Irankonflikt

USA präsentieren Beweisfotos – Soldaten entsendet

18.06.2019, 10:20 Uhr | AFP, dpa, aj

Nach Vorfall mit Öltanker: Die USA beschuldigen den Iran und verlagern Truppen in den Nahen Osten. (Quelle: t-online.de)

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Für die USA ist klar: Der Iran steckt hinter den Angriffen im Golf von Oman. Die US-Regierung betont, sie suche nicht die Konfrontation – dennoch verstärkt sie nun ihre Truppen im Nahen Osten.

Zu den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman haben die USA neue Bilder veröffentlicht, welche die Verantwortung des Iran belegen sollen. Außerdem will US-Präsident Donald Trump rund 1.000 weitere Soldaten in den Nahen Osten schicken. Die Soldaten würden zu "Verteidigungszwecken" in die Region entsandt, teilte der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan am Montag (Ortszeit) in Washington mit. Shanahan betonte zugleich: "Die Vereinigten Staaten streben keinen Konflikt mit dem Iran an."

Die USA machen den Iran für die Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman am vergangenen Donnerstag verantwortlich. Teheran weist das zurück. Bei den schweren Zwischenfällen waren die zwei Tanker beschädigt worden. Die "Front Altair" einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar.

USA präsentieren angebliches neues Beweismaterial

Zu den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman haben die USA neue Bilder veröffentlicht, welche die Verantwortung des Iran belegen sollen. (Quelle: US Navy/Reuters)

Ein Foto zeigt offenbar, wie Menschen an Bord eines iranischen Schnellbootes eine nicht explodierte Mine vom Tanker "Kokuka Courageous" entfernten. (Quelle: US Navy/Reuters)

Das US-Militär gibt an, die Aufnahmen am 13. Juni von einem Hubschrauber aus im Golf von Oman geschossen zu haben. Sie seien ein Beweismittel dafür, dass der Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker verantwortlich sei. (Quelle: Reuters)

Auf dem Foto ist ein großes Loch in an der Seite der "Kokuka Courageous" zu sehen. Das US-Militär spricht von einem Haftminenangriff. (Quelle: US Navy/Reuters)

Ein weiteres Foto zeigt mehrere Löcher in der Seite des Tankers. (Quelle: US Navy/Reuters)

Das Foto soll laut US-Militär den Handabdruck einer Person zeigen, die eine nicht explodierte Mine von dem Boot entfernt hatte. (Quelle: US Navy/Reuters)

Das Foto zeigt offenbar die Reste eines Magneten, mit dem eine Mine an einem der Tanker befestigt worden sein soll. Das US-Militär spricht von einem Haftminenangriff. (Quelle: US Navy/Reuters)

Rückstände einer weiteren, nicht explodierten Haftmine, die nach dem Angriff von Soldaten der Revolutionsgarden entfernt worden sein soll, um Beweise zu vernichten. (Quelle: US Navy/Reuters)

Rückstände einer weiteren, nicht explodierten Haftmine, die nach dem Angriff von Soldaten der Revolutionsgarden entfernt worden sein soll, um Beweise zu vernichten. (Quelle: US Navy/Reuters)

Das Foto soll laut US-Militär den Schaden nach der Explosion einer Mine am Rumpf des Bootes zeigen. (Quelle: US Navy/Reuters)

Und auch dieses Foto Und auch dieses Foto soll die iranischen Revolutionsgarden auf einem Boot am Tanker zeigen. (Quelle: US Navy/Reuters)

Unmittelbar vor Shanahans Ankündigung versetzte der Iran den Bemühungen der EU um eine Deeskalation der Krise im Nahen Osten einen erheblichen Dämpfer. Die Führung in Teheran kündigte an, bereits vom 27. Juni an einen Teil ihrer Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen nicht mehr zu erfüllen.

Spannungen nehmen zu

In der Mitteilung Shanahans hieß es, die jüngsten Angriffe bestätigten Geheimdienstinformationen über das feindselige Verhalten durch die iranischen Streitkräfte und ihre verbündeten Gruppen. Mit der Entsendung der zusätzlichen Truppen sollten US-Soldaten und nationale Interessen der USA in der Region geschützt werden. 

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Monaten zu. Bereits Ende Mai hatten die USA ihre Truppen im Nahen Osten wegen der "anhaltenden Bedrohung" durch iranische Kräfte um 1.500 Soldaten verstärkt. Zuvor hatte das US-Militär unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region verlegt.

Ein brennender Öl-Tanker im Golf von Oman: Die EU stellt sich vorerst nicht hinter die US-Vorwürfe gegen den Iran – die Vorfälle müssten sorgfältig geprüft werden. Das Atomabkommen steht auf dem Spiel. (Quelle: dpa)

Neue angebliche Beweisfotos

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte am Donnerstag neue Fotos zu den Angriffen auf die beiden Öltanker im Golf von Oman, die die Vorwürfe gegen die iranischen Revolutionsgarden belegen sollen. Die Bilder zeigen nach Pentagon-Angaben unter anderem das Loch, das eine Haftmine oberhalb der Wasserlinie in den Rumpf eines der Öltanker namens "Kokuka Courageous" gerissen haben soll.



Ein weiteres der insgesamt elf neuen Fotos vom Montag zeigt nach US-Darstellung Rückstände einer weiteren, nicht explodierten Haftmine, die nach dem Angriff von Soldaten der Revolutionsgarden vom Schiffsrumpf entfernt worden sein soll, um Beweise zu vernichten. Auf einem von einem US-Hubschrauber aus aufgenommenen Foto soll das Schnellboot mit den Soldaten zu sehen sein, die die Mine entfernten.

Bereits am Donnerstag hatte das US-Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, ein Video veröffentlicht, das die Entfernung der Haftmine zeigen sollte. Das Pentagon machte am Montag erneut den Iran für die Angriffe verantwortlich. Als Begründung führte das Ministerium das Video an – und die "Ressourcen und Kenntnisse, die nötig sind, um die nicht explodierte Haftmine zu entfernen".

EU will noch keine Anschuldigungen erheben

Bundesaußenminister Heiko Maas und seine Amtskollegen aus Luxemburg, Österreich und den Niederlanden betonten am Montag bei einem Treffen in Luxemburg, dass sie zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Anschuldigungen gegen den Iran erheben wollen. Maas bezeichnete die Gesamtlage als "extrem explosiv". Jeder müsse nun wirklich aktive Schritte zur Deeskalation beitragen.

Der Iran kündigte an, dass er bereits am Donnerstag kommender Woche eine im Atomabkommen festgelegte Obergrenze für Vorräte mit niedrig angereichertem Uran überschreiten werde. Zudem erklärte die Islamische Republik, umgehend bereit zu sein, auch das Anreicherungslimit von 3,67 Prozent zu brechen. Auf 90 Prozent hoch angereichertes Uran kann für Atombomben benutzt werden.

Die Ansage Teherans spitzt die Lage und die Debatte über den Umgang mit dem Iran deutlich zu. Sollte das Land seine Verpflichtungen nicht mehr einhalten, könnte das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe bis zum Jahresende Geschichte sein.





Die US-Regierung bemüht sich intensiv darum, internationale Partner von ihrer Sichtweise zu überzeugen, dass die iranischen Revolutionsgarden hinter dem Angriff stecken. Außenminister Mike Pompeo telefonierte deswegen am Wochenende mit Amtskollegen aus aller Welt. Bislang haben sich aber nur Großbritannien und Saudi-Arabien in der Frage öffentlich an die Seite der Amerikaner gestellt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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