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Bidens gr├Â├čtes Dilemma

dpa, Von Lena Klimkeit

Aktualisiert am 27.05.2021Lesedauer: 6 Min.
Joe Frank Mart├şnez: Der Sheriff des Val Verde County im US-Bundesstaat Texas hilft Migranten ans Ufer, die gerade den Rio Grande von Mexiko in die USA ├╝berquert haben.
Joe Frank Mart├şnez: Der Sheriff des Val Verde County im US-Bundesstaat Texas hilft Migranten ans Ufer, die gerade den Rio Grande von Mexiko in die USA ├╝berquert haben. (Quelle: Lena Klimkeit/dpa-bilder)
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Getrieben von der Hoffnung auf ein neues Leben ├╝berqueren Migranten aus Lateinamerika t├Ąglich ohne Papiere die Grenze der USA. Ein kleiner Grenzort f├╝hlt sich damit allein gelassen. Der Vorwurf: Die Biden-Regierung flicke einen Rohrbruch mit einem Pflaster.

Der Fluss ist nicht immer so zahm wie an diesem Morgen. Kleine mit Kieselsteinen und Gr├╝n bedeckte Inseln ragen aus dem Gew├Ąsser, das Mexiko von den USA trennt. Es dauert keine 15 Minuten, bis aus kleinen Punkten entlang der h├╝geligen K├╝ste des Rio Grande Menschen mit ersch├Âpften Gesichtern, nassen Hosenbeinen und Rucks├Ącken werden, die in Texas amerikanischen Boden betreten, ein neues Leben beginnen. In der kleinen Grenzstadt Del Rio wirkt es wie ein schlechter Scherz, wenn die Regierung im rund 2.800 Kilometer entfernten Washington sagt: "Die Grenze ist zu."


Bidens Kabinett ÔÇô er macht alles anders als Trump

Am 20. Januar 2021 wird der Demokrat Joe Biden als neuer US-Pr├Ąsident vereidigt. Damit zieht auch neues Personal in die Regierung ein.
Deb Haaland: Mit Haaland r├╝ckt erstmals eine amerikanische Ureinwohnerin ins Kabinett auf. Die 60-J├Ąhrige sitzt seit 2018 im Ausschuss f├╝r nat├╝rliche Ressourcen im US-Repr├Ąsentantenhaus. "Mein Leben war nicht einfach", erz├Ąhlte Haaland bei ihrer Vorstellung f├╝r das Biden-Team im Dezember. Sie sei zeitweise obdachlos gewesen, habe staatliche Lebensmittelhilfe gebraucht und ihre Tochter alleine gro├č gezogen. Nun soll sie einen Platz im Innenressort besetzen.
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Die elf Migranten kommen aus Venezuela. Der Weg von Alberto und seinem vierj├Ąhrigen Sohn Andres f├╝hrte ├╝ber die mexikanische Stadt Monterrey an die Grenze. Andres sitzt auf Albertos Schultern, als die beiden den Rio Grande ├╝berqueren. Hinter dem Zaun des Grundst├╝cks am Fluss, an dem die Migranten ans Ufer gehen, wartet bereits der Grenzschutz. Ein Beamter weist die Migranten auf Spanisch an, die Handys auszustellen, Ausweis und Geld am K├Ârper zu tragen und ihre restlichen Sachen in ihren Rucks├Ącken zu verstauen. Der Ton ist freundlich, es wird auch kurz gelacht.

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"Er denkt, es sei ein Spiel"

Alberto hat M├╝he, den Rei├čverschluss seines vollgestopften Rucksacks zu schlie├čen. Andres t├Ątschelt ihm die Schulter. "Er wei├č nicht, was passiert. Er denkt, es sei ein Spiel", sagt der Vater. "Man kommt mit der Hoffnung. Man kommt mit dem Wunsch nach einer neuen Zukunft, danach, zu entkommen und keine Angst mehr zu haben." Wenig sp├Ąter steigt auch er in den wei├čen Transporter des Grenzschutzes ein. Das Fahrzeug ist in zwei Zellen unterteilt, die nur etwas breiter als eine Oberschenkell├Ąnge sind. Die T├╝ren knallen zu.

Zur├╝ck bleibt der wei├če Pickup mit dem Sheriffstern, der schon seit dem Morgengrauen auf dem Schotterweg am Zaun des Privatgrundst├╝cks parkt. Joe Frank Martinez steht stundenlang am Fluss ÔÇô die Pistole im ledernen G├╝rtelholster, das Fernglas in der Hand, den Blick nach Mexiko gerichtet. "Ich bin hier seit 13 Jahren Sheriff. So schlimm habe ich es noch nie erlebt", sagt er. Als Sheriff des Val Verde Countys fallen 177 Kilometer Grenze in seinen Zust├Ąndigkeitsbereich.

"Es ist eine humanit├Ąre Krise"

Martinez geh├Ârt wie US-Pr├Ąsident Joe Biden der Demokratischen Partei an. Die steigende Zahl derjenigen, die ihr Leben bei der ├ťberquerung des Rio Grande aufs Spiel setzen, f├╝hrt der Sheriff auf den gelockerten migrationspolitischen Kurs von Bidens noch recht neuer Regierung zur├╝ck. Martinez spricht mitf├╝hlend ├╝ber das Schicksal vieler Menschen, die am Ufer des Flusses ankommen. "Es ist eine traurige Angelegenheit. Es ist eine humanit├Ąre Krise. Sie lastet nicht nur auf unseren B├╝rgern, sondern auf dem ganzen Land."

Martinez sagt, angesichts der schieren Masse illegaler ├ťbertritte komme seine Beh├Ârde an ihre Grenze. Die Gef├Ąngnisse seien ohnehin voll ÔÇô in den USA festgenommene Schmuggler erh├Âhten den Druck auf die Einrichtungen. Er w├╝nschte sich, dass die Entscheidungstr├Ąger in Washington sehen k├Ânnten, was Del Rio jeden Tag erlebe.

Joe Biden: Er hat das Erbe von Donald Trump angetreten.
Joe Biden: Er hat das Erbe von Donald Trump angetreten. (Quelle: /ap-bilder)

Der Sheriff wei├č genau, wo die Migranten fr├╝her oder sp├Ąter am Tag auftauchen werden. An diesem Morgen f├Ąhrt am anderen Flussufer erst ein mexikanisches Milit├Ąrfahrzeug vor, sp├Ąter zeigt auch eine Polizeieinheit Pr├Ąsenz. Auf amerikanischer Seite haben sich Reporter des konservativen Fernsehsenders Fox News f├╝r eine Schalte aufgebaut, sie berichten seit Tagen ├╝ber die Ank├╝nfte in Del Rio.

Um Viertel vor elf ist es dann soweit: Die kleine Gruppe l├Ąuft auf der mexikanischen Seite einen Pfad auf dem H├╝gel zum Wasser herunter. Nach wenigen Schritten sind die Hosenbeine nass, streckenweise geht es ├╝ber die kleinen Inseln mit Kieselsteinen und Gestr├╝pp. Vor dem kleinen Steg, an dem auch Sheriff Martinez steht, geht das Wasser den Erwachsenen bis zu den Oberschenkeln. Die Str├Âmung des Rio Grande hat hier Kraft.

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Venezolaner hoffen auf Unterst├╝tzung

Venezolaner wie Alberto und Andres k├Ânnen darauf setzen, in den USA Unterst├╝tzung zu bekommen, wie Martinez erkl├Ąrt. Menschen aus Kuba beg├Ąben sich auch bereitwillig in die H├Ąnde der Beh├Ârden. Migranten aus Mexiko, Guatemala, Honduras oder El Salvador dagegen versuchten, den Ordnungskr├Ąften zu entkommen, da sie andernfalls nach dem Grenz├╝bertritt direkt zur├╝ckgeschickt werden w├╝rden. Und so w├Ąhlen sie gef├Ąhrlichere Wege ins Land, vertrauen auf Schmuggler. Bei einer Verfolgungsjagd mit den Beh├Ârden kamen k├╝rzlich acht mexikanische Staatsb├╝rger ums Leben. Zwei Amerikaner wurden schwer verletzt.

Bruno Lozano ist ver├Ąrgert. Der B├╝rgermeister der 36.000 Einwohner von Del Rio h├Ąlt es f├╝r v├Âllig unzureichend, wie die Regierung mit der Situation an der US-S├╝dgrenze umgeht. Biden sei nun seit Januar im Amt. "Und ich warte immer noch auf einen Plan", sagt er. "Sie versuchen, ein kaputtes Rohr, das mitten in Ihrem Haus gebrochen ist und die ganze Nachbarschaft ├╝berflutet, mit einem Pflaster zu flicken." Nur "100 Prozent Abschiebung" k├Ânne die amerikanischen Gemeinden sch├╝tzen. Die Worte w├Ąren nicht so ├╝berraschend, k├Ąmen sie aus dem Mund eines Republikaners. Doch der 38-J├Ąhrige geh├Ârt wie Biden und Sheriff Martinez der Demokratischen Partei an.

Eine Stadt, so nah an der Grenze

Eine Luftaufnahme links an der Wand von Lozanos Schreibtisch l├Ąsst erkennen, wie nah seine Stadt an der Grenze liegt. Wie ein dunkles Band schl├Ąngelt sich der Rio Grande zwischen Del Rio und der Stadt Acu├▒a auf der mexikanischen Seite entlang. Die US-Regierung konzentriere sich auf Polizeireformen oder die St├Ąrkung der Rechte von Schwarzen und sexuellen Minderheiten. Das alles betreffe ihn auch, sagt Lozano, der erste offen schwule B├╝rgermeister der Stadt. Die Zuwanderung sei aber ein noch viel dr├Ąngenderes Problem. Einige B├╝rger h├Ątten Angst, sich auf Gr├╝nfl├Ąchen in der Stadt aufzuhalten. Menschenschmuggler operierten mittlerweile auf der US-Seite der Grenze. Und gerne w├╝rde er die Biden-Regierung fragen, warum Geld f├╝r die Unterbringung von Migranten ausgegeben werde, w├Ąhrend das Land mit einer "Epidemie" der Obdachlosigkeit k├Ąmpfe.

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Innerhalb der Stadt sp├╝rt man die N├Ąhe zu Mexiko vor allem an den Taco-L├Ąden. Menschen l├Ąuft man im Supermarkt, aber nicht auf der Stra├če ├╝ber den Weg: In Del Rio wird Auto gefahren. Dass Migranten nicht orientierungslos im Stadtzentrum stranden, ist auch der Verdienst der Val Verde Border Humanitarian Coalition. Wer nicht abgeschoben wird und sich bis zu einer gerichtlichen Vorladung frei im Land bewegen kann, wird vom Grenzschutz meist weniger als 24 Stunden nach dem Grenz├╝bertritt bei den R├Ąumlichkeiten des Vereins in Del Rio abgesetzt. Bei den Freiwilligen um Tiffany Burrow k├Ânnen sich die Migranten ihre Weiterfahrt organisieren. Bus- oder Flugtickets zum Zielort m├╝ssen sie selbst bezahlen. Die Ehrenamtlichen helfen aber dabei, Verbindungen aus dem schlecht angebundenen Ort zu finden. Es gibt Duschen, f├╝r Kinder steht Spielzeug bereit. "Hier bekommen sie einen ersten Eindruck von Amerika", sagt Burrow.

Missverst├Ąndnisse nach Machtwechsel?

Ariel aus Kuba will mit seiner Partnerin und der einj├Ąhrigen Tochter weiter in den nord├Âstlichen Bundesstaat New Jersey. Seine Familie habe bewusst bis nach dem Regierungswechsel gewartet, um in die USA zu gelangen, sagt Ariel ÔÇô Bidens republikanischer Vorg├Ąnger Donald Trump verfolgte eine extrem restriktive Migrationspolitik. "Wir haben die Nachrichten gelesen und den besten Moment abgepasst, um Mexiko zu verlassen", sagt der 31-J├Ąhrige. Er besteht darauf, Englisch zu sprechen ÔÇô das m├╝sse er schlie├člich weiter verbessern.

"Ich will das Beste f├╝r diese Familien. Sie k├Ânnen den Schmelztiegel bereichern, der Amerika ist", sagt Tiffany Burrow. Nach dem Machtwechsel habe es das Missverst├Ąndnis gegeben, dass die Grenzen der USA "weit offen" seien. Jetzt schleiche die Regierung um das Thema herum, statt es anzugehen. "Wir haben sie hier unten noch nicht gesehen", sagt Burrow. Die Situation an der Grenze habe f├╝r die Regierung keine Priorit├Ąt. "Alles andere steht im Vordergrund."

Im Ort sei die Stimmung gegen├╝ber den Migranten zunehmend feindselig, schildert Burrow. Es sei nicht un├╝blich, dass Autofahrer bei dem Verein anhielten, die Ank├Âmmlinge filmten und die Videos in sozialen Medien ver├Âffentlichten. Die Ehrenamtliche sagt: "Ich frage mich manchmal, wie viel unser Land aushalten kann."

Auch Alberto organisiert die Weiterfahrt f├╝r sich und seinen Sohn bei den Freiwilligen der Val Verde Border Humanitarian Coalition. Wenige Tage sp├Ąter berichtet er am Telefon, dass die beiden es nach Miami geschafft h├Ątten. In Florida habe bereits seine Frau mit seinem anderen Sohn gewartet - nach zwei Wochen der Trennung sei die Familie nun wieder vereint. Anfang Juni muss der Venezolaner vor einem Einwanderungsrichter erscheinen. "Ich hoffe, dass wir es schaffen werden."

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