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Italien – Salvini verweigert Rettungsschiff "Alex" die Einfahrt – Malta hilft

Seenotretter in Not  

Keine Einfahrt in Italien, Malta hilft – zweites Schiff sucht Hafen

Von Jonas Mueller-Töwe, David Ruch

05.07.2019, 17:45 Uhr
 (Quelle: Reuters)
Vor Libyen: Deutsches Schiff nimmt 65 Flüchtlinge auf

Die deutsche Hilfsorganisation Sea Eye hat mit ihrem Schiff "Alan Kurdi" 65 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Die Personen wurden auf einem überladenen, manövrierunfähigen Schlauchboot in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste entdeckt. (Quelle: Reuters)

Nach Sea-Watch: Ein weiteres deutsches Schiff hat vor Libyen 65 Flüchtlinge aufgenommen. (Quelle: Reuters)


Der Streit um die "Sea-Watch 3" ist kaum vorbei – da kreuzt das nächste Rettungsschiff vor italienischen Gewässern. Und ein weiteres hat über 65 Menschen aufgenommen. Man werde sie nicht zurück nach Libyen bringen. 

Kurz nach der Eskalation um die "Sea-Watch 3" und ihre Kapitänin Carola Rackete darf erneut ein Rettungsschiff nicht in Italien anlaufen. Das Rettungsschiff "Alex" der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea wird in Italien seit dem Morgen die Einfahrt verweigert. Am Donnerstagabend hatte die Crew 54 Menschen aus Seenot in libyschen Gewässern gerettet und auf der Suche nach einem sicheren Hafen Kurs nach Norden genommen. Bei der Rettungsleitstelle in Rom wurde um Landeerlaubnis in Lampedusa gebeten.

Salvini droht den Rettern

Nach Stunden des Wartens und Verhandelns zeichnete sich am Nachmittag eine Lösung auf der "Alex" ab. Ein Boot der italienischen Küstenwache nahm 13 Geflüchtete – medizinische Notfälle, Frauen und Kinder – an Bord, schrieb Mediterranea auf Twitter. Für die übrigen 41 gebe es eine Absprache. Malta werde die Geretteten aufnehmen, Italien im Gegenzug Migranten übernehmen, die bereits in Malta sind. Die Crew der "Alex", die unter italienischer Flagge fährt, warte nun darauf, dass die Geretteten abgeholt würden.

Ein Anlegen von Schiffen mit Flüchtlingen an Bord hatte die Regierung in Rom am Donnerstag noch einmal kategorisch abgelehnt. Mit Blick auf die "Alex" bekräftigte der rechtsextreme Innenminister Matteo Salvini, er werde alles tun, um zu verhindern, dass Italien zu einem "Hafen für Schlepper" werde. Erst vor Kurzem hatte die Sea-Watch-Kapitänin Rackete nur unter Missachtung des Einfahrverbots anlanden können. Sie wurde festgenommen, ein Gericht ließ weite Teile der Vorwürfe später aber fallen. Nun will sie Salvini wegen Verleumdung verklagen.

Das Gericht befand weiter, Salvinis Sicherheitsdekret sei nicht auf Rettungsschiffe anzuwenden. Das unterstützt die Sicht der Crew auf der "Alex", die das Dekret als illegitim bezeichnet und sich an internationales Recht gebunden fühlt, Lampedusa anzulaufen.

Schwangere an Bord der "Alex": Noch ist das weitere Schicksal der Geretteten ungeklärt. (Quelle: AP/dpa/Olmo Calvo)Schwangere an Bord der "Alex": Noch ist das weitere Schicksal der Geretteten ungeklärt. (Quelle: Olmo Calvo/AP/dpa)

Helfer beschrieben die Lage auf dem Segelschiff als dramatisch. An Bord befanden sich, wie Bilder zeigten, auch schwangere Frauen und kleine Kinder. Malta bot der "Alex" an, in den Hafen in Valetta zu fahren – was die Schiffscrew mit der Begründung ablehnte, das Boot biete keinen ausreichenden Schutz. Man sei allerdings bereit, die Geretteten der italienischen oder maltesischen Küstenwache zu übergeben.

Zweites Schiff sucht sicheren Hafen

Ein weiteres Schiff der Hilfsorganisation Open Arms kam der "Alex" zu Hilfe und übernahm kurzfristig die medizinische Versorgung der Menschen an Bord – auch ihnen wurde aber die Weiterfahrt nach Malta aus politischen Gründen verwehrt.

Derweil hat ein zweites Rettungsschiff, die deutsche "Alan Kurdi" der Organisation Sea-Eye, 65 Menschen vor Libyen in internationalen Gewässern gerettet. Die Rettungsleitstellen in Libyen, Italien, Malta und Deutschland seien informiert worden. Das Einsatzzentrum in Bremen habe das Auswärtige Amt eingeschaltet. Man werde den Anweisungen der libyschen Küstenwache nicht Folge leisten, einen libyschen Hafen anzulaufen. 
 


"Die EU-finanzierten Küstenwächter fordern uns zum Bruch geltenden Völkerrechts auf. Wir werden keine Geretteten zurück in libysche Foltergefängnisse bringen", schrieben die Helfer auf Twitter. Für die Menschen an Bord des deutschen Schiffes zeichnet sich noch keine Lösung ab.

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen
  • mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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