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  • Interview mit Mosambik-Helfer: "Es besteht die Gefahr einer Epidemie"


Interview
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"Die Großstadt Beira ist fast völlig zerstört"

Ein Interview von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 09.04.2019Lesedauer: 4 Min.
Mosambik, Beira: Ein Mann ĂŒberquert eine vom Zyklon "Idai" zerstörte Straße in Nhamatanda, etwa 50 Kilometer von Beira entfernt.
Mosambik, Beira: Ein Mann ĂŒberquert eine vom Zyklon "Idai" zerstörte Straße in Nhamatanda, etwa 50 Kilometer von Beira entfernt. (Quelle: dpa-bilder)
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Nach Sturm "Idai" ist die Lage in Teilen Mosambiks kritisch, teilweise harren die Menschen auf BĂ€umen aus.

Ein Zyklon hat in Mosambik ein Bild der VerwĂŒstung hinterlassen: HĂ€user wurden weggeschwemmt, Straßen sind nicht passierbar, BrĂŒcken eingestĂŒrzt. Rund 3.000 Quadratkilometer Land – eine FlĂ€che grĂ¶ĂŸer als das Saarland – stĂŒnden unter Wasser, teilte die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit.


Wirbelsturm verwĂŒstet Mosambik: Die Bilder der Katastrophe

Überlebende des Zyklon "Idai" warten in einer provisorischen Zeltstadt am Straßenrand auf Hilfe. UnzĂ€hlige verzweifelte Menschen warten eine Woche nach dem Durchzug des Zyklons "Idai" immer noch auf Nahrung und Trinkwasser.
Auch in einem zerstörten GebÀude warten viele Menschen noch auf Hilfe. Der Zyklon hat vielen ihre Lebensgrundlage geraubt.
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Die Katastrophenschutzbehörde in Mosambik sprach von 293 Toten und 1.511 Verletzten. Belastbare Zahlen gibt es aber nicht. Und die Lage spitzt sich weiter zu: Es regnet weiter und die Wasserpegel in den betroffenen Gebieten steigen. Menschen flĂŒchten sich auf DĂ€cher und BĂ€ume und werden dort von Schlangen und Raubtieren angegriffen. Es fehlt an sauberem Trinkwasser und die Gefahr von Epidemien steigt.

Daramtische Szenen in Buzi nach dem Zyklon "Idai": Menschen retten sich vor den Fluten auf HausdÀcher oder BÀume.
Daramtische Szenen in Buzi nach dem Zyklon "Idai": Menschen retten sich vor den Fluten auf HausdÀcher oder BÀume. (Quelle: Reuters-bilder)
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Daniel Timme arbeitet fĂŒr das Kinderhilfswerk UNICEF und ist aktuell in Mosambik. Im Interview mit t-online.de schildert er die dramatische Lage vor Ort.

Herr Timme, Sie sind aktuell vor Ort in Mosambik. Entspannt sich die Lage im Land nach dem Zyklon "Idai" wieder?

Leider ist das Gegenteil der Fall. Mehrere hunderttausend Menschen und mehr als eine viertel Million Kinder sind schĂ€tzungsweise von dem Zyklon betroffen. Das grĂ¶ĂŸte Problem sind die Überschwemmungen. Viele Menschen harren immer noch auf HĂ€userdĂ€chern und in BĂ€umen aus, um sich von den Wassermassen zu retten.

Und es hört einfach nicht auf zu regnen. Weiterhin sind schwere Unwetter in der betroffenen Region in Gange und der Wasserpegel steigt. Besonders die Kinder sind von lebensbedrohlichen Durchfall-Erkrankungen bedroht, viele sind unter freiem Himmel und brauchen NotunterkĂŒnfte, es gibt kaum Trinkwasser, sodass wir Tabletten zur Wasserreinigung verteilen. Ein Wettlauf mit der Zeit. Meine Kollegen und ich stehen unter großem Druck, die wichtigsten Nöte zu lindern.

Daniel Timme ist Sprecher von UNICEF in Mosambik. Er hat viele Jahre fĂŒr UNICEF unter anderem in Madagaskar, der Zentralafrikanischen Republik und in Pakistan gearbeitet. Er ist 45 Jahre alt und wuchs in der Eifel auf.

Wie groß ist das Ausmaß der Zerstörungen?

Die Großstadt Beira mit 500.000 Einwohnern ist fast völlig zerstört. Zehntausende Menschen haben ihr Dach ĂŒber dem Kopf verloren. Die Zugangswege sind zerstört, was fĂŒr uns eine enorme logistische Herausforderung darstellt, da alle HilfsgĂŒter per LuftbrĂŒcke in die Katastrophenregion gebracht werden mĂŒssen.

Überlebende des Zyklons in Mosambik: Ein Boot mit Menschen legt am Meeresufer an.
Überlebende des Zyklons in Mosambik: Ein Boot mit Menschen legt am Meeresufer an. (Quelle: ap-bilder)

Woran fehlt es der Bevölkerung aktuell?

Erste PrioritĂ€t ist, dass die Menschen von HausdĂ€chern, aus BĂ€umen und anderen höhergelegenen Orten gerettet werden. Sogenannte "Search & Rescue" Teams sind unterwegs, die nun auch von vielen internationalen Teams unterstĂŒtzt werden können, da die Regierung den Notstand ausgerufen hat.

Wenn die Menschen gerettet sind, brauchen sie NotunterkĂŒnfte, die jetzt hergerichtet werden mĂŒssen. Der Mangel an sauberem Trinkwasser macht uns besonders große Sorgen. Gerade fĂŒr Kinder können Durchfallerkrankungen nĂ€mlich sehr schnell lebensbedrohlich werden. Viele Gesundheitszentren sind weggespĂŒlt worden.

Wir mĂŒssen nun provisorische Zentren einrichten, um eine grundlegende medizinische Versorgung zu gewĂ€hrleisten. Als nĂ€chstes denken wir daran Not-Schulen einzurichten. Nicht nur soll die Schulbildung weitergehen, sondern die Not-Schulen geben den Kindern auch ein GefĂŒhl der Sicherheit und StabilitĂ€t in dieser traumatischen Situation und die Kinder sind in der Schule vor Ausbeutung und Missbrauch geschĂŒtzt.

Im Land regnet es weiterhin. Wie groß ist die Angst vor einer weiteren Katastrophe?

Es sind weitere schwere RegenfĂ€lle und Unwetter in der Katastrophenregion angekĂŒndigt. Es wĂ€re schön, wenn der Trend wenigstens positiv sein wĂŒrde, aber das Wasser lĂ€uft nicht ab, es steigt. In Teilen ist es bis zu 8 Metern hoch. Insbesondere in einem Distrikt sĂŒdlich von Beira namens Buzi ist es besonders schlimm. Einige StaudĂ€mme fĂŒhren darĂŒberhinaus so viel Wasser, dass große Mengen in die Flutgebiete ablassen werden mĂŒssen, um eine noch grĂ¶ĂŸere Katastrophe eines plötzlichen Dammbruchs zu verhindern.

Im Einsatz: Daniel Timme ist Sprecher von UNICEF in Mosambik
Im Einsatz: Daniel Timme ist Sprecher von UNICEF in Mosambik (Quelle: Unicef)

Ist die Regierung mit der Situation ĂŒberfordert?

Aus vergleichbaren Naturkatastrophen in der Vergangenheit hat man schon gelernt. Gemeinsam mit der Regierung zusammen haben wir uns vorbereitet. Beispielsweise gibt es im ganzen Land Notspeicher mit HilfsgĂŒtern, die leider auch stark beschĂ€digt wurden. Das Problem ist doch, dass eine Katastrophe diesen Ausmaßes nicht vorhersehbar war. Deshalb ist es gut, dass die Regierung jetzt sehr schnell die Hilfe der internationalen Gemeinschaft um Hilfe gebeten hat und mit den Organisationen zusammenarbeitet

PrĂ€sident Filipe Nyusi sprach von Leichen, die in den FlĂŒssen treiben. Konnten Sie selbst derartige Beobachtungen machen?

Unseren Kollegen vor Ort sind mit schrecklichen Situationen konfrontiert. Oft reden wir in diesen Tagen von abstrakten Opferzahlen, aber das Leid wird erst fassbar wenn man Familien trifft, die einen geliebten Menschen verloren haben. Besonders den Kindern mĂŒssen wir helfen, diese traurigen Ereignisse zu verarbeiten.

Besteht dadurch die Gefahr, dass Epidemien ausbrechen?

Ja, insbesondere durch Krankheiten die im Wasser entstehen, wie die Cholera, aber auch Malaria wird verstĂ€rkt auftreten in den ĂŒberschwemmten Gebieten.

LĂ€sst sich aktuell schon etwas ĂŒber die Opferzahlen sagen?

Opferzahlen sind zur Zeit noch Spekulation, aber als humanitĂ€re Helfer können wir aufgrund unserer Erfahrung sagen, dass die Zahlen die wir jetzt haben, leider dramatisch ansteigen werden. Je lĂ€nger diese Notlage anhĂ€lt – und damit ist noch fĂŒr einige Zeit zu rechnen – mĂŒssen wir befĂŒrchten, dass es neue Opfer gibt. Dazu kommt, dass in der Region auch noch die Ernten vernichtet sind und viele Familien alles verloren haben. Wie solle es fĂŒr sie weitergehen?

Mosambik, Beira: Ein Mann ĂŒberquert eine vom Zyklon "Idai" zerstörte Straße in Nhamatanda, etwa 50 Kilometer von Beira entfernt.
Mosambik, Beira: Ein Mann ĂŒberquert eine vom Zyklon "Idai" zerstörte Straße in Nhamatanda, etwa 50 Kilometer von Beira entfernt. (Quelle: dpa-bilder)
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Erreicht die Menschen Hilfe aus dem Ausland?

Durch viele internationale Geber, aber auch einzelne Menschen helfen uns jetzt und sind solidarisch mit der notleidenden Bevölkerung in Mosambik. DafĂŒr sind wir dankbar.


In den letzten Jahren gab es zahlreiche Naturkatastrophen. Muss bei derartigen Ereignissen der afrikanische Kontinent, Ihrem GefĂŒhl nach, mehr um öffentliche PrĂ€senz und Hilfe kĂ€mpfen, als beispielsweise die Menschen in Nordamerika oder SĂŒdostasien?

Das ist wohl leider so. Es hat lange gedauert, bis die Hilferufe aus Mosambik gehört wurden. Um so mehr Hoffen wir nun auf Hilfe, Mitmenschlichkeit und SolidaritÀt aus Deutschland und anderen wohlhabenden LÀndern.

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