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Flüchtlinge: Rettungsschiff "Alex" vor Italien – Malta bietet Aufnahme an

54 Bootsflüchtlinge an Bord  

Rettungsschiff "Alex" vor Italien – Malta bietet Aufnahme an

05.07.2019, 19:03 Uhr | AFP, t-online.de, jmt, dru

Flüchtlinge: Rettungsschiff "Alex" vor Italien – Malta bietet Aufnahme an. Blick von Bord des Rettungsschiffs "Alex": Die Organisation hat die Rettungszentrale darum ersucht, in Lampedusa anlanden zu dürfen. (Quelle: Mediterranea)

Blick von Bord des Rettungsschiffs "Alex": Die Organisation hat die Rettungszentrale darum ersucht, in Lampedusa anlanden zu dürfen. (Quelle: Mediterranea)

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist frei – nun wartet das nächste Rettungsschiff vor italienischen Hoheitsgewässern auf die Erlaubnis zur Weiterfahrt. An Bord sind 54 aus Seenot gerettete Menschen.

Im Mittelmeer bahnt sich erneut eine Konfrontation um ein Rettungsschiff an. Ein Segelboot der italienischen Flüchtlingshilfsorganisation Mediterranea hat vor der libyschen Küste nach eigenen Angaben 54 Menschen aus Seenot gerettet und steuert die italienische Küste an. Das Schiff bat demnach um Erlaubnis zum Anlegen in Lampedusa. Innenminister Matteo Salvini untersagte dies umgehend.

Update: Im Fall der "Alex" bahnt sich eine Lösung an

Am Morgen erreichte das Segelschiff "Alex" den Rand der italienischen Hoheitsgewässer. An Bord befinden sich nach Angaben der Organisation auch drei Schwangere und vier Kinder. Ein Dekret des Innenministeriums, das ihnen die Weiterfahrt verbietet, betrachte man als illegitim, schrieb Mediterranea auf Twitter. Die Anordnung dürfe nicht auf Schiffe angewendet werden, die Menschen aus Seenot gerettet haben. Man warte nun auf die Erlaubnis, weiter in Richtung Norden zu segeln.

Nach Angaben der Organisation habe Malta zwischenzeitlich angeboten, die Flüchtlinge zu übernehmen – wenn Italien im Gegenzug Migranten übernimmt, die bereits in Malta sind. Der gesundheitliche Zustand der Bootsflüchtlinge ließe eine Fahrt in den über 100 Kilometer von Lampedusa entfernten Hafen in Malta aber nicht zu, sagte Mediterranea. Man sei jedoch bereit, die Menschen der maltesischen oder der italienischen Küstenwache zu übergeben.

"Jetzt brauchen wir einen sicheren Hafen"

Italiens rechtsextremer Innenminister Matteo Salvini hatte eine Aufnahme der Geretteten in Italien in einer ersten Reaktion umgehend abgelehnt. Das Schiff dürfe nicht in Italien anlegen. Die Menschen seien in libyschen Hoheitsgewässern gerettet worden. Seine Regierung werde andernfalls alles tun, um zu verhindern, dass Italien zu einem "Hafen für Schlepper" werde.

"Wir sind froh, 54 Menschen aus der Hölle Libyens gerettet zu haben", erklärte Mediterranea im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Jetzt brauchen wir einen sicheren Hafen." Laut der Organisation hatten die in Seenot geratenen Menschen einen Notruf abgesetzt. Die italienischen Behörden hatten demnach erklärt, die Rettung liege im Zuständigkeitsbereich der libyschen Küstenwache. Diese sei aber später am Unglücksort in der Seenotrettungszone eingetroffen als die "Alex". 

Mediterranea lehnt es ab, die Geretteten zurück nach Libyen zu bringen, weil ihnen dort schwerste Menschenrechtsverletzungen und Folter in Gefangenenlagern drohen. "Menschen müssen gerettet und nicht festgenommen und zurück nach Libyen geschickt werden", erklärte die Organisation. Einen tunesischen Hafen will sie nicht ansteuern, denn das Land hatte seine Häfen kürzlich über mehrere Wochen für aus Seenot gerettete Migranten gesperrt.

Bootsunglück vor Tunesien – viele Tote

Erlaubt war ihnen die Anlandung dort nur unter der Bedingung, dass sie sofort in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt würden. Asyl durften sie nicht beantragen. Am Mittwoch war vor der tunesischen Küste ein Schlauchboot mit 86 Flüchtlingen an Bord gesunken. Die Helfer gingen von nur drei Überlebenden aus.

Die Reaktion Salvinis lässt eine Wiederholung der Ereignisse um das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" befürchten, das vor Wochen mehr als 40 Migranten aus Seenot gerettet hatte und anschließend trotz Verbots in Lampedusa anlegte.


Dafür hatten italienische Behörden die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete zunächst festgenommen. Ein italienisches Gericht erklärte die Festnahme allerdings wenig später für ungültig. Der Vorwurf des Widerstands gegen ein Kriegsschiff wurde fallen gelassen. Rackete kam frei. Jedoch muss sie sich in einem anderen Verfahren wegen mutmaßlicher Beihilfe zur illegalen Migration verantworten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP
  • Eigene Recherchen

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