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Salafisten in Hessen festgenommen - Bombenfund bestätigt

Salafisten-Paar in Hessen festgenommen  

Terroranschlag in Deutschland verhindert

30.04.2015, 18:20 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

Salafisten in Hessen festgenommen - Bombenfund bestätigt. Ein Mann und eine Frau wurden in Oberursel festgenommen. Sie sollen einen terroristischen Anschlag geplant haben. (Quelle: Reuters)

Ein Mann und eine Frau wurden in Oberursel festgenommen. Sie sollen einen terroristischen Anschlag geplant haben. (Quelle: Reuters)

In Hessen hat die Polizei einen geplanten Terroranschlag vereitelt. In der Wohnung zweier Verdächtiger mit mutmaßlich salafistischem Hintergrund in Oberursel sei eine selbst gebaute Bombe gefunden worden. Das verdächtige Ehepaar wurde festgenommen. Der Mann ist bereits sehr oft polizeilich in Erscheinung getreten - unter anderem wegen Verstoß gegen das Waffengesetz.

"Nach all dem was wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt, haben wir einen Anschlag verhindert", sagte Polizeipräsident Stefan Müller bei einer Pressekonferenz. Noch sei aber unklar, ob es gezielte Pläne gegen ein traditionelles Radrennen bei Frankfurt gegeben habe. Das LKA habe die Ermittlungen übernommen. Ob es sich um Einzeltäter oder eine Terrorzelle handelt, wollten die Ermittler nicht sagen.

Auch nach den Worten des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) gab es Anschlagspläne. Dies habe die Durchsuchung der Wohnung des Paars bestätigt. Weitere Details wollte Beuth nicht nennen. Der Chef der Innenministerkonferenz der Länder, Roger Lewentz (SPD), sprach ebenfalls von einem vereitelten Anschlag. "Gratulation nach Hessen, dass es gelungen ist, einen Terroranschlag zu verhindern", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister in Mainz.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Frankfurt bestätigt, dass bei der Durchsuchung, die seit dem Morgen um vier Uhr durchgeführt wurde, eine selbst gebaute, funktionsfähige Rohrbombe gefunden worden sei. Es habe allerdings keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne gegeben, sagte Behördensprecher Stefan Rojczyk.

Verbindung zur Sauerland-Gruppe

Ein 35 Jahre alter Mann und eine 34 Jahre alte Frau seien festgenommen worden. Der Mann sei deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, die Frau Türkin. Beide schweigen demnach. Die Vernehmungen dauern aber noch an.

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) nahm den Mann am späten Mittwochabend außerhalb seiner Wohnung fest. Die Frau wurde anschließend innerhalb der Wohnung gestellt. Das Paar hat zwei Kleinkinder, die in die Obhut des Jugendamtes übergeben wurden. Der männliche Verdächtige sei bereits vielfältig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Er sei in der Vergangenheit wegen verschiedener Delikte 15 Mal auffällig geworden, sagte Müller, darunter Körperverletzung, Einbruch, Beleidigung, Bedrohung anderer Menschen und Verstoß gegen das Waffengesetz.

In der Wohnung seien unter anderem auch ein Sturmgewehr, Brennspiritus, ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust und 100 Schuss scharfe Munition gefunden worden. Der Verdächtige soll vor Jahren Verbindung zur Sauerland-Gruppe, die 2007 Anschläge geplant hatte, gehabt haben. Er habe auch aktuelle Verbindungen zur Salafisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet.

Verdächtiger Einkauf unter falschem Namen

Das Paar ist bereits seit einigen Tagen von einem mobilen Einsatzkommando observiert worden. Die 34-Jährige und ihr Mann, ein studierter Chemiker, waren ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten, nachdem sie Ende März in einem Frankfurter Baumarkt eine ungewöhnlich große Menge Wasserstoffperoxid und Spiritus gekauft und dabei einen falschen Namen angegeben hatten. Seit Mitte des Monats sei ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann gelaufen und es habe Observierungen gegeben.

Wasserstoffperoxid ist bei terroristischen Gruppen als Grundlage für Sprengstoff beliebt. Drei Liter der Flüssigkeit wurden bei der Durchsuchung der Wohnung gefunden.

Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung untersuchen in Oberursel (Hessen) die Wohnung des verdächtigten Salafisten-Paares in einem Appartmentkomplex. (Quelle: dpa)Sprengstoffexperten und Beamte der Spurensicherung untersuchen in Oberursel (Hessen) die Wohnung des verdächtigten Salafisten-Paares in einem Appartmentkomplex. (Quelle: dpa)

Radrennen als Anschlagsziel?

Die Polizei entschied sich am späten Mittwochabend zum Zugriff. Der Verdächtige soll sich in den letzten Tagen vermehrt an der Strecke des am 1. Mai traditionell bevorstehenden Radrennens aufgehalten haben. "Die Verdachtslage hatte sich zugespitzt", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Albrecht Schreiber

Der 35-Jährige sei dabei beobachtet worden, wie er ein Waldstück in der Nähe von Oberursel erkundete. Ausgerechnet dort, wo das Rennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" vorbeiführen soll.

Um jegliche Gefährdung von Sportlern und Zuschauern auszuschließen, sei der Zugriff erfolgt. Trotz des Bombenfundes rechnen die Veranstalter des Radrennens nicht mit einer Absage. "Ich sehe im Moment keine Gefährdung des Rennens", sagte Veranstalter Bernd Moos-Achenbach. Die Organisatoren selbst haben nach eigenen Angaben darüber auch noch keine Informationen von der Polizei. Bislang sind 700 Polizisten zur Sicherung der Strecke vorgesehen, das Sicherheitsaufgebot könnte nun verstärkt werden.

"Wir sind wachsam und wir sind wehrhaft"

"Die heutige Festnahme in Hessen ist Beleg für die effektive Arbeit der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern", lobte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin. Das Vorgehen zeige: "Wir sind wachsam und wir sind wehrhaft."

Seit den Anschlägen von Paris ist die Sorge vor ähnlichen islamistischen Taten gewachsen. Ins Blickfeld der Fahnder steht dabei vor allem die Salafistenszene, die als Nährboden für Dschihadisten gilt. Nach Angaben des Verfassungsschutzes gehören ihr rund 7000 Personen an.

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