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LĂŒbcke-Mord: Überraschend Vernehmungsvideos veröffentlicht

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig

Aktualisiert am 29.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Screenshot aus dem Vernehmungsvideo: Stephan Ernst stellt vor den Beamten nach, wie er Walter LĂŒbcke erschossen haben soll.
Screenshot aus dem Vernehmungsvideo: Stephan Ernst stellt vor den Beamten nach, wie er Walter LĂŒbcke erschossen haben soll. (Quelle: Screenshot "funk.net")
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Stephan Ernst ist fĂŒr den Mord an Walter LĂŒbcke angeklagt. Nun hat ein Medium ein Video ins Internet gestellt, in dem die ersten beiden Vernehmungen des mutmaßlichen TĂ€ters zu sehen sind.

Ausschnitte aus Vernehmungsvideos des mutmaßlichen Mörders von Kassels RegierungsprĂ€sidenten Walter LĂŒbcke sind auf YouTube veröffentlicht worden. Der moderierte Beitrag stammt vom Reportageformat "STRG_F" von "funk.net", dem Onlineangebot fĂŒr junge Menschen von ARD und ZDF. Die Autoren geben in dem Bericht an, das Material sei ihnen zugespielt worden. In dem gut 25 Minuten langen Video werden seit Dienstagnachmittag kommentiert Ausschnitte gezeigt, in denen der wegen Mordes angeklagte Stephan Ernst sein mittlerweile zurĂŒckgezogenes GestĂ€ndnis ablegt und schildert, wie die Tat geschehen sein soll.

Ermittler: "Tatentschluss war klar?"

Stephan Ernst muss sich seit Juni vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verantworten. In der Hauptverhandlung waren jeweils mehrstĂŒndige Videos von vorherigen Vernehmungen Ernsts durch Beamte des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) gezeigt worden. Der Ermittler fragt Stephan Ernst in dem nun veröffentlichten Video: "Tatentschluss war klar?" Ernst antwortet kĂŒhl und sachlich, der sei klar gewesen. Er sei hin, habe geschossen. Ernst habe die Waffe auf Kopfhöhe gehalten, dann abgedrĂŒckt. "Er hat meinen Schatten noch gesehen, er wollte schauen und in dem Moment ist der Schuss gefallen", sagt er.

WĂ€hrend der Vernehmung erklĂ€rt Ernst, er habe ein normales Leben fĂŒhren und die Energien, die er gehabt habe, in seine berufliche Laufbahn stecken wollen. Dabei atmet er immer wieder stoßweise aus. Es entsteht der Eindruck, als habe er psychischen Stress, als sei die Vernehmung kurz nach dem Mord auch anstrengend fĂŒr ihn. Eine emotionale Regung zeigt er nicht.

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Von den Themen Überfremdung und AuslĂ€nderkriminalitĂ€t könne er sich nicht freimachen, erklĂ€rt Ernst. 2013 hĂ€tten sie ihn wieder mehr beschĂ€ftigt. Grund dafĂŒr seien Berichte in Medien gewesen und auch GesprĂ€che mit Arbeitskollegen und Freunden. Zu frĂŒheren Nazi-Kreisen habe er zu diesem Zeitpunkt aber keinen Kontakt mehr gehabt. Der Angeklagte spricht ĂŒber die aus seiner Sicht groben Fehler in der FlĂŒchtlingspolitik und sagt, er sei ĂŒberzeugt, dass Merkel Deutschland zerstört habe. Auch Walter LĂŒbcke habe sich in einer BĂŒrgerversammlung zur FlĂŒchtlingspolitik geĂ€ußert. Diese Aussagen haben Ernst damals nicht gefallen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Hass auf den Politiker gewachsen.

Ernst bricht in TrÀnen aus

Nach dem terroristischen Anschlag in Nizza 2016 habe er massenhaft Videos im Internet geschaut. Als die Sprache darauf kommt, bricht Ernst plötzlich in TrĂ€nen aus. Sein Gesicht stĂŒtzt er auf die HĂ€nde und schluchzt laut. "Diese Bilder und diese Videos, von den Leichen, von den Schreien, ich hab sie mir immer und immer wieder angesehen. Ich musste sie mir ansehen", sagt er. Damals sei der Entschluss gefallen, LĂŒbcke etwas anzutun. Diese Szenen hĂ€tten dazu beigetragen, dass er das GefĂŒhl bekam, etwas tun zu mĂŒssen. Als dann Jahre spĂ€ter ein Volksfest in Kassel stattfand, sah Ernst den Zeitpunkt gekommen. Er habe gewollt, dass der Terror "auch zu ihnen kommt".

Ein halbes Jahr nach seinem ersten GestĂ€ndnis machte Stephan Ernst erneut eine Aussage – und widerrief sein GestĂ€ndnis. In seiner neuen Tatschilderung soll der Mitangeklagte Markus H. die Waffe abgefeuert haben.

AuffĂ€llig ist, dass Ernst bei dieser zweiten Schilderung seine Version im Stakkato erzĂ€hlt, als wĂŒrde er einen Text vorlesen. Plötzlich erinnert er sich scheinbar an jedes gesprochene Wort zwischen Markus H. und ihm. Ernst schildert, er habe LĂŒbcke treten wollen, als dieser versucht habe, sich aufzusetzen. Als LĂŒbcke sich dann erneut aufgerichtet habe, sei der Schuss gefallen. Ein Ermittlungsrichter ist bei dieser Vernehmung dabei und sagt zu Ernst: "Da ist irgendwas dabei, das passt da nicht, vorne und hinten." Der Richter erklĂ€rt, er verstehe nicht, wieso Ernst sich selbst erst belastet habe, nun allerdings von einem Unfall spreche. Eine Antwort auf die Frage wird in dem Video nicht gezeigt.

Gericht: Video ist kein Mitschnitt

Eine Gerichtssprecherin sagte am Mittwoch, der Senat und die Verfahrensbeteiligten seien ĂŒber das Video informiert. "Wir gehen angesichts der QualitĂ€t der Aufnahmen davon aus, dass es sich um keinen Mitschnitt handelt." Rechtlich spiele die Veröffentlichung des Materials fĂŒr den laufenden Prozess keine Rolle, da das Material bereits in die Hauptverhandlung eingebracht worden sei. Es sei nichts in die Öffentlichkeit gelangt, was nicht bereits Inhalt der öffentlichen Verhandlung gewesen sei.

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"STRG_F" ist ein Reportageformat des Norddeutschen Rundfunks. Der Sender begrĂŒndet die Veröffentlichung damit, dass die Aufnahmen – anders als etwa von TĂ€tern selbst gedrehte Videos – keine Propaganda, sondern ein Beweismittel seien. Schon jetzt sei es ein zeitgeschichtliches Dokument, aus dem auch hervorgehe, wie aus Stephan Ernst ein Rechtsextremist wurde.

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