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Wie Kim Jong-un sich und sein Land verÀndert hat

Von dpa
Aktualisiert am 30.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Kim Jong Un: Auf den jĂŒngsten Aufnahmen wirkt der nordkoreanische Machthaber deutlich schlanker.
Kim Jong Un: Auf den jĂŒngsten Aufnahmen wirkt der nordkoreanische Machthaber deutlich schlanker. (Quelle: /dpa-bilder)
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Vor genau zehn Jahren hat Kim Jong-un die Macht in Nordkorea ĂŒbernommen. Seitdem festigt er seine Stellung in dem totalitĂ€ren Staat.

Kim Jong-un ist als Person und Staatsmann fĂŒr das Ausland auch nach zehn Jahren an der Macht nur schwer zu fassen. GegenĂŒber den BĂŒrgern seines Landes gibt sich Nordkoreas Machthaber gerne leutselig und volksnah, im Westen gilt Kim als eiskalter Despot eines Staates, dessen Kontrolle und Repressalien in alle Lebensbereiche der BĂŒrger hineinreichen.

Trotz heftiger internationaler Sanktionen, die die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes seit Jahren hemmen, hÀlt Kim knallhart am Atomwaffenprogramm fest.

Kim festigte seine Macht

Kim Jong-uns Vater, Kim Jong-il, starb am 17. Dezember 2011 infolge eines Herzinfarkts. Damit ĂŒbernahm sein Sohn auch faktisch die StaatsgeschĂ€fte. Allerdings wurde er erst nach einer 13-tĂ€gigen Trauerzeit am 29. Dezember offiziell zum "obersten FĂŒhrer unserer Partei, des MilitĂ€rs und des Volkes" ausgerufen. Ihm wurden die gleichen diktatorischen Befugnisse ĂŒbertragen, ĂŒber die schon sein Vater und Großvater Kim Il-sung verfĂŒgt hatten.

Was zunĂ€chst folgte, wird von Beobachtern als Phase der Machtkonsolidierung beschrieben. Kim erreichte das demnach auch durch politische SĂ€uberungen, dem zahlreiche hochrangige FunktionĂ€re einschließlich seines Onkels Jang Song-thaek zum Opfer fielen.

Unerschöpfliche staatliche Propaganda-Maschinerie

Als Kim die Macht in dem totalitĂ€ren Staat ĂŒbernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt. Die NachbarlĂ€nder sorgten sich damals, dass eine Phase der InstabilitĂ€t im stalinistisch regierten Nordkorea folgen könnte. Kim Jong-un galt selbst im Nachbarland SĂŒdkorea als weithin unbekannt, seine politischen Ziele als unklar.

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Zu Hause wurde er von der unerschöpflichen staatlichen Propaganda-Maschinerie kurz nach der MachtĂŒbernahme als "Genie der Genies" beschrieben – damit sollte er bei seinen Landsleuten ĂŒber alle Zweifel erhaben sein. Den 10. Todestag Kim Jong-ils am Freitag beging Nordkorea mit Aufrufen an die Bevölkerung und die Soldaten, dem Sohn gegenĂŒber vollstĂ€ndig die Treue zu halten.

Die Bevölkerung leidet

Doch zurzeit wird der zuletzt schlanker wirkende Kim in einer besonders kritischen Herrschaftsphase gesehen. Neben den Sanktionen setzten Nordkorea auch die Folgen der Corona-Pandemie stark zu. Schon frĂŒh hatte das ohnehin abgeschottete Land seine Grenzen wegen der Pandemie geschlossen, was sich stark auf den Handel mit China auswirkte. Seine wirtschaftlichen Ziele konnte Kim nicht einhalten. Seine AutoritĂ€t könnte dadurch unterminiert werden, glauben deshalb Beobachter.

Ein Propaganda-Foto von Kim Jong-un auf einem weißen Pferd am Berg Paektu in Nordkorea (Archivbild): Der Diktator inszeniert sich gerne als volksnah, doch die Bevölkerung des Landes wird brutal unterdrĂŒckt.
Ein Propaganda-Foto von Kim Jong-un auf einem weißen Pferd am Berg Paektu in Nordkorea (Archivbild): Der Diktator inszeniert sich gerne als volksnah, doch die Bevölkerung des Landes wird brutal unterdrĂŒckt. (Quelle: Korean Central News Agency/dpa-bilder)

Die Preise seien im einheimischen Markt gestiegen, sagt der aus Nordkorea geflĂŒchtete sĂŒdkoreanische Abgeordnete Ji Seong-ho. "Die Hauptlast muss die Bevölkerung tragen." Ohnehin sei heute unter jungen Nordkoreanern die "Opposition" gegen Kim grĂ¶ĂŸer als zu Kim Jong-ils Zeiten, glaubt Ji.

Ausbau des Atomwaffenprogramms

Bei allen seinen Aktionen spielten die Atomwaffen des Landes von Anfang an eine wichtige Rolle fĂŒr Kims Machtentfaltung. Kims Vater habe mit Blick auf das Atomprogramm eine eher "zweideutige Haltung" gehabt, sagt der frĂŒhere sĂŒdkoreanische AtomunterhĂ€ndler Lee Do Hoon. Kim Jong-un habe dagegen schon "unmittelbar nach der MachtĂŒbernahme den Kurs auf eine aktive nukleare Entwicklung" gelenkt.

Vier der bisher sechs Atomtests durch Nordkorea wurden unter Kim Jong-un durchgefĂŒhrt, der bisher grĂ¶ĂŸte und letzte im September 2017. Zudem trieb er die Entwicklung von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können, voran.

Keine ZugestĂ€ndnisse bei der atomaren AbrĂŒstung

Das Atomprogramm wird in einem großen Teil der Welt als Bedrohung wahrgenommen. FĂŒr die USA, denen Pjöngjang eine feindselige Politik vorwirft, stellt es eine direkte Herausforderung dar. Kims Drohungen gegen die USA, aber auch seine Diplomatie gegenĂŒber Washington einschließlich seiner drei, auch medienwirksam inszenierten Treffen mit dem frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump zwischen Juni 2018 und Juni 2019 brachten ihn auf die politische WeltbĂŒhne. Am Ende standen beide mit leeren HĂ€nden da.

Wenn Kim die Atomwaffen als Garantie fĂŒr das politische Überleben seiner Regierung sieht, warum lĂ€sst er sich auf GesprĂ€che mit Trump ĂŒber eine "Denuklearisierung" ein? Die Sanktionen hĂ€tten immer deutlicher werdende Folgen fĂŒr die Wirtschaft gehabt, sagt Lee. "Er (Kim) benötigte etwas wirtschaftliche Entspannung". Doch Trump wollte die Sanktionen nicht lockern oder Wirtschaftshilfe leisten, solange Kim keine grĂ¶ĂŸeren ZugestĂ€ndnisse bei der atomaren AbrĂŒstung macht.

"MilitÀr-zuerst"-Politik

Nach Ansicht des frĂŒheren deutschen Diplomaten Thomas SchĂ€fer spielen Sanktionserleichterungen fĂŒr Nordkorea allerdings eine eher untergeordnete Rolle. "Bei Nordkorea muss man bei den langfristigen Zielen anfangen, und die Ziele sind seit mehreren Jahren, eigentlich seit dem Regierungsantritt von Kim Jong-un, die militĂ€rpolitischen Ziele", sagt der ehemalige deutsche Botschafter in Pjöngjang.

Dazu gehöre ein Ende der gemeinsamen Manöver der USA und SĂŒdkoreas, "und dann als grĂ¶ĂŸerer Schritt der Abzug der amerikanischen Truppen". Kim ist nach Ansicht SchĂ€fers nicht der unumschrĂ€nkte Machthaber des Landes. Er treffe die Entscheidungen nicht allein. Als 2013 auf die "MilitĂ€r-zuerst"-Politik Kim Jong-ils die sogenannte "Byongjin"-Linie unter Kim Jong-un gefolgt sei, habe es die Hoffnung gegeben, Nordkorea könne mehr Ressourcen fĂŒr die Wirtschaft verwenden.

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Die Linie sah die parallele Entwicklung einer Atomstreitmacht und der Wirtschaft vor. "Der Name war Propaganda", sagt SchÀfer. Der Slogan sollte kaschieren, "dass aus der MilitÀr-zuerst-Politik die MilitÀr-zuallererst-Politik wurde".

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  • Marianne Max
Von Marianne Max
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