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Verschwundener Journalist Chaschukdschi: Saudi-Arabien droht Trump mit Eskalation

Verschwundener Journalist Chaschukdschi  

Saudi-Arabien droht Trump mit Eskalation

14.10.2018, 14:47 Uhr | dpa, pdi

Bilder von verschwundenem Saudi-Journalisten an Türkei-Konsulat aufgetaucht
Letzte Bilder und Mord-Details rund um Saudi-Journalist Jamal Khashoggi

Diese Original-Aufnahmen des chinesischen Staatsfernsehens– verbreitet über den englischen Sender TRT World – zeigen den verschwundenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, wie er am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betritt, bevor sich jede Spur vom kritischen saudischen Journalisten verliert.

Verschwundener Journalist: Das sind die letzten Bilder und Mord-Details rund um Jamal Khashoggi, dem womöglich seine Kritik an Saudi-Prinz bin Salman zum Verhängnis wurde. (Quelle: t-online.de)


Der Konflikt um den saudischen Regimkritiker Dschamal Chaschukdschi spitzt sich zu: Trump geht von einer Tötung des Journalisten aus und droht Saudi-Arabien. Das Königreich reagiert.

Saudi-Arabien ist im Streit um die mutmaßliche Ermordung eines Journalisten auf offene Konfrontation zu den USA gegangen. Hintergrund sind Äußerungen von Präsident Donald Trump, dass Saudi-Arabien mit einer "schweren Bestrafung" rechnen müsse, wenn der prominente saudische Regierungskritiker und Journalist Dschamal Chaschukdschi von einem saudischen Kommando in Istanbul getötet worden sein sollte.

Andere Länder, darunter auch Deutschland, forderten eine rasche Aufklärung des Falls.

Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte offizielle Quellen, dass jede Handlung gegen das Land "mit einer größeren Handlung" beantwortet werde. Das Königreich weise jeden Versuch zurück, ihm schaden zu wollen, sei es durch Drohungen, dem Erlassen von Wirtschaftssanktionen, politischem Druck oder der Wiederholung falscher Anschuldigungen.

Westliche Firmen gehen auf Distanz

Angesichts des Verdachts, dass der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman den prominenten Regierungskritiker Khashoggi im saudiarabischen Konsulat in Istanbul ermorden ließ, sind zahlreiche westliche Unternehmen auf Distanz gegangen. Selbst Firmen, die den Reformkurs des Kronprinzen bisher unterstützten, sagten ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel Ende Oktober ab.

Chaschukdschi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat im türkischen Istanbul betreten, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seither wird der Journalist vermisst. Türkische Regierungs- und Geheimdienstkreise streuen seit Tagen die These, dass Chaschukdschi im Konsulat ermordet wurde. Saudi-Arabien weist das zurück. Der Journalist schrieb in westlichen Medien wie der "Washington Post" unter dem Namen Jamal Khashoggi.

Ermordung aufgezeichnet?

Im Fall Chaschukdschi waren zuvor weitere Details aufgetaucht. Wie die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" berichtet, soll Chaschukdschi seine Exekution mit einer sogenannten Smartwatch von Apple aufgezeichnet haben. "Die Momente, in denen sich das Attentäter-Team mit Chaschukdschi beschäftigt hat, wurden Minute für Minute aufgezeichnet", schreiben die Autoren. Befragung, Folter, Mord – alles sei für den Geheimdienst aus dem Speicher abrufbar gewesen.

Chaschukdschi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seither wird der Journalist vermisst. Er schrieb in westlichen Medien wie der "Washington Post" unter dem Namen Jamal Khashoggi.


"Sabah" zufolge hat Chaschukdschi noch vor Betreten des saudi-arabischen Konsulats am 2. Oktober eine Aufnahmefunktion an seiner Apple Watch eingeschaltet. Sein Handy, das er seiner vor dem Konsulat wartenden Verlobten gegeben habe, sei mit der Uhr an seinem Handgelenk synchronisiert gewesen. So seien die Geräusche während seiner Exekution in dem Speichermedium iCloud gesichert worden. "Sabah" beruft sich auf "vertrauenswürdige Quellen".

Der Artikel liefert zumindest eine konkrete Erklärung auf die Frage, woher die Informationen stammen könnten, die seit Tagen scheibchenweise und unter Verweis auf anonyme türkische Regierungsquellen in Medien auftauchen. Immer öfter kam dabei die Vermutung auf, dass die Türkei das Konsulat mit Abhörgeräten ausspioniert hatte. Die Apple-Uhr als Quelle der Daten würde die türkische Regierung in dem Punkt entlasten.

Zweifel an Darstellung

Experten zogen die Darstellung der Zeitung, die ein Sprachrohr Ankaras ist, allerdings in Zweifel. Ein Geheimdienstexperte des Fernsehsenders CNN, Robert Baer, sagte, die Apple-Uhr habe über die Distanz mit Bluetooth allein die Verbindung zum Mobiltelefon nicht halten können. Andere Experten sagen, Chaschukdschi könnte zwar auch eine Version der Apple Watch getragen haben, die direkt ins Mobilfunknetz geht und Daten ohne den Umweg über das iPhone oder ein WLAN übermittelt. Auf einem Foto von Mai, das der Technologie-Blog "TechCrunch" fand, ist er mit so einer Uhr zu sehen. Allerdings gibt es derzeit keine türkischen Mobilfunk-Anbieter, die diese Funktion unterstützen.

Ein Polizist steht am Eingang des saudi-arabischen Konsulats: Wie Medien berichten, soll Dschamal Chaschukdschi Apple Watch seine Ermordung aufgezeichnet haben. (Quelle: AP/dpa/Petros Giannakouris)Ein Polizist steht am Eingang des saudi-arabischen Konsulats: Wie Medien berichten, soll Dschamal Chaschukdschi Apple Watch seine Ermordung aufgezeichnet haben. (Quelle: Petros Giannakouris/AP/dpa)

"Ich denke, dass die Türken das saudische Konsulat verwanzt haben – sie haben Übertragungsgeräte", sagt Sicherheitsexperte Baer. Deshalb wüssten sie vermutlich von der Tat. Und deshalb zögerten sie außerdem, es zuzugeben.

Eine weitere Erklärung für die Hinhaltetaktik der türkischen Regierung könnte in der verzweifelten wirtschaftlichen Lage der Türkei liegen, wo die Lira massiv an Wert verloren hat und die Inflation rasant wächst. Ein Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, deutete vor dem Wochenende an, die Informationen seien ja auch so etwas wie "Verhandlungsmasse" gegenüber Saudi-Arabien. Einige Berater seien dafür, die Situation zu nutzen, um sich Garantien für saudische Investitionen zu sichern.

US-Präsident Donald Trump äußerte unterdessen erstmals die Befürchtung, dass Chaschukdschi nicht mehr am Leben ist. "Unsere erste Hoffnung war, dass er nicht getötet wurde", sagte Trump am Samstag im Weißen Haus. "Aber das sieht vielleicht nicht so gut aus."

Verwendete Quellen:
  • dpa
  • AFP
  • Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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