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Konzert in Chemnitz: #wirsindmehr – 65.000 setzen ein Zeichen gegen Hass


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Nach Konzert in Chemnitz: Bricht nun wieder der Alltag ein?

Von dpa
Aktualisiert am 04.09.2018Lesedauer: 4 Min.
Riesenansturm beim #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz: Auf 65.000 hat die Stadt Chemnitz die Teilnehmerzahl geschätzt.
Riesenansturm beim #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz: Auf 65.000 hat die Stadt Chemnitz die Teilnehmerzahl geschätzt. (Quelle: T-Online-bilder)
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Bands wie die Toten Hosen und Kraftklub lassen Chemnitz für einen Abend rassistische Aufmärsche vergessen. Es bleibt friedlich. Doch gelöst ist das Problem noch lange nicht.

Nach einem umjubelten Konzert gegen Rassismus vor 65.000 Zuschauern steht für Chemnitz und Sachsen wieder der Alltag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt an.

Landes-Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) will am Dienstag eine Streitschrift vorlegen, in der sie eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit fordert. Köpping sieht in unbewältigten Ungerechtigkeiten und Lebensbrüchen nach der Wende eine der Ursachen für die Wut und Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher.

Einfach wieder zur Tagesordnung übergehen?

Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, in Kürze wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt", sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung "Unter den Linden".

Der sächsische Landtag will Hintergründe und Folgen der Vorfälle aufarbeiten, die seit dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen bundesweit für Erschrecken sorgen. Dazu hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für Mittwoch eine Regierungserklärung angekündigt.

Die Veranstaltung war eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutschen vor gut einer Woche sowie die folgende Vereinnahmung der Bluttat durch rechtspopulistische Kräfte wie Pro Chemnitz beziehungsweise AfD und Pegida. Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub, Materia oder Feine Sahne Fischfilet spielten unter dem Motto "#wirsindmehr" gratis in der drittgrößten sächsischen Stadt. Der Abend hinterlässt ein beeindruckendes Statement.

Nach dem Konzert wandte sich AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch auf Twitter an die Besucher und schrieb: "Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich - und ihr tanzt auf Gräbern." Dieser Tweet wiederum löste im Netz zahlreiche empörte Reaktionen aus.

So kam es zu dem Konzert

Als die Trauer um einen Getöteten in Chemnitz von Hooligans und Rechtsextremisten ausgenutzt wird, als Bilder bedrohlicher Aufmärsche um die Welt gehen, greift Felix Brummer zum Telefon. Der Frontmann der Chemnitzer Band Kraftklub ruft befreundete Musiker-Kollegen an. Sie wollen ein Zeichen setzen. Unter dem Motto "#wirsindmehr" rufen sie zu einem Gratis-Konzert gegen Rassismus und rechte Gewalt auf. Wie viele Menschen dazu nach Chemnitz kommen werden, ist ungewiss. 10.000, vielleicht 20.000? Doch noch bevor am Montagabend auf dem Platz vor der Johanniskirche die ersten Takte gespielt werden, ist klar: Sie sind wirklich mehr. Auf 65.000 schätzen die Veranstalter und die Stadt die Besucherzahl.

"Das Bild von Sachsen ist jetzt natürlich negativ"

Anna (20) ist aus Görlitz gekommen, stammt aber eigentlich aus dem Umland von Chemnitz. "Ich will zeigen, dass es nicht okay ist, dass heutzutage Leute mit Hitlergruß und Naziparolen durch welche Stadt auch immer laufen", sagt die Studentin. Sie sei eindeutig wegen der Botschaft des Konzertes gekommen, nicht nur wegen der Musik. "Das Bild von Sachsen ist jetzt natürlich negativ. Es gibt sicher viele, die denken, alle Sachsen sind Nazis. Darum ist es wichtig, dass so etwas auf die Beine gestellt wird. Ich hoffe, dass darüber genauso berichtet wird, wie über die Ereignisse der vergangenen Woche."


Kraftklub-Sänger Brummer sagt: "Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet." Aber: "Manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist." Unterstützt werden Kraftklub auf der Bühne von dem aus Chemnitz stammenden Trettmann, von Marteria und Casper, K.I.Z, von der Punk-Band Feine Sahne Fischfilet und den Toten Hosen.

"Nicht nur zu Hause sitzen und Likes auf Instagram verteilen"

"Bevor ihr das Volk sein wollt, versucht doch erstmal, Mensch zu sein", steht auf einem selbstgemalten Schild, mit dem Laura (22) im Publikum steht. Die Studentin ist mit ihrer Freundin Janina (30) aus Berlin nach Chemnitz gekommen. "Es ist wichtig, nicht nur zu Hause zu sitzen und Likes auf Instagram zu verteilen", sagt Laura. Und Janina ergänzt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien kein reines Sachsen-Problem. "Ich komme ursprünglich aus Bayern. Jedes Bundesland hat ein Problem." Dass erst prominente Bands die 65.000 Menschen vor der Johanniskirche möglich gemacht haben, finden beide in Ordnung. Es sei gut, die Leute auf die Straße zu kriegen.

Nicht nur junge Leute stehen am Montagabend auf dem übervollen Platz. Eine 54-Jährige hält sich mit ihrem Begleiter etwas am Rand auf. "Bis jetzt ist die Musik nicht so meins, der Grund für das Konzert aber schon", sagt die Chemnitzerin. Die vergangene Woche habe sie als beängstigend empfunden. Die Trauer um den getöteten Mann sei nachvollziehbar. Aber: "Ich käme nie auf die Idee, bei den Hooligans mitzulaufen."

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Vor dem ersten Ton herrscht andächtige Ruhe

Laut Polizei bleibt alles ruhig und friedlich. Am Karl-Marx-Monument, von dem zuletzt eher bedrohliche Bilder ausgingen, machen DJ's Stimmung mit ihrer Musik. Das Zentrum ist belebt und beliebt wie seit mehr als einer Woche nicht mehr.

Doch vor dem ersten Ton herrscht zunächst einmal andächtige Ruhe. Mit einer Schweigeminute wird zu Beginn der Veranstaltung an den 35-jährigen Deutschen erinnert, dessen gewaltsamer Tod Auslöser der Vorfälle wurde. Tatverdächtig sind ein Syrer und ein Iraker, die in Haft sitzen. Monchi, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, findet dazu deutliche Worte: "Wer meint, Messer ziehen zu müssen, ist ein verficktes Arschloch", ruft er den Zehntausenden zu. Aber dass Rechtsextremisten die Trauer ausnutzten, um Menschen wegen ihres Aussehens und ihrer Hautfarbe anzugreifen, das gehe auch nicht.

Tote-Hosen-Frontmann Campino sieht das Mini-Festival als Mutmacher. Die Leute zeigten sich durch ihren Konzertbesuch solidarisch mit denen, "die hier bleiben, die diesen täglichen Kampf für uns alle durchziehen, die gegenhalten".

Die Tradition des "Rock gegen Rechts"

Dass prominente Künstler als politisches Statement auf die Bühne steigen, gibt es in Deutschland immer mal wieder. So etwa 1979 in Frankfurt am Main, als Rechte aufmarschieren wollten. Linke Organisatoren setzten damals auf Musik als Mobilisierungsfaktor. Zehntausende versammelten sich zum "Rock gegen Rechts". Bis heute finden Konzerte unter dem Motto statt.

Auch das kleine Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern wird jährlich zur Anlaufstelle für Musik gegen Neonazis, seit sich ein zugezogenes Ehepaar damit gegen Rechtsextremisten im Ort zur Wehr zu setzen begann. Was als Mini-Event startete, zog später Unterstützer wie Die Ärzte oder Fettes Brot und zuletzt auch Herbert Grönemeyer als Überraschungsgast an.

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Verwendete Quellen
  • dpa
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