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Diesen Gefahren sind Flüchtlinge ausgesetzt

dpa, Ali Abdou

Aktualisiert am 19.06.2015Lesedauer: 3 Min.
Zusammengepfercht warten Migranten im Niger auf ihre Fahrt durch die Sahara.
Zusammengepfercht warten Migranten im Niger auf ihre Fahrt durch die Sahara. (Quelle: dpa-bilder)
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Bashir ist Händler. Doch sein Handelsgut sind keine Waren, sondern Menschen. Genauer gesagt Flüchtlinge. Bashir verdient sein Geld damit, diese Flüchtlinge durch die Sahara zu schleusen. Er selbst beschreibt sich als eine Art Mittelsmann, der Fahrten nach Libyen oder Algerien arrangiert. Von dort versuchen die Flüchtlinge dann, ihre nicht selten lebensgefährliche Reise über das Mittelmeer in Richtung Italien oder Spanien fortzusetzen.

Tausende dieser Verzweifelten erreichen jedes Jahr Agadez, einen großen Handelsknotenpunkt rund 950 Kilometer nordöstlich der nigrischen Hauptstadt Niamey. Viele der Migranten kommen aus armen westafrikanischen Staaten wie Gambia, Burkina Faso, Sierra Leone, Liberia, Mauretanien oder Elfenbeinküste. Ländern also, in denen die Hälfte der Bevölkerung oder mehr von umgerechnet gerade mal 1,10 Euro am Tag lebt.


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Nigrische Behörden schätzen, dass im vergangenen Jahr zwischen 40.000 und 80.000 Flüchtlinge das Land bei ihrer Durchreise passierten. Für dieses Jahr werden bis zu 120.000 erwartet.

Von Agadez aus begeben sich die Flüchtlinge auf eine extrem gefährliche Reise durch die Sahara gen Norden. Drei bis vier Tage dauern die Trips auf einem Lastwagen. Um einen Platz auf einem Lkw zu bekommen, handeln Mittelsmänner wie Bashir einen Preis mit den Fahrern aus.

"Die Menschen verdursten einfach"

Bashir ist ein Pseudonym - seinen richtigen Namen will er nicht nennen. Der Grund liegt auf der Hand: Er ist Teil eines nahezu perfekt aufeinander abgestimmten Systems, das Profit aus der Verzweiflung der Armen schlägt. Kein Flüchtling verlässt Agadez, ohne zuvor einen Mittelsmann oder Schleuser bezahlt zu haben.

Eine Fahrt nach Libyen mit einem Transporter kostet nach Aussage Bashirs umgerechnet zwischen 160 und 230 Euro. Darin enthalten sind auch jene 20 Prozent, die er für seine Dienste beansprucht. Für etwas weniger Geld kann man auch auf dem Dach eines großen Lkw mitfahren. Allerdings ist diese Option deutlich riskanter, weil die Reise länger dauert und die Passagiere unmittelbar der Hitze ausgesetzt sind.

Nicht selten seien diese Lastwagen alt und anfällig für Pannen, erklärt Bashir. Bleibe einer auf der Strecke liegen, komme das nicht selten einem Todesurteil für die Passagiere gleich. "Es gibt kein Wasser. Die Menschen verdursten einfach", sagt er.

"Wir finden regelmäßig Tote in der Wüste"

"Viele sterben in der Wüste", bestätigt auch Kollo Abdul Rashid, der die Hilfsorganisation Renewal and Innovation (CRI) leitet. Die Gruppe unterstützt Flüchtlinge bei ihrem Bemühen, in Agadez Reisedokumente zu bekommen. "Wir finden regelmäßig Tote in der Wüste, die keine Dokumente bei sich haben. Doch wenn wir nicht in der Lage sind, sie zu identifizieren, können wir noch nicht einmal ihre Familien benachrichtigen", berichtet Rashid.

Wer das Geld für einen solchen Höllenritt zusammen bekommt, bleibt zuweilen Monate - manchmal gar Jahre - an Orten wie Agadez hängen. Manche Flüchtlinge leben dann unter lebensgefährlichen und menschenunwürdigen Bedingungen, während sie versuchen, das nötige Geld zusammenzubekommen. Zu Dutzenden bewohnen sie dann mitunter einen einzigen Raum, für den sie einem Schleuser Miete zahlen.

In einem solchen Armen-Ghetto in Agadez hat auch Merkeba Drame mehr als drei Monate verbracht. Umgerechnet mehr als 300 Euro hat der junge Mann für die Reise aus seiner Heimat Senegal über Mali und Burkina Faso nach Niger bezahlt. Als er Agadez erreichte, war er mittellos und musste feststellen, dass er rund drei Mal so viel Geld benötigt, um nach Europa zu gelangen.

Doch seit Drame von den Hunderten Flüchtlingen gehört hat, die vor der libyschen Küste ertrunken sind, fühlt er sich wie zwischen Baum und Borke: In Agadez droht ihm als Flüchtling ohne Aufenthaltserlaubnis ständig die Festnahme durch die Polizei, während die Weiterreise seinen Tod bedeuten könnte. "Ich warte auf positive Nachrichten, bevor ich weitermache", sagt Drame. Wie genau diese Nachrichten aussehen könnten, davon hat er keine rechte Vorstellung.

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