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US-Wahl: Blitzanalyse zum TV-Duell Trump gegen Biden – viel Krawall, kein Gewinner


Blitzanalyse zum TV-Duell  

"Hältst du mal die Klappe, Mann?" – Krawall ohne Gewinner

US-Wahlkampf: Trump und Biden treffen in TV-Debatte aufeinander

Am Dienstag trafen die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden erstmals in einer TV-Debatte direkt aufeinander. Moderator Chris Wallace hatte stellenweise Mühe, die hitzige Debatte zu kontrollieren. (Quelle: t-online/Reuters)

"Hältst du mal die Klappe, Mann?": Hier sehen Sie die wichtigsten Ausschnitte aus dem hitzigen TV-Duell. (Quelle: t-online/Reuters)


Es war noch giftiger als erwartet: Donald Trump und Joe Biden lieferten sich im TV-Duell einen heftigen Schlagabtausch. Wie die Kandidaten vorgingen und was wichtig war: die Blitzanalyse.

Fünf Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl sind Donald Trump und Joe Biden erstmals in einem Fernsehduell direkt aufeinandergetroffen. Die Kontrahenten lieferten sich in Cleveland, Ohio, eine heftige und persönliche Auseinandersetzung. Dabei tauschten sie auch Beschimpfungen aus.

Die wichtigsten Erkenntnisse in der Blitzanalyse:

So verlief die Debatte

Es wurde schon nach wenigen Minuten chaotisch, was vor allem am Präsidenten lag. Donald Trump begann schnell und ausgiebig, Kontrahent Biden und Moderator Chris Wallace zu unterbrechen. Wallace hatte erhebliche Probleme, die Debatte zu lenken. Erst nach einer knappen Stunde ermahnte er Trump deutlicher, die Regeln einzuhalten. Es wurden in der Debatte auch inhaltliche Differenzen deutlich, etwa bei der Wirtschafts- und Klimapolitik, doch es dominierten die persönlichen Attacken und das wilde Durcheinanderreden. So dauerte es keine Viertelstunde, bis Joe Biden erstmals die Geduld verlor: Er herrschte den Präsidenten an: "Hältst du mal die Klappe, Mann?"

So schlug sich Trump

Von Anfang an war sein Ziel, zu stören und zu unterbrechen. Tatsächlich brachte er damit mitunter sowohl Biden als auch Moderator Wallace aus dem Konzept. Er schoss sich auf Bidens Charakter und Person ein. Selbst als Biden über seinen an Krebs gestorbenen Sohn Beau sprach, provozierte Trump ihn mit Fragen nach dessen anderem Sohn Hunter, dem er unlautere Geschäfte vorwirft. Dass Trump Biden mit Fragen nach dessen Sohn provozieren wollte, hatte man im Vorfeld erwartet. Doch selbst politische Unterstützer gaben im Anschluss an, Trump habe über das Ziel hinausgeschossen. "Zu heiß" nannte etwa Berater Chris Christie den Auftritt.

Immer wieder drängte Trump Biden in die Ecke linker Demokraten und ihrer Pläne, etwa der Polizei Mittel zu streichen. Biden distanzierte sich ein ums andere Mal. "Eine Lawine an Lügen", nannte der Factchecker von CNN Trumps Auftritt.

So agierte Biden

Joe Biden versuchte, sich mit einer Doppelstrategie gegen Trumps Manöver zu wehren. Er stieß dabei aber immer wieder an Grenzen. Einerseits lächelte Biden mehrmals auffällig und vielsagend, als Trump unbelegte Behauptungen aufstellte oder ihn direkt angriff. Offensichtlich wollte er so signalisieren, dass er sich nicht auf Trumps Niveau herablassen will. "Ich bin nicht hier, um auf seine Lügen hinzuweisen", sagte er schon zu Beginn. "Jeder weiß, dass er ein Lügner ist."

Zugleich griff Biden den US-Präsidenten aber selbst immer wieder direkt und heftig an. "Er ist der Rassist", warf er Trump vor. Und: "Er ist Putins Welpe." In Erinnerung bleiben wird wohl Bidens deutlichster Angriff: "Du bist der schlechteste Präsident, den Amerika jemals hatte." Biden versuchte zwar, Trump auch inhaltlich zu stellen. Doch im Krawall konnte er nur wenige substanzielle Punkte machen. "Er hat keinen Plan", sagte er über Trump. Seinen eigenen konnte er abgesehen von einigen Stichworten aber auch nicht darlegen. Größere Patzer und Aussetzer, vor denen sich seine Berater gefürchtet hatten, passierten Biden immerhin nicht. 

Der wichtigste Moment

Moderator Chris Wallace stellte Trump und Biden zum Schluss zwei entscheidende Fragen: Werden Sie Ihren Unterstützern sagen, dass sie unabhängig vom Ergebnis der Wahl die Ruhe bewahren sollen? Und werden Sie sich nicht vorzeitig zum Sieger erklären?

Beobachter befürchten, dass Demonstrationen nach der Wahl gewalttätig werden könnten – und dass Trump den Sieg schon am Wahlabend für sich reklamieren könnte, bevor die Stimmen der Briefwahl ausgezählt sind, die das Ruder für Biden noch einmal herumreißen könnten.

Biden antwortete auf die Frage kurz und knapp mit: Ja. Trump ausdrücklich nicht, im Gegenteil: Er schürte erneut die Sorge vor Wahlbetrug. Seine Anhänger rufe er dazu auf, die Auszählung der Stimmen genau zu beobachten. Militante Anhänger Trumps, die schon jetzt zum Teil bewaffnet durch Städte patrouillieren, dürften das als Rückendeckung verstehen.

Fazit

Trump, der in den Umfragen deutlich hinter Biden liegt, dürfte mit diesem wilden Auftritt keinen Boden gut machen können. Biden wiederum hatte sichtlich Mühe, mit dem unkontrollierbaren Präsidenten zu streiten. Er verhedderte sich mehrfach, was die Gegenseite ausschlachten dürfte. Auch wenn beide sehr unterschiedlich vorgingen und Trump stärker die Regeln missachtete: Als eindeutiger Sieger darf sich niemand fühlen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen

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