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Coronavirus-Pandemie: Impfpflicht in Deutschland? "Der Schaden wäre fatal"

PRO & KONTRAFrage der Woche  

Impfpflicht gegen Coronavirus? "Der Schaden wäre fatal"

Von Daniel Schreckenberg und Patrick Diekmann

25.04.2020, 11:33 Uhr
 (Quelle: imago images / Fotoarena)
Videoanimation: So wirkt eine Impfung im menschlichen Körper

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert eine Impfpflicht, sobald ein Wirkstoff gegen das Coronavirus vorliegt. Doch wie funktioniert eine Impfung und wie wirkt sie im Körper? Das zeigt diese Videoanimation. (Quelle: AFP)

Videoanimation: So wirkt eine Impfung im menschlichen Körper. (Quelle: AFP)


Noch ist ein geeigneter Impfstoff gegen das Coronavirus ein Wunschtraum. Doch was, wenn wir ihn haben? Braucht es eine Impfpflicht, um die Bevölkerung zu schützen?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sorgte unter der Woche mit einer Aussage zur generellen Impfpflicht gegen das Coronavirus für Aufsehen. "Für eine Impfpflicht wäre ich sehr offen", sagte der CSU-Chef am Donnerstag nach einem Treffen mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) in Ulm. 

Impfen, auch gegen den Willen der Bürger? Das wäre ein schwerer Eingriff in die Grundrechte des Menschen, nämlich in das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Und doch dürfte diese Frage in der Zukunft hochkommen. Aktuell gibt es noch keinen Impfstoff. Doch es wird mit Hochdruck nach einem möglichen Mittel auf der ganzen Welt geforscht. Erst am vergangenen Mittwoch hatte das Paul-Ehrlich-Institut die Zulassung für klinische Studien mit einem möglichen Impfstoff erteilt. Weltweit werden zudem drei weitere Wirkstoffe getestet.

Braucht es eine Corona-Impfpflicht, sobald ein Impfstoff da ist?

Daniel Schreckenberg

Redakteur Politik

Pro

Ja, der Gang zum Arzt wird zur Bürgerpflicht

Wenn wir morgen einen Impfstoff gegen das Coronavirus hätten, wäre der Spuk vorbei. Endlich könnten wir wieder unsere Eltern, Großeltern und Freunde besuchen, müssten uns keine Gedanken mehr darüber machen, im Supermarkt oder beim Grillabend jemanden anzustecken. Wir könnten arbeiten ohne das mulmige Gefühl, am nächsten Tag vielleicht krank zu werden. Hätten keine Sorge mehr, dass es den Arbeitsplatz wegen eines erneuten Corona-Lockdowns übermorgen vielleicht nicht mehr geben wird.

Wir würden Freudentränen weinen und lachend nach draußen auf die Straßen strömen. Nicht nur wir hier in Deutschland, sondern alle Menschen. Überall auf der Welt. Kann etwa jemand etwas anderes wollen?

Über eine Impfpflicht bei Corona zu diskutieren, ist daher so, als würde man ernsthaft Argumente dafür finden können, dass der Mensch nicht gut damit gefahren ist, Krankheiten wie die Pocken durch massenhafte Impfungen ausgerottet zu haben. Oder dass es kein Fortschritt ist, Kindern großes Leid zu ersparen, seitdem es ein Mittel gegen Kinderlähmung gibt. Wirklich niemand kann etwas anderes wollen.

Klar: Ein Impfstoff gegen Corona darf so wenig Nebenwirkungen wie möglich haben, nur dann kann er wirklich allen Menschen verabreicht werden. Ist das gewährleistet, ist der Gang zum Arzt keine Impfpflicht mehr, sondern eine Bürgerpflicht.

Patrick Diekmann

Redakteur Politik

Kontra

Nein, Deutschland ist keine Diktatur

Deutschland darf nicht zulassen, dass in der Virus-Panik grundlegende Bürgerrechte pulverisiert werden. Die Angst muss Grenzen haben. Der Wille nach einer staatlich erzwungenen Corona-Impfung ist an Respektlosigkeit gegenüber unseren gesellschaftlichen Grundsätzen kaum zu überbieten.

Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht, es ist in Artikel 2 des Grundgesetzes verankert. Jeder Bürger muss selbst entscheiden dürfen, was mit seinem Körper geschieht. Mit einer Impfpflicht werfen wir diese Errungenschaften über Bord. Der Schaden wäre fatal.

Eine Impfung ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Eine Pflicht wäre eine Geringschätzung aller Bürger, weil sie den Menschen die Kompetenz abspricht, eigene sozial-reflektierte Entscheidungen treffen zu können.

Deutschland ist keine Autokratie, wir leben auch nicht mehr im Mittelalter. Wenn es um die körperliche Selbstbestimmung geht, muss ein moderner Staat soziale Verantwortung durch Aufklärung erreichen, nicht durch Zwang. Eine Virus-Krise ändert an diesem Grundsatz nichts. Möchten Sie sich vorstellen, wie Ihnen, ohne Ihre Einwilligung, eine Spritze verpasst wird? Solche Zeiten haben wir überwunden. Sie dürfen keinesfalls zurückkehren – auch durch die Corona-Krise nicht.

Wer hat recht?

Im neuen Format "Frage der Woche" kommentieren jeden Samstag Redakteure von t-online.de eines der politischen beziehungsweise gesellschaftspolitischen Topthemen der Woche.

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