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Nach Tod von George Floyd: Donald Trump will nicht als Schwächling dastehen

Präsident in der Krise  

Tränengas allein für Trump

02.06.2020, 17:57 Uhr
Nach Tod von George Floyd: Donald Trump will nicht als Schwächling dastehen. Der US-Präsident hatte das Weiße Haus am Montag zu Fuß verlassen, um eine nahegelegene Kirche zu besuchen. Unter anderem mit Tränengas löste die Polizei dafür eine friedliche Demonstration gegen Trump auf. (Quelle: imago images/Shawn Thew/Pool via CNP/MediaPunch)

Der US-Präsident hatte das Weiße Haus am Montag zu Fuß verlassen, um eine nahegelegene Kirche zu besuchen. Unter anderem mit Tränengas löste die Polizei dafür eine friedliche Demonstration gegen Trump auf. (Quelle: Shawn Thew/Pool via CNP/MediaPunch/imago images)

Der US-Präsident fürchtet, in der Protestwelle als Schwächling dazustehen. Deshalb droht er mit Militär und spannt die Polizei für eine PR-Aktion in eigener Sache ein. 

Es ist eine Aktion, wie sie wohl nur im Weißen Haus Donald Trumps möglich ist: Am Montagabend trat der US-Präsident kurzfristig im Rosengarten vor die Kameras – während keine 500 Meter Luftlinie entfernt die Einsatzkräfte mit Blendgranaten, Gummigeschossen und Tränengas gegen einen friedlichen Protest vorgingen. Man hörte die Schüsse, während Trump ins Mikrofon sprach.

Im Rosengarten rätselten die Reporter über den Auftritt. Und auf der geräumten Kreuzung wurden die Demonstranten überrascht von der Blitzaktion, für die es zunächst keine Erklärung zu geben schien – zu ihnen drang erst viel später durch, was gleich geschehen würde.

Die Polizeieinheiten hatten den Block um die Kreuzung 16th und H Street nördlich des Weißen Hauses mit einer Überfalltaktik geräumt, weil Trump höchstpersönlich dorthin wollte. Der Präsident besuchte, unangekündigt, die St. John’s Church, eine Kirche schräg gegenüber dem Weißen Haus, deren Kellerraum bei Krawallen am Vorabend in Brand gesteckt worden war.

Donald Trump vor der St.-John’s-Kirche: Eine Bischöfin klagt, dass "eine unserer Kirchen als Requisite" benutzt worden sei. (Quelle: AP/dpa/Patrick Semansky)Donald Trump vor der St.-John’s-Kirche: Eine Bischöfin klagt, dass "eine unserer Kirchen als Requisite" benutzt worden sei. (Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa)

Trump ging durch den ramponierten Park nördlich des Weißen Hauses, Minister und Berater im Schlepptau, vorbei an einem ausgebrannten Schuppen, durch die Barrikade und posierte vor der Kirche. Er reckte eine Bibel in die Höhe, sprach ein paar Sätze, würdigte die Kirche selbst kaum eines Blickes – und dann ging es zurück in die Festung Weißes Haus.

Tränengas allein für Trump

Ein friedlicher Protest aufgelöst für den Präsidenten, Tränengas allein für Trump, damit dieser für einen Fototermin posieren konnte. Trump ging seelenruhig durch das Zentrum der Proteste der Hauptstadt – ein Bild, das Stärke symbolisieren soll.

Prügeln für den Präsidenten: Polizisten räumen den Park am Weißen Haus, damit Donald Trump ein Foto vor einer Kirche machen kann. (Quelle: Reuters/Ken Cedeno)Prügeln für den Präsidenten: Polizisten räumen den Park am Weißen Haus, damit Donald Trump ein Foto vor einer Kirche machen kann. (Quelle: Ken Cedeno/Reuters)

Trumps Denken dreht sich in diesen Tagen um Stärke und Schwäche. Die Proteste in den USA gehen nun in die zweite Woche – und der Präsident sucht noch immer seinen Umgang mit der Krise, die der gewaltsame Tod des Schwarzen George Floyd durch die Polizei ausgelöst hat und die Trump anfangs unterschätzte.

Trump, der wegen seines zögerlichen Management von Corona- und Wirtschaftskrise ohnehin um seine Wiederwahl fürchten muss, wirkte für viele Bürger und Beobachter wie abgetaucht. Scharfe Kritik erntete er etwa dafür, dass er sich nicht mit einer Ansprache an die Nation zu Wort meldete, um den Zorn über Polizeigewalt und Rassismus abzufedern. Doch das Spenden von Trost entspricht nicht Trumps Art. 

Häme nach der Flucht in den Bunker

Und mehr noch: Fast schon mit Häme wurde eine Nachricht kommentiert, die am Sonntagabend durchdrang: Trump war in der ersten Nacht der Proteste, am Freitagabend, in den Bunker unterhalb des Weißen Hauses eskortiert worden. Ein Sicherheitsprotokoll wie bei einem Terroranschlag. Das berichteten die US-Medien übereinstimmend.

Trump stand als das da, was er auf keinen Fall sein will: als schwach.

Deshalb markiert der US-Präsident jetzt auf verschiedenen Ebenen den Starken: Er twittert nicht länger nur markant. Seine kurze, nicht einmal sieben Minuten andauernde Rede im Rosengarten nutzte er, um sich wieder einmal eine neue Bezeichnung zu verpassen. "Ich bin Euer Recht-und-Ordnung-Präsident", sagte er.

Die Proteste in Washington sorgen Trump

Er drohte damit, das Militär gegen die eigenen Bürger einzusetzen – sofern die Gouverneure und Bürgermeister der von Krawallen betroffenen Städte nicht die aus seiner Sicht erforderlichen Schritte einleiteten. Und er kündigte an, Bundeskräfte für die Niederschlagung der Proteste in der Bundeshauptstadt zusammenzuziehen. Er sprach von "Tausenden schwer bewaffneten Soldaten" – wobei noch unklar ist, wen oder was Trump genau damit meint.

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Der Präsident fürchtet die Proteste in der Hauptstadt. Er habe, das berichten US-Medien unter Berufung auf Vertraute des Präsidenten, Ausmaß und Schärfe unterschätzt. Insbesondere am Sonntagabend kam es zu schweren Verwüstungen. Washingtons Bürgermeisterin verschärfte am Montag die Ausgangssperre – sie griff nun bereits ab 19 Uhr.

Proteste und Krawalle: "Diese Szenerie am Weißen Haus war vor Kurzem noch unvorstellbar", sagt t-online.de-Korrespondent Fabian Reinbold vor Ort in Washington. (Quelle: t-online.de)

Die Vertreibung der Demonstranten für Trumps Spaziergang begann eine halbe Stunde zuvor. Selbst die Bischöfin der Episkopalkirche, zu der St. John’s gehört, konnte es nicht glauben: Man sei nicht informiert worden. Der Bereich sei mit "Tränengas geräumt worden, damit sie eine unserer Kirchen als Requisite benutzen". Über Trump sagte die Bischöfin der "Washington Post": "Alles, was er gesagt und getan hat, hat die Gewalt angefacht."

Trumps Fokus auf Stärke und Schwäche wurde schon in einem Telefonat mit Gouverneuren am Montagvormittag deutlich, dessen Mitschnitte sich rasch verbreiteten. Trump attestierte den Gouverneuren darin: "Die meisten von euch sind schwach." Man müsse die Straße dominieren, sonst stehe man als "Narr" oder "totaler Idiot" da. 

Direkt zuvor führte Trump übrigens ein weiteres Telefonat – mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Der Anruf wurde durch den Kreml bekannt und erst auf zahlreiche Nachfragen vom Weißen Haus bestätigt. Ob die beiden auch über die Krawalle in den USA sprachen, ist nicht bekannt. Zum Thema Stärkezeigen hätte Putin wohl auch etwas beizutragen gehabt – wie auch zur rigorosen Niederschlagung von Protesten.

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