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Flüchtlinge-Talk bei "Maybrit Illner": "Können nicht jedem helfen"

Illner-Talk zu Flüchtlingen  

"Wir können nicht jedem in unserem Land helfen"

09.12.2016, 12:12 Uhr | Marc L. Merten, t-online.de

Flüchtlinge-Talk bei "Maybrit Illner": "Können nicht jedem helfen". Bei Maybrit Illner wurde über Flüchtlinge debattiert - mal wieder. (Quelle: imago / Popow)

Bei Maybrit Illner wurde über Flüchtlinge debattiert - mal wieder. (Quelle: imago / Popow)

Der Mord von Freiburg und seine Folgen für Deutschland: Darüber diskutierten die Gäste bei Maybrit Illner am Donnerstagabend. Doch bewegend wurde es erst, als ein Flüchtling aus Afghanistan zu Wort kam.

Die Gäste

  • Hannelore Kraft, SPD
  • Dieter Salomon, Oberbürgermeister Freiburg
  • Rainer Wendt, Deutsche Polizeigewerkschaft
  • Michael Kretschmer, CDU
  • Mazour Hossein Sharifi, Flüchtling aus Afghanistan
  • Emitis Pohl, Autorin
  • Johannes Forck, Student in Freiburg

Das Thema

"Flüchtlinge unter Verdacht - Willkommenskultur am Ende?" fragte Maybrit Illner und hatte zu Beginn Johannes Forck im Gespräch, einen Studenten aus Freiburg. Er schilderte, wie das Verbrechen an einer jungen Studentin, vermeintlich durch einen Flüchtling, die Stadt verändert habe. "Die Tat hat generell die Mädchen und Frauen verängstigt. Es war aber nicht die Nachricht, dass es ein Flüchtling war, sondern dass solche Verbrechen passiert sind." Eine wichtige Differenzierung.

Fakt des Abends

Die ZDF-Redaktion hätte gut daran getan, an dieser Stelle umgehend eine Basis für die Diskussion zu legen. Mitte der Sendung kam dann zumindest ein Teil der nötigen Statistiken, doch war er unvollständig. Illner gab bekannt, dass in der ersten Jahreshälfte 2016 insgesamt 142.500 Straftaten in Deutschland von Zuwanderern begangen worden seien, davon 1,1 Prozent (also rund 1570) Sexualdelikte. Die Zahl für Mord und Totschlag lag bei 0,1% (rund 200).

Was fehlte, war erstens die Definition des Begriffs "Zuwanderer", da es sich wohl nicht ausschließlich um Flüchtlinge handelte, über die es in der Diskussion aber eigentlich ging. Und zweitens, noch wichtiger, fehlten die Vergleichszahlen. Wie viele Sexualdelikte wurden in Deutschland insgesamt im gleichen Zeitraum verübt? Wie viele Morde und Totschlag-Delikte? Dieser Vergleich wäre zwingend notwendig gewesen, um die Zahlen überhaupt einzuordnen. 

Die Fronten

Die erste halbe Stunde der Sendung verging und man schien nichts Neues gehört zu haben. Selbst Gastgeberin Illner ermahnte ihre Runde mehrfach: "Darüber haben wir schon x-mal gesprochen." Über die Fehler aus dem Jahr 2015, über die Maßnahmen nach der Ankunft der vielen hunderttausend Flüchtlinge, über die schlechte Betreuung gerade der minderjährigen Flüchtlinge, über die fehlenden Stellen im Justiz-Apparat, über die Abschiebe-Problematiken und über die Frage, welche Länder sichere Herkunftsländer sein sollten und welche nicht.

Die wildeste Aussage leistete sich noch die Autorin Emitis Pohl, die zunächst erklärte: "Eine Straftat hat mit kulturellen Kreisen nichts zu tun", später dann aber in die Vollen ging: "Die Männer kommen aus einer Kultur, in der Frauen als Prostituierte gelten, wenn sie mit 15 Jahren noch nicht verheiratet sind." 

Tiefpunkt des Abends

Nicht auszuhalten war die Diskussion zwischen Hannelore Kraft und Michael Kretschmer über die sicheren Herkunftsländer. Die NRW-Ministerpräsidentin wurde nicht müde, das seit langem bekannte Problem durchzukauen, dass der Bund als Bremsklotz agiere, weil er die Absprachen mit den nordafrikanischen Ländern für Abschiebungen nicht hinbekommen habe. Kretschmer argumentierte, es brauche in Deutschland künftig "Abschiebe-Gefängnisse". Um Menschen schneller los zu werden, müsste man die nordafrikanischen Länder zu sicheren Herkunftsländern erklären. Selbst Polizeigewerkschaftler Rainer Wendt stellte dazu jedoch trocken fest: "Wir schieben ohnehin oft die Falschen ab."

Aufreger des Abends

Mazour Hossein Sharifi, Flüchtling aus Afghanistan, erzählte seine Geschichte. Eine, die den Menschen, aber vor allem den Politikern in Deutschland zu denken geben sollten. Der Afghane kam vor sechs Jahren nach Deutschland und darf noch immer keine Ausbildung absolvieren, weil er nur geduldet ist, eigentlich aber abgeschoben werden soll. Ein junger Mann, des Deutschen längst mächtig, der sogar ehrenamtliche Hilfe anbot, um anderen Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. Doch selbst diese Arbeit durfte er nicht ausführen.

"Es macht keinen Spaß, seit sechs Jahren geduldet zu werden", sagte Sharifi. "Heute habe ich keine Zukunft mehr in meiner Heimat. Ich gebe mir Mühe seit sechs Jahren hier als Reinigungskraft oder Maler oder was auch immer einen Job zu bekommen, damit ich dem Staat nicht auf der Tasche liege." Der Dank für seine Bestrebungen: ein Abschiebungsverfahren. "Danke dafür", sagte er verbittert.

Moderatoren-Moment

Es war Illners Moment, als sie Kretschmer daraufhin fragte, ob er Sharifi persönlich erklären wolle, warum er nicht bleiben dürfe. Dem fiel daraufhin nicht viel mehr ein als zu sagen: "Die Wahrheit ist: Es ist bitter. Wir können nicht jedem in unserem Land helfen." Illner kommentierte es mit dem Hinweis, wie absurd es sei, einen Mann wie Sharifi abschieben zu wollen, kriminelle Ausländer aber jahrelang im Land zu lassen.

Was offen bleibt

Was bleibt, ist das Gefühl der Angst bei vielen Menschen in Deutschland. Die Politik ist gefordert, den Menschen dieses Gefühl zu nehmen. Doch solange Regierung und Oppositionsparteien mit einer offen vor sich hergetragenen Doppelmoral über die Flüchtlingskrise diskutieren, wird die Entmenschlichung der Debatte fortschreiten und Schicksale wie die von Mazour Hossein Sharifi besiegeln.

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