• Home
  • Politik
  • Ausland
  • Krisen & Konflikte
  • Arabischer Fr├╝hling: Tunesien ist die Demokratie auf den Kopf gefallen


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Das Land, dem die Demokratie auf den Kopf gefallen ist

Ein Gastbeitrag von Holger Dix, Tunis

Aktualisiert am 12.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Tunis 2011: Proteste trieben den Despoten Ben Ali ins Exil.
Tunis 2011: Proteste trieben den Despoten Ben Ali ins Exil. (Quelle: Lucas Dolega/dpa-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen Text"Querdenker" attackieren Drosten im UrlaubSymbolbild f├╝r einen TextSch├╝sse bei Geldtransporter-├ťberfallSymbolbild f├╝r ein VideoScholz erntet Shitstorm nach PKSymbolbild f├╝r einen TextKomiker sollen Giffey reingelegt habenSymbolbild f├╝r ein VideoAbgetrennter Kopf in Bonn: neue DetailsSymbolbild f├╝r ein VideoBis zu 50 Liter Regen pro QuadratmeterSymbolbild f├╝r einen TextBusunfall: Fahrer stirbtSymbolbild f├╝r einen TextSensationstransfer vor AbschlussSymbolbild f├╝r einen TextDas ist Deutschlands bester ClubSymbolbild f├╝r einen TextUngewohnt privat: neues Foto von MeghanSymbolbild f├╝r einen TextSch├╝lerin fehlt Punkt zum perfekten AbiSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserPrinz William ausgerastet: Palast reagiertSymbolbild f├╝r einen TextSchlechtes H├Âren erh├Âht das Demenzrisiko

Heute vor zehn Jahren verjagte das Volk Tunesiens Diktator Ben Ali, es war der Auftakt der arabischen Revolutionen. Wo steht das Land heute?

"D├ęgage!" - "Verschwinde!": Vor zehn Jahren, am 14. Januar 2011, folgte der damalige Staatspr├Ąsident Tunesiens Ben Ali eher ├╝berraschend dieser Forderung der zahlreichen Demonstranten und verlie├č das Land mit zun├Ąchst unbekanntem Ziel. Nach 23 Jahren Herrschaft mit harter Hand und schier grenzenloser Selbstbereicherung w├Ąhlte er einen unspektakul├Ąren politischen Abgang, setzte sich in einen Privatjet und lie├č sich, nachdem diverse L├Ąnder seine Aufnahme verweigert hatten, in Saudi-Arabien absetzen.

Seiner Flucht vorausgegangen waren landesweite Proteste gegen das Regime, die ihren Ausgangspunkt am 17. Dezember 2010 mit einer Selbstverbrennung im vergessenen St├Ądtchen Sidi Bouzid nahmen. Dort verdiente der 26 Jahre alte Mohamed Bouazizi seinen kargen Lebensunterhalt mit einem mobilen Gem├╝sestand.

Eine Tat der Verzweiflung

Wie viele solcher H├Ąndler hatte er daf├╝r keine Genehmigung und wurde deshalb von einer Polizistin unter Androhung eines Bu├čgeldes und der Beschlagnahme der Waage aufgefordert, den Verkauf einzustellen. Getrieben zwischen Revolte und Verzweiflung, beschimpfte Bouaziz die Polizistin grob und handelte sich daf├╝r eine Ohrfeige ein, bevor er sich auf den Weg zum Gouverneursamt machte, um eine Verkaufslizenz zu erfragen. Als er die Beh├Ârde verschlossen vorfand, ├╝bergoss er sich mit Benzin und z├╝ndete sich an.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
BBC-Moderatorin Deborah James ist tot
Deborah James: Die krebskranke Moderatorin verabschiedete sich in einem emotionalen Post von ihren Fans.


Holger Dix leitet das Auslandsb├╝ro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tunis.

Seine Verzweiflungstat war der Tropfen, der in Tunesien das Fass zum ├ťberlaufen brachte. Sie f├╝hrte zu einer landesweiten Protestwelle, die in der Flucht Ben Alis gipfelte. Der politische Umbruch, der dann in Tunesien folgte, war unmittelbarer und umfassender als in allen anderen L├Ąndern, die anschlie├čend vom Arabischen Fr├╝hling erfasst wurden.

Die renommierte tunesische Soziologin Riadh Zghal beschrieb die politische Transition Tunesiens k├╝rzlich mit den Worten: "Die Demokratie ist uns auf den Kopf gefallen." Die Tunesische Revolution f├╝hrte das Land unvorbereitet in ein neues politisches System, dessen Aufbau bis heute nicht abgeschlossen ist. Quasi ├╝ber Nacht wurden die damalige Einheitspartei RCD aufgel├Âst, andere politische Parteien zugelassen und die Pressefreiheit erkl├Ąrt.

Eine Demokratie muss sich bew├Ąhren

Seitdem erlebte das Land viel Licht und viel Schatten. Die junge Demokratie war bereits unter Druck geraten, bevor sie eine ausreichende Widerstandskraft gegen externe und interne Krisen aufbauen konnte. Terroranschl├Ąge mit katastrophalen Auswirkungen auf den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor, instabile Regierungen, ein schon fast ein Jahrzehnt w├Ąhrender Krieg im Nachbarland Libyen, der zunehmende Einfluss autorit├Ąrer Staaten in der Region und zuletzt die Pandemie bildeten schwierige Rahmenbedingungen f├╝r die Entwicklung des Landes.

Anstatt, dass die gewonnenen Freiheiten Kr├Ąfte freigesetzt h├Ątten, wird der verantwortliche Umgang mit eben diesen Freiheiten zu einer harten Bew├Ąhrungsprobe. Das frei gew├Ąhlte Parlament wird zum Austragungsort von der Demokratie unw├╝rdigen verbalen und gar gewaltt├Ątigen Auseinandersetzungen. Nicht ohne Folgen f├╝r die Perzeption der repr├Ąsentativen Demokratie: Die ├╝berw├Ąltigende Mehrheit der Tunesier f├╝hlt sich vom Parlament nicht repr├Ąsentiert.

Zehn Jahre nach der politischen Wende riskiert Tunesien ├╝berdies, erneut in Protesten zu versinken. Allein f├╝r die Zeit von Januar bis November 2020 wurden mehr als 7.600 Protestbewegungen gez├Ąhlt. Anders als vor zehn Jahren l├Ąsst sich diesmal aber nur schwer ein S├╝ndenbock ausfindig machen, den man in die W├╝ste schicken k├Ânnte.

Die Euphorie ist geschwunden

Gem├Ą├č einer Umfrage vom Dezember 2020 halten immerhin 58 Prozent der Tunesier die Revolution f├╝r gescheitert und 67 Prozent der Befragten gaben an, die Lage des Landes sei jetzt schlechter als vor 2011. Wenig ├╝berraschend macht sich eine Verkl├Ąrung des Ben-Ali-Regimes breit. Dessen Repression und Korruption werden mit dem Hinweis relativiert, Tunesien sei noch immer ein Polizeistaat, der im Gegensatz zu fr├╝her aber heute keine Sicherheit mehr produziere, und die Korruption Weniger in der Diktatur sei lediglich durch die Korruption Vieler ersetzt worden. Solche Einsch├Ątzungen m├Âgen stark ├╝berzogen sein, geben aber den Gem├╝tszustand vieler Tunesier wieder.

Derweil steigt auch die Ungeduld der internationalen Gemeinschaft gegen├╝ber Tunesien. In dem auf internationale Unterst├╝tzung angewiesenen Land wollen Geber rasche Erfolge sehen. Die Komplexit├Ąt des politischen Wandels ger├Ąt dabei aus dem Blick, auch weil viele Beobachter Tunesien schon fr├╝h als Hoffnungstr├Ąger, Leuchtturm oder gar Modell deklarierten und die H├╝rden und Widerst├Ąnde in der politischen Transition jetzt als R├╝ckschritte bewerten.

Die teils ├╝bertriebene Euphorie von damals weicht einer Skepsis, die ebenfalls zur ├ťbertreibung neigt. Sie wird einem Land nicht gerecht, dessen Gesellschaft sich am 14. Januar 2011 mutig auf den Weg machte, demokratische Institutionen aufzubauen und eine die Demokratie tragende politische Kultur zu schaffen. Daf├╝r sind zehn Jahre zweifellos zu kurz.

Die im Gastbeitrag ge├Ąu├čerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online.de-Redaktion.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Fabian Reinbold, Schloss Elmau
AlgerienBenzinSaudi-ArabienTunesien
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website