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"Keine Pandemie kann uns hindern, darauf stolz zu sein"

Von dpa
Aktualisiert am 03.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Frank-Walter Steinmeier: Der BundesprĂ€sident wĂŒrdigte das Ereignis der deutschen Wiedervereinigung.
Frank-Walter Steinmeier: Der BundesprĂ€sident wĂŒrdigte das Ereignis der deutschen Wiedervereinigung. (Quelle: Soeren Stache/dpa-bilder)
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Seit 30 Jahren ist Deutschland wiedervereint. Trotz der Corona-Krise wĂŒrdigten zahlreiche Politiker das historische Ereignis, allen voran BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier.

Aus der einst geplanten zentralen Einheits-Party mit Hunderttausenden wurde nichts – wegen Corona. Gefeiert wird dennoch, aber mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz. In Potsdam wird an gemeinsam Erreichtes von Ost und West erinnert. Es gibt viele nachdenkliche Töne.


Bause, Maffay und Co.: Wie Promis wirklich ĂŒber die Einheit denken

Peter Maffay: "Die Unbeschwertheit ist gewichen. Doch die Einheit bietet uns mehr denn je Chancen, die Herausforderungen unserer Zeit als Gemeinschaft zu lösen."
Inka Bause: "Wir sollten endlich begreifen, dass wir alle gleich sind, nur anders geprĂ€gt und darauf sollte man RĂŒcksicht nehmen und sich mit Respekt begegnen."
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BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier wĂŒrdigte am 30. Jahrestag der Einheit den Zusammenhalt der Deutschen. "Unser Land zeigt in diesen Corona-Zeiten, dass wir zusammenstehen, dass wir stark sind und verantwortungsvoll handeln", sagte Steinmeier am Samstag beim zentralen Festakt zum EinheitsjubilĂ€um in Potsdam.

GedenkstĂ€tte fĂŒr die Friedliche Revolution?

"Ja, wir leben heute in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat", sagte der BundesprĂ€sident und dankte allen, die daran mitwirkten. Der Tag der Einheit sei ein Moment der Freude, Erinnerung und Ermutigung. Deutschland habe einen Weg zu einem wiedervereinten, freiheitlichen und demokratischen Land in der Mitte Europas zurĂŒckgelegt. "Keine Pandemie kann uns daran hindern, darauf stolz zu sein." Wegen des Virus fand die zentrale Feier dieses Mal unter besonderen Bedingungen statt: kleiner als sonst und mit Maske und Abstand.

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Steinmeier regte eine GedenkstĂ€tte fĂŒr die Friedliche Revolution in der DDR an. Diese sollte daran erinnern, dass die Ostdeutschen ihr Schicksal in die eigenen HĂ€nde nahmen und sich selbst befreiten. Deutschland sei noch lĂ€ngst nicht so weit, wie es sein sollte. "Aber zugleich sind wir viel weiter, als wir denken." Der Umbruch habe die Ostdeutschen ungleich hĂ€rter als Westdeutsche getroffen. Es sei unterschĂ€tzt worden, wie langlebig Benachteiligungen sein könnten.

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"Wenn Menschen sich dauerhaft zurĂŒckgesetzt fĂŒhlen, wenn ihre Sichtweise nicht vorkommt in der politischen Debatte, wenn sie den Glauben an die eigene Gestaltungsmacht verlieren, dann darf uns das eben nicht kalt lassen", mahnte Steinmeier. "Dann bröckelt der Zusammenhalt, dann steigt das Misstrauen in Politik, dann wĂ€chst NĂ€hrboden fĂŒr Populismus und extremistische Parteien."

"MĂŒssen heute wieder mutig sein"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte in Potsdam an den Mut der Menschen. "Wir wissen, wir mĂŒssen heute wieder mutig sein", so die Kanzlerin. "Mutig, neue Wege zu gehen angesichts einer Pandemie, mutig, die noch bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West auch wirklich zu ĂŒberwinden, aber auch mutig, den Zusammenhalt unserer ganzen Gesellschaft immer wieder einzufordern und dafĂŒr zu arbeiten."

Es seien mutige Menschen in der DDR gewesen, die die friedliche Revolution 1989 in Gang gesetzt hĂ€tten. Mut hĂ€tten aber auch Westdeutsche gehabt, sich auf den Weg der Einheit einzulassen. Deutschlands Partner seien mutig gewesen, Deutschland zu vertrauen. Es sei eine Freude, das JubilĂ€um in Frieden und Freiheit zu begehen, so Merkel. Die Einheit sei im "im Großen und Ganzen" gelungen.

Steinmeier und Merkel hatten zuvor zum Auftakt der Feierlichkeiten in der brandenburgischen Landeshauptstadt an einem ökumenischen Gottesdienst teilgenommen – mit Mund-Nasen-Schutz. Auch BundestagsprĂ€sident Wolfgang SchĂ€uble und der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, waren gekommen. Wegen der Pandemie war die Zahl der Besucher eingeschrĂ€nkt worden. Unter dem Motto "Wir miteinander" war Brandenburg Gastgeber, weil das Land derzeit den Vorsitz des Bundesrats inne hat.

"Vom Osten kann man viel lernen"

MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke rief beim Festakt dazu auf, Ostdeutschland auch als Vorbild zu sehen. "Vom Osten kann man viel lernen", so der SPD-Politiker. "Eine selbstbewusste Frauenpolitik, BetriebskindergĂ€rten oder Polikliniken als Gesundheitszentren sind nur einige wenige Beispiele." FĂŒr eine neue gesamtdeutsche Generation sei das normaler Lebensstandard. "Wir Ă€lteren Ostdeutschen sind mittlerweile souverĂ€n genug, einfach stolz darauf zu sein."

In Teilen der Potsdamer Innenstadt war das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung angeordnet, so auch im Bereich der "Einheits-Expo". Dort prĂ€sentieren sich die BundeslĂ€nder und Verfassungsorgane in Glaspavillons. Die Polizei wollte am Einheitstag mit rund 2.500 Beamten im Einsatz sein. Vor der Metropolishalle, wo der Festakt stattfand, demonstrierten rund 200 BeschĂ€ftigte des Schaeffler-Werks Luckenwalde – der Auto- und Industriezulieferer will Stellen abbauen.

Bei dem Gottesdienst riefen der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian StĂ€blein sowie der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch die Menschen zu gegenseitigen UnterstĂŒtzung und Achtung auf.

Söder kritisiert die AfD

Das wiedervereinigte Deutschland sei bei allen aktuellen Herausforderungen in guter Verfassung, sagte der PrÀsident des Bundesverfassungsgerichts Harbarth der "Passauer Neuen Presse". Keine Generation zuvor habe so lange im Frieden gelebt.

Trotz Konflikten und Problemen hat sich einer neuen Umfrage zufolge die Zufriedenheit der Deutschen teils deutlich erhöht. Mit Blick auf das Einkommen sind vor allem die Ostdeutschen glĂŒcklicher als noch vor 30 Jahren, in Westdeutschland etwas weniger. Das geht aus der Auswertung reprĂ€sentativer Umfragen von 1991 und 2020 hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vornahm.

Vielerorts in Deutschland wurde am Samstag an die Wiedervereinigung erinnert. FĂŒr Bayerns MinisterprĂ€sidenten Markus Söder ist sie ein historisches Geschenk. "Die Deutsche Einheit ist in erster Linie den Menschen der ehemaligen DDR zu verdanken", sagte der CSU-Chef bei einem Treffen mit dem sĂ€chsischen MinisterprĂ€sidenten Michael Kretschmer (CDU) an der frĂŒheren innerdeutschen Grenze bei Weischlitz. Bei einem Online-"Deutschlandfest" der Union kritisierte Söder massiv die AfD. "Das Zerreden der demokratischen Kultur" sei eine große Gefahr.

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