ein Signal an Russland. Auf dem Weg nach Norwegen: Ein Soldat der US-Marine prüft einen Hubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53, der an Bord der USS Iwo Jima zum Manöver "Trident Juncture" gebracht wird. (Quelle: imago images/Foto vom 7. Oktober/U.S. Marine Corps)

Auf dem Weg nach Norwegen: Ein Soldat der US-Marine prüft einen Hubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53, der an Bord der "USS Iwo Jima" zum Manöver "Trident Juncture" gebracht wird. (Quelle: Foto vom 7. Oktober/U.S. Marine Corps/imago images)

Die Annexion der Krim hat alles verändert. Als Reaktion auf Russlands aggressive Außenpolitik hält die Nato ab Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges ab. Wem diese Demonstration gilt, ist klar.

Rund 50.000 Soldaten, 10.000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe: Die Nato beginnt an diesem Donnerstag das größte Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges. In Norwegen wird dann bis in den November hinein erstmals seit Langem wieder groß für den sogenannten Bündnisfall trainiert. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten gemeinsam Beistand leisten.

"In den vergangenen Jahren hat sich das Sicherheitsumfeld in Europa deutlich verschlechtert", erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in einer Pressekonferenz zum Manöver. "Es ist wichtig zu zeigen, dass wir in der Lage sind, jeden Bündnispartner gegen jede Art von Gefahr zu verteidigen."

Nato-Großmanöver kostet Deutschland 90 Millionen Euro (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)Nato-Großmanöver kostet Deutschland 90 Millionen Euro. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Die Annexion der Krim veränderte alles

Dass sich diese Botschaft vorrangig an Russland richtet, ist klar – auch wenn die politisch Verantwortlichen es selten explizit aussprechen. Für den sogenannten Bündnisfall war nach dem Ende des Kalten Krieges kaum noch intensiv geübt worden. Dann kam allerdings das Jahr 2014, in dem Russland sich die ukrainische Halbinsel Krim einverleibte und massiv mit der Unterstützung prorussischer Separatisten begann.

Seitdem drängen vor allem östliche Bündnispartner darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Nach den Ereignissen in der Ukraine könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem Nato-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte, lautet die Argumentation.

Moskau will "notwendige Maßnahmen" ergreifen

Russland sieht die Lage dagegen genau andersherum. Das Nato-Manöver "Trident Juncture 18" trage zur Destabilisierung in der Region bei, erklärte jüngst Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Ohne Details zu nennen, kündigte sie zudem an, dass Russland "die notwendigen Maßnahmen" ergreifen werde, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Unterstützung bekommt sie von der Linksfraktion im Bundestag. "Solches Säbelrasseln lässt die Situation in Europa weiter eskalieren", kommentiert der verteidigungspolitische Sprecher Tobias Pflüger. Statt Militärmanövern, bei denen Angriff und Gegenangriff geübt werden, seien jetzt "mutige Abrüstungsinitiativen und Rüstungskontrolle" nötig.

Bei der Nato und in der Bundeswehr wird hingegen darauf verwiesen, dass auch Russland zuletzt wieder intensiv für großformatige Konflikte trainiert hatte. An dem jüngsten Großmanöver Wostok (Osten) sollen nach Angaben aus Moskau knapp 300.000 Soldaten teilgenommen haben. Die Übung sei enorm groß gewesen, selbst wenn die Zahl vermutlich völlig übertrieben sei, heißt es in Brüssel.

Bundeswehr will fit sein für den Krisenfall

In der Bundeswehr wird zudem auf das Vorsorgeprinzip verwiesen. "Wir schaffen ja auch nicht die Feuerwehr ab, nur weil es gerade nicht brennt", heißt es dort. Wer im Krisenfall fit sein wolle, müsse dafür auch trainieren. Die rund 90 Millionen Euro, die Deutschland in die Teilnahme an dem Manöver investiere, seien gut investiertes Geld.

Bewährungsprobe für die Bundeswehr: Zwei Bundeswehrsoldaten beobachten in Fredrikstad die Ankunft der Bundeswehrfahrzeuge mit einem RoRo-Schiff. (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)Bewährungsprobe für die Bundeswehr: Zwei Bundeswehrsoldaten beobachten in Fredrikstad die Ankunft der Bundeswehrfahrzeuge mit einem RoRo-Schiff. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Für die Bundeswehr ist die Großübung zudem eine besondere Bewährungsprobe. Sie stellt neben schweren Kampfpanzern, Jagdflugzeugen und Hunderten anderen Fahrzeugen rund 10.000 Soldaten und ist damit nach den USA zweitstärkste Nation bei der Übung. Im kommenden Jahr wird die Bundeswehr zudem die Führung der schnellen, im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellten Nato-Eingreiftruppe VJTF übernehmen. In Norwegen soll sie unter Beweis stellen, dass sie für die Aufgabe gerüstet ist.

Allgemein gehe es bei dem Manöver darum zu zeigen, dass man in der Lage sei, schnell Kräfte innerhalb des Bündnisgebiets zu verlegen, erklärt Brigadegeneral Ullrich Spannuth (54), der im kommenden Jahr die VJTF führen wird. Zudem solle getestet werden, ob die Soldaten aus den unterschiedlichen Nationen in einer Gefechtssituation problemlos zusammenarbeiten können.

Signal an Moskau: US-Marinesoldaten bereiten sich in Island auf das Manöver "Trident juncture 18" vor. (Quelle: dpa/Foto vom 19. Oktober/Lance Cpl. Menelik Collins/US Marine Corps)Signal an Moskau: US-Marinesoldaten bereiten sich in Island auf das Manöver "Trident Juncture 18" vor. (Quelle: Foto vom 19. Oktober/Lance Cpl. Menelik Collins/US Marine Corps/dpa)

Im Vorfeld habe dies bereits gut funktioniert, erklärte Generalsekretär Stoltenberg am Mittwoch. So seien deutsche Panzer mit einem dänischen Schiff in Norwegen angekommen und dann nach der Betankung durch belgische Kräfte von niederländischen und polnischen Transportern ins Übungsgebiet gebracht worden. Bulgarische Logistiker hätten dies alles unter Oberaufsicht eines US-Teams organisiert.

Keine Negativschlagzeilen wegen schlechter Ausrüstung

Sorgen, dass die Bundeswehr wie mehrfach in der Vergangenheit Negativschlagzeilen durch schlechte Ausrüstung machen könnte, hat die Truppenführung nicht. "Wir haben alles, was wir brauchen", sagt Spannuth. Selbst für den Fall, dass die Temperaturen bei der Übung tief unter den Gefrierpunkt fallen sollten, seien die Soldaten gut ausgerüstet.


Vor den deutschen Soldaten liegt dennoch eine harte Zeit. Zur Unterbringung ihrer Kameraden haben die norwegischen Gastgeber zwar in den zahlreichen Camps riesige beheizte Zelte aufgebaut. Wochenlang auf Privatsphäre zu verzichten und im Feldbett zu schlafen, ist aber dennoch kein Spaß. "Es ist ungeheuer spannend. Wir lernen hier enorm viel", erzählt ein deutscher Soldat. "Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich froh sein werde, wenn ich vor Weihnachten wieder zu Hause bin."

Kurz vor dem Start von "Trident Juncture 18" kam es in Norwegen zu zwei Unfällen. Laut Polizei kollidierten bei den Vorfällen nahe Glåmos und Jorabrua Militärfahrzeuge mit Linienbussen, der Fahrer eines der Busse trug leichte Verletzungen davon. Die Nato teilte zudem mit, dass bei einem Unfall mit vier US-Militärfahrzeugen vier Soldaten verletzt worden seien.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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