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"Ich bekomme jeden Tag verzweifelte Nachrichten"

  • Camilla Kohrs
Von Camilla Kohrs

20.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Evakuierung aus Afghanistan (Archivbild): Bis heute sind viele mit Aufnahmezusage aus Deutschland noch in Afghanistan.
Evakuierung aus Afghanistan (Archivbild): Bis heute sind viele mit Aufnahmezusage aus Deutschland noch in Afghanistan. (Quelle: Master Sgt. Donald R. Allen/U.S. Air Forces Europe-Africa/getty-images-bilder)
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Menschen auf eigene Faust aus Afghanistan retten? Seit einem halben Jahr machen das deutsche Aktivisten ÔÇô trotz steigender Gefahr. Eine von ihnen sagt: Manche Situationen sind nur schwer auszuhalten.

Ein halbes Jahr ist es her, dass die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul eroberten. Kurz danach starteten Aktivisten eine Evakuierungsmission: Sie charterten Flugzeuge und flogen auf eigene Faust Menschen vom Kabuler Flughafen aus ÔÇô auch aus Frust ├╝ber die nur schleppend angelaufenen Evakuierungen der Bundesregierung.

Die Situation in Afghanistan hat sich seitdem massiv verschlechtert: Die Bev├Âlkerung leidet unter Hunger, die Taliban schr├Ąnken Menschenrechte massiv ein. Die "Kabul Luftbr├╝cke" bringt aber weiterhin Afghaninnen und Afghanen mit deutscher Aufnahmezusage aus dem Land. Theresa Breuer, eine der Gr├╝nderinnen, erz├Ąhlt im Interview von ihren Erfahrungen, berichtet, wie es weitergeht und was sie von der neuen Bundesregierung erwartet.

t-online: Frau Breuer, erst vor wenigen Tagen wurden zwei Journalisten in Kabul festgenommen, mehrere Hilfsorganisationen zogen daraufhin ihre Mitarbeiter ab. Die "Kabul Luftbr├╝cke" ist noch vor Ort aktiv. Wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit dieser Gefahr um?

Theresa Breuer: Wir arbeiten haupts├Ąchlich mit lokalen Teams zusammen. Niemand wei├č, dass sie f├╝r uns arbeiten. Aus Sicherheitsgr├╝nden kann ich nicht ins Detail gehen, wie wir vor Ort exakt arbeiten. Aber so viel kann ich sagen: Wir evakuieren ├╝ber Luft und Land und nutzen dabei Wege sowohl ├╝ber Pakistan als auch Iran. Wir lassen das aber nat├╝rlich niemals aussehen wie eine Evakuierungsmission.

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Sie haben die Luftbr├╝cke mit Mitstreitern gegr├╝ndet, urspr├╝nglich um drei afghanische Bergsteigerinnen zu retten, die Sie ├╝ber Jahre gefilmt haben. Wie geht es den Frauen heute?

Sie sind in Deutschland, aber ihre Familien sind noch in Kabul. Sie haben zwar eine Aufnahmezusage. Allerdings konnten wir sie bisher noch nicht aus dem Land bringen, weil sie zum Beispiel keine P├Ąsse hatten oder weil Pakistan zwischenzeitlich keine Visa ausgestellt hat.

(Quelle: Privat)


Theresa Breuer ist Autorin, Filmemacherin und Aktivistin. Auch ihre Arbeit bei der "Kabul Luftbr├╝cke" hielt sie in Video- und Tonaufnahmen fest. Zusammen mit dem Afghanistan-Experten Emran Feroz und Journalisten von "Kugel und Niere" ist daraus der Podcast "Inside Kabul Luftbr├╝cke" entstanden, der auf Spotify zu h├Âren ist. Hier gehtÔÇÖs zur ersten Folge.

Was h├Âren Sie von den Familien?

Ich habe eine Familie erst im November besucht, als ich in Kabul war. Die Mutter des M├Ądchens hatte gerade angefangen, ihre Winterkleidung zu verkaufen, weil sie sich kein Brot mehr leisten konnte. Die Familie kann nicht mehr zur Arbeit gehen. Eine andere Familie mussten wir verstecken, weil der Vater verschuldet ist. Ein entfernter Verwandter wollte deswegen die 15-j├Ąhrige Tochter zur Zweitfrau nehmen, damit w├Ąren die Schulden beglichen gewesen. Die Familie war deswegen komplett verzweifelt. Das sind Situationen, die nur schwer auszuhalten sind.

In dem Podcast "Inside Kabul Luftbr├╝cke" schildern Sie, wie dramatisch die ersten Wochen der Rettungsaktion waren, wie Sie versuchen, ein Flugzeug zu chartern und st├Ąndig Anrufe aus Afghanistan bekommen, die auf Ihre Hilfe warten.

Ich bekomme auch heute noch jeden Tag verzweifelte Nachrichten: "Theresa, was ist mit meiner Familie?" Wir haben etwa 1.600 Menschen rausgebracht. Man kann man sich also vorstellen, wie viele Nachrichten bei unserer Initiative einlaufen. Jedes Mal, wenn wir eine Person rausbringen, fragt sie nat├╝rlich gleich, was mit ihrer Mutter, Schwester oder Cousine ist.

Das ist eine gro├če Erwartungshaltung an Sie.

Ich versuche zu sagen: Unser Team arbeitet Tag und Nacht, viele davon neben ihrer eigentlichen Arbeit. Wir k├Ânnen aber nur den Leuten helfen, die eine Aufnahmezusage haben, und die Grenzen des Machbaren sind eng. Nat├╝rlich haben wir uns aber auch in eine Position gebracht, dass wir Wissen und F├Ąhigkeiten haben, die andere Organisationen nicht haben. Damit geht f├╝r uns die Verantwortung einher, das zu nutzen.

Das hei├čt, die Arbeit der Luftbr├╝cke wird erst einmal auf unbestimmte Zeit weitergehen?

Es war uns von Anfang an klar, dass es kein kurzes Engagement sein wird. Das ist nichts, was man einfach abgeben kann. Denn nun tritt genau das ein, wovor wir seit Beginn der Macht├╝bernahme der Taliban gewarnt haben: Die Schlinge zieht sich langsam zu. Wir sehen jetzt, dass ehemalige Ortskr├Ąfte und andere bedrohte Menschen verschwinden, dass sie umgebracht werden. Deshalb arbeiten wir noch immer 24 Stunden am Tag daran, diejenigen mit Aufnahmezusage von Deutschland herauszubringen.

Wir sagen aber auch, dass das nicht genug ist: Ich habe gestern mit der jungen Frau gesprochen, die von den Taliban verschleppt und misshandelt wurde, aber eben keine Aufnahmezusage von Deutschland hat. Deswegen arbeiten wir auch von politischer Seite daran, dass die Bundesregierung ihre Liste f├╝r besonders gef├Ąhrdete Menschen wieder ├Âffnet.

Sie meinen damit eine Evakuierungsliste, die die Bundesregierung nach der Macht├╝bernahme der Taliban im August ge├Âffnet und mit Ende der Bundeswehrmission auf dem Kabuler Flughafen geschlossen hat. Darauf stehen Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und andere, die sich f├╝r Demokratie und freiheitliche Werte eingesetzt haben.

Ja, diese Liste war nur sehr kurz offen und wurde zu einem willk├╝rlichen Zeitpunkt geschlossen. Nur diejenigen, die besonders schnell waren und dazu noch das Gl├╝ck hatten, bei den deutschen Beh├Ârden durchzukommen, stehen drauf. Das gleicht einer Lotterie. Und ich finde nicht, dass eine Lotterie ein faires System ist, wenn es um Leben und Tod geht.

Laut Bundesregierung sind jetzt mehr als 11.000 Menschen aus Afghanistan in Deutschland angekommen, davon etwas mehr als 1.000 Ortskr├Ąfte. Diese Zahlen sehen Sie nicht als Erfolg?

Wir reden hier von h├Âchstens der H├Ąlfte der Menschen, die eine Aufnahmezusage haben. Mindestens 10.000 Menschen warten noch auf ihre versprochene Ausreise. Und darin sind noch nicht einmal die Menschen eingerechnet, bei denen sich in den vergangenen Monaten herausgestellt hat, dass sie in gro├čer Gefahr sind. 11.000 Menschen sind besser, als wir noch vor einigen Wochen erwartet hatten. Das ist aber nicht allein ein Erfolg der Bundesregierung. In diese Zahlen sind auch die Menschen eingerechnet, die wir als private Initiative gerettet haben.

Sie waren selbst in Kabul, als die Taliban die Stadt einnahmen. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?

Es war wie in einem Katastrophenfilm, der sich vor meinen Augen abspielte. Weil es ja keine Gefechte gab, ging es wahnsinnig schnell. Auf einmal standen sie vor den Toren Kabuls und die Leute gerieten in Panik und str├Âmten zum Flughafen. Ich war in diesem gesch├╝tzten milit├Ąrischen Bereich im Flughafen und habe die panischen Menschenmassen gesehen, Berge von zerst├Ârtem milit├Ąrischen Equipment, Helikopter, die ├╝ber dem Flughafen kreisten. Es hat sich angef├╝hlt, wie das Ende der Welt.

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  • Josephin Hartwig
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