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Nachfolge von Angela Merkel: Merz oder Laschet, das ist die Frage

MEINUNGMerkel-Nachfolge  

Merz oder Laschet, das ist die Frage

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

05.11.2018, 12:38 Uhr
Nachfolge von Angela Merkel: Merz oder Laschet, das ist die Frage. Konkurrenten Friedrich Merz (links) und Armin Laschet (Quelle: t-online.de)

Konkurrenten Friedrich Merz (links) und Armin Laschet (Quelle: t-online.de)

Auf Regionalkonferenzen können die Kandidaten für den CDU-Vorsitz für sich werben. Aus heutiger Sicht hat Friedrich Merz, der wegen seiner Mandate als Anwalt unter die Lupe genommen wird, die besten Chancen. Doch im Hintergrund wartet Armin Laschet.

An dem turbulenten Tag, als Angela Merkel ihren Rückzug auf Raten ankündigte, hat sie einen ironischen Satz hinterhergeschickt: Jemanden als Nachfolger oder Nachfolgerin für sie zu finden, sei doch "ein sehr schöner Prozess, den wir seit über 18 Jahren nicht hatten". Stand heute wollen zwölf Bewerber den CDU-Vorsitz übernehmen, darunter zwei prominente Männer und eine bekannte Frau: Gesundheitsminister Jens Spahn, der ehemalige Fraktionschef Friedrich Merz und Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Und dazu kommt noch Armin Laschet. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat kunstvolle Sätze gedrechselt, wonach er einerseits darauf verzichtet, zu den Diadochen zu stoßen, und es sich andererseits vorbehält, er könnte doch noch eingreifen. Dann nämlich, wenn auf dem Hamburger Parteitag simultan über Vorsitz und Kanzlerschaft entschieden wird.

Der schöne Prozess kann also noch viel schwieriger werden, als er ohnehin schon ist … Das muss aber nicht schlecht sein, es kann den neuen Vorsitzenden sogar stärken. Gehen wir mal die Optionen durch.

Friedrich Merz hat seit 2002 kein besonders wichtiges Amt mehr in der CDU ausgeübt. Er war weg, aber nie ganz. Er ging in die Privatwirtschaft, doch andere hielten die Erinnerung an ihn warm. So viel wir wissen, fand sich besonders in Baden-Württemberg ein Gönner, der ihm bevorzugte Behandlung zuteilwerden ließ: Wolfgang Schäuble.

Spannend, sehr spannend. Ich stand ja nicht allein mit der Vermutung, dass Schäuble der ideale Übergangskanzler sein könnte, sobald Angela Merkel freiwillig oder unfreiwillig den Rückzug antreten sollte: Er besitzt Autorität in der CDU und mehr als genug Erfahrung im Regierungsgeschäft. Ihm selbst dürfte der Gedanke, auf bedingte Zeit zu regieren, keineswegs fremd gewesen sein, aber er schwenkte auf eine andere Priorität um: Einfluss zu üben auf die Nachfolge ohne eigenen Anspruch – Königsmacher statt Königinnenmörder.

CDU-Vorsitz: Das sind die drei Kandidaten, die auf Merkel folgen könnten. (Quelle: t-online.de)


Misstrauen gegenüber dem Millionär Merz

An Friedrich Merz entzünden sich jetzt unterschiedliche Fantasien. Seine Anhänger in Stadt und Land träumen entweder von der Rückkehr zur alten CDU, wirtschaftlich liberal und sozial konservativ gestimmt, oder von einem markanten CDU-Konservatismus, der die AfD halbiert.

Jenseits der CDU blühen andere Fantasien. Dort beugen sie sich jetzt pikiert und misstrauisch über den Millionär, der als Rechtsanwalt lukrative Mandate annahm und unter anderem die größte Fondsgesellschaft der Welt in Deutschland im Aufsichtsrat vertrat, BlackRock. Ist das nicht anrüchig? Darf so einer wieder Politiker sein?

Ja, so geht es zu, draußen im richtigen Leben. Da ist einer Rechtsanwalt und verdient Geld. Er sitzt in Aufsichtsräten und wird Partner bei einer großen amerikanischen Kanzlei. Er sucht Investoren für die WestLB, eine Landesbank, die unter tatkräftiger Mithilfe von SPD-Ministerpräsidenten ihr Geschäft so lange ausgeweitet hatte, bis sie in größtmögliche Schwierigkeiten geriet. Er ist erfolgreich, er hat einen vorzüglichen Ruf. Was ist gegen ihn zu sagen?

Ich habe nichts dagegen einzuwenden, dass jetzt genau hingeschaut wird, was Friedrich Merz im letzten Jahrzehnt alles so geschaukelt hat. Mich stört aber der Generalverdacht, dass jemand, der in der Privatwirtschaft viel Geld verdient hat, jede Menge Dreck am Stecken haben muss. Mich stört auch dieser antikapitalistische Gemütsdefekt, dass Wirtschaftsleute in der Wirtschaft bleiben müssen und Politiker gefälligst als Politiker leben und sterben sollen. Mehr Austausch, mehr Hin und Her, wäre gut für das Land, finde ich.

Friedrich Merz: Der Rechtsanwalt saß bei der größten Fondsgesellschaft der Welt in Deutschland im Aufsichtsrat. (Quelle: Reuters/Hannibal Hanschke)Friedrich Merz: Der Rechtsanwalt saß bei der größten Fondsgesellschaft der Welt in Deutschland im Aufsichtsrat. (Quelle: Hannibal Hanschke/Reuters)

Friedrich Merz hat 2002 verloren und ist gegangen. Was er werden wollte, wurde Angela Merkel. Er war gekränkt und er hat nicht vergessen. Nach Jahr und Tag eröffnet sich ihm die Chance, doch noch Kanzler zu werden. Er will sie nutzen und das ist in Ordnung. Versuchen darf er es, was denn sonst. Falls ihm etwas angehängt werden kann, werden wir es erfahren, und dann ist er wieder weg, und zwar ganz und auf alle Tage. Bis dahin ist die entscheidende Frage: Kann er Kanzler und ist er gut für das Land? Auf den Regionalkonferenzen der nächsten Wochen bekommen wir eine Ahnung davon.

Friedrich Merz ist schlecht für Jens Spahn. Das ist erstaunlich, denn Merz wird in Kürze 63 und Spahn ist 38. Merz ist eigentlich zu alt und Spahn zu jung. Von Merz glaubt die CDU zu wissen, wer er ist und was er will und was er kann. Spahn hingegen ist ein Versprechen. Er machte sich größer als er ist, indem er Kritik an der Kanzlerin äußerte, zuletzt in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine". Das war so lange aussichtsreich, bis Angela Merkel nach Hessen Konsequenzen zog.

Was plant Vielleicht-ja-doch-Kandidat Laschet?

Merz hat keine Zeit – entweder jetzt oder nie. Spahn hat Zeit – wenn nicht jetzt, dann später.

Beide stammen aus Nordrhein-Westfalen und damit kommt wieder der Vielleicht-ja-doch-Kandidat Armin Laschet ins Spiel. Sein mitgliederstarker Landesverband will in Hamburg der Königsmacher sein. Die Präferenz gilt Friedrich Merz. Spricht sich die CDU an Rhein und Ruhr tatsächlich für den Wiedergänger aus, tritt für Armin Laschet der Fall ein, für den er einen Vorbehalt geltend macht. Wird Merz Vorsitzender, ist die Kanzlerschaft geklärt. Nach einer Anstandsfrist dürfte Angela Merkel den Weg freimachen, bevor sie dazu gezwungen wird.

Ich bin überzeugt davon, dass Armin Laschet so weit gedacht hat. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat er unter diesen Umständen vor, Friedrich Merz zu verhindern, oder er hat Gründe zu glauben, dass Friedrich Merz sich selbst verhindert, sobald das eine oder andere herauskommt, was ihm ernsthaft schaden wird.

Verhindern: glaube ich nicht. Selbst verhindern: kann schon sein.

Armin Laschet: Der CDU-Chef in NRW will nicht für den Bundesvorsitz seiner Partei antreten.  (Quelle: Klaus W. Schmidt)Armin Laschet: Der CDU-Chef in NRW will nicht für den Bundesvorsitz seiner Partei antreten. (Quelle: Klaus W. Schmidt)

Solche tückischen Überlegungen würde ich aber anderen Politikern eher zutrauen als Laschet, der ein überaus angenehmer Mensch ist. Allerdings steht er unter dem Zwang zu beweisen, dass ihm Machtbewusstsein und Durchsetzungskraft nicht fremd sind. Wir werden sehen.

Es ergeben sich vier Optionen

Daraus ergibt sich die erste Option: Friedrich Merz bleibt Kandidat. Jens Spahn bleibt auf weiteres Kandidat und verzichtet erst dann, wenn er weiß, was aus ihm unter einem Kanzler Merz werden wird. Der Rückzug will belohnt sein.

Zweite Option: Tritt der Fall ein, dass Friedrich Merz nicht antreten kann, wirft sich Armin Laschet in die Bresche. Da er schwerlich als Vorsitzender der CDU Ministerpräsident bleiben wird, strebt er umgehend die Kanzlerschaft an, die ihm Angela Merkel freimacht.

Dritte Option: Irgendwann in den nächsten Wochen bis zum 6. Dezember schrumpft das Trio zu einem Duo, indem Jens Spahn seinen Verzicht erklärt. Dann stehen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, der Kürze wegen AKK genannt, und Friedrich Merz gegenüber. Da AKK die gesalbte Nachfolgerin ist, hängt ihr genau diese Salbung an. Da sie zu wenig wendig ist, und das schnelle Wenden weg von der Kanzlerin sie unglaubwürdig machen würde, hat sie eine ungünstige Ausgangslage. Merkel als Mühlstein an ihrem Halse.

Vierte Option: Das Duo besteht aus Armin Laschet und AKK. Laschet ist zwar genauso ein Apologet der Kanzlerin gewesen wie AKK und warnt wie AKK vor einem Rechtsruck der CDU, aber er hätte die stärkeren Truppen hinter sich.

Jeder Kandidat verdient Respekt. Jeder verspricht Veränderung. Jeder verkörpert eine bestimmte Haltung zu den großen Problemen der Zeit. Von jedem der drei oder vier verspricht sich die CDU, dass sie wieder größer und stärker und bedeutungsvoller wird – dass sie der AfD verlorene Wähler abnimmt und nicht länger darum bangen muss, unter 30 Prozent zu rutschen. Derjenige Kandidat wird Vorsitzender und damit Kanzler werden, in den sie das meiste Vertrauen setzt.


Im Windschatten des schönen Prozesses erleben wir die innere Stärke unserer Kanzlerin Angela Merkel noch einmal beispielhaft. Da geht jemand, der sich nicht allzu wichtig nimmt und genommen hat, der weiß, dass Ämter nicht wichtiger als Menschen sind und auf Zeit verliehen werden, der Haltung und Charakter im Abschied zeigt. Ich kann da nur sagen: Châpeau und alles Gute.

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