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US-Wahl 2020: Fast jeder Tweet von Donald Trump seit der Wahl ist falsch

Auswertung zeigt  

Fast jeder Tweet von Trump seit der Wahl ist falsch

05.11.2020, 09:51 Uhr
Biden nähert sich dem Sieg - Trump klagt

Der demokratische Präsidentschaftskandidat hat Hochrechnungen zufolge 253 von 270 benötigten Wahlleuten sicher. Biden braucht noch Siege Arizona und Nevada, in denen er jeweils vorne liegt. (Quelle: Reuters)

"Ich bin nicht hier, um meinen Sieg zu erklären": Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden zeigt sich weiterhin optimistisch, während Trump klagt. (Quelle: Reuters)


Der US-Präsident Trump nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau, nach der Wahl ist er noch einmal zur Höchstform aufgelaufen. Eine Auswertung zeigt: An seinen jüngsten Tweets stimmt so gut wie nichts.

Dass US-Präsident Donald Trump gern twittert, ist nichts Neues. Auch nicht, dass er oft Unwahrheiten verbreitet. An den Tweets aber, die er seit der Wahl verbreitet, stimmt so gut wie nichts, wie der US-amerikanische Fernsehsender CNN zuerst ausgewertet hat. Ein paar Beispiele: 

In einem der ersten Tweets, die Donald Trump während der Wahl absetzte, schreibt er: "Ich gebe heute Nacht ein Statement ab. Ein großer SIEG!" 

Wie auch später in seiner Rede spricht Trump hier in der Wahlnacht von einem großen Sieg, den er angeblich errungen habe. Tatsächlich ist das Rennen zu diesem Zeitpunkt aber eng, beide Kandidaten sind weit davon entfernt, genug Wahlmänner zusammenzuhaben. Gegenkandidat Joe Biden drückt sich weit vorsichtiger aus: "Wir glauben, wir sind auf Kurs, diese Wahl zu gewinnen". 

Die Demokraten versuchen, die Wahl zu "stehlen"?

Kurz darauf folgt der erste große Aufreger. Die Demokraten versuchen, die Wahl zu "stehlen", behauptet Trump. Und weiter: "Stimmen können nicht mehr abgegeben werden, nachdem die Wahlbüros geschlossen sind". 
 

 
Twitter versah diesen Tweet mit dem Warnhinweis, der Inhalt sei möglicherweise irreführend. Das "möglicherweise" kann hier sogar gestrichen werden: Wahlbeobachter von der OSZE sprachen von einer geordneten und ruhigen Wahl. Ein Risiko sahen sie vor allem in den Aussagen Trumps, die laut den Beobachtern dem "Vertrauen in die demokratischen Institutionen" schaden.

Auch die zweite Aussage ist nicht korrekt: Denn Wahlscheine von Soldaten etwa, die außerhalb der USA stationiert sind, dürfen in einigen Staaten später eintreffen, in Pennsylvania etwa bis zum 10. November. So ist es im Gesetz festgelegt. Einige Staaten lassen zudem Briefwahlscheine gelten, die einen auf den Wahltag datierten Poststempel haben, aber später eintreffen. 
 

 
Behauptung: Stimmen verschwinden auf magische Weise

Nach seiner Rede gegen halb drei Uhr nachts (Ortszeit) legte Trump eine Twitterpause ein, meldete sich aber am nächsten Morgen zurück: "Letzte Nacht habe ich, oft solide, in vielen Schlüsselstaaten geführt, darunter viele demokratisch geführte Staaten." Es stimmt, dass Trump zunächst in Staaten führte, die sonst demokratisch kontrolliert sind, wie Wisconsin und Nevada.

Jedoch schreibt Trump weiter: "Dann, eins nach dem anderen, haben sie (Anm.: seine Stimmen) angefangen, auf magische Weise zu verschwinden, als überraschende Stimmendepots ausgezählt wurden. SEHR MERKWÜRDIG". Zunächst: Die am Wahlabend ausgezählten Stimmen sind nicht verschwunden, sondern werden lediglich prozentual weniger, da insgesamt mehr Stimmen ausgezählt wurden. Das ist weder Magie noch "merkwürdig", sondern Prozentrechnung. 

Es gab auch keine "überraschende Stimmendepots". In Michigan beispielsweise kamen die Stimmen aus den Städten spät rein, und auch die Briefwahlstimmen wurden erst später ausgezählt. Bei beiden liegt der Anteil der demokratischen Stimmen um einiges höher als auf dem Land und bei Stimmabgaben vor Ort. 

Trumps nächster Tweet: "Wir gewinnen mit großem Abstand in Pennsylvania, aber der 'Secretary of State' hat gerade eben mitgeteilt, dass dort Millionen von Stimmzetteln noch auszuzählen seien". Dass bei einer demokratischen Wahl jede Stimme gezählt wird, sollte ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein.

Tatsächlich hat der Gouverneur des Bundesstaates auch schon elf Stunden zuvor geschrieben, es gebe noch mehr als eine Million Wahlscheine, die nicht gezählt wurden. Trump aber tut so, als kämen diese Stimmen überraschend. Das kann bei seinen Anhängern das Gefühl erzeugen, bei der Wahl laufe etwas falsch – ein Narrativ, das er schon seit Monaten immer wieder bedient

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