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Aufgesp├╝rt: Dieser Mann vernetzt alle Umsturzideen

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 15.04.2021Lesedauer: 11 Min.
"Frank der Reisende": 4.000 Gruppen und Kan├Ąle bei Telegram betreut der Mann, der seit 2018 ein Leben als Aussteiger f├╝hrt.
"Frank der Reisende": 4.000 Gruppen und Kan├Ąle bei Telegram betreut der Mann, der seit 2018 ein Leben als Aussteiger f├╝hrt. (Quelle: Lars Wienand, imago/imagebroker)
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Auf Telegram g├Ąrt der Protest gegen Corona-Ma├čnahmen und "das System". t-online und das ARD-Magazin "Kontraste" haben eine Schl├╝sselfigur gefunden: den Mann, der hinter Tausenden Kan├Ąlen und Gruppen

Frank friert. Der kalte Wind l├Ąsst das Sweatshirt an seinem knochigen K├Ârper flattern, und dazu fliegen ihm Fragen um die Ohren, mit denen er nicht gerechnet hat. Die Sonne schien noch und es war warm, als er begonnen hatte, von Licht, friedvollen Absichten und dem Besten f├╝r alle Menschen zu erz├Ąhlen.

Aber Frank Schreibm├╝ller ist nicht irgendwer: Er drang mit mutma├člichen Rechtsterroristen in eine Asylunterkunft ein und ist f├╝r Th├╝ringens Verfassungsschutz selbst Rechtsextremist, er war Hochzeitsgast bei einem Sektenf├╝hrer, er kooperierte mit der Anf├╝hrerin des Sturms auf die Reichstagstreppen und unterst├╝tzte bei der Aktion DDay2.0 die Organisation von Blockaden auf der Autobahn.

Michael Ballweg, dem "Querdenken"-Gr├╝nder, hat er er nach eigenen Angaben Telegram erkl├Ąrt: "Michael hat mich eingeladen, er wollte von mir mehr lernen dar├╝ber." Telegram war ein Schl├╝ssel f├╝r das Aufkommen von "Querdenken", sagt Ballweg.

Der Nachrichtendienst ist f├╝r die meisten Nutzer vor allem zensurfreie Alternative zu WhatsApp, mit weniger Einschr├Ąnkungen und mehr M├Âglichkeiten. In diesem Netzwerk g├Ąrt und organisiert sich der Corona-Protest. Und Frank ist so etwas wie die Spinne im Netz. Er ist mittendrin und hat den Auf- und Ausbau seit Jahren vorbereitet.

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Frank hat bereits 2018 auf Telegram ein Netzwerk f├╝r Gelbwesten in Deutschland aufgebaut, in dem vom Umsturz getr├Ąumt wurde. Auf Telegram ist "Frank der Reisende" wahrscheinlich der aktivste Nutzer in Deutschland und der am besten vernetzte.

Alles Sonne anfangs: An einem See 50 Kilometer s├╝dlich von Wien haben t-online und "Kontraste" den Mann zum Interview getroffen, der die Spinne im Telegram-Netz ist.
Alles Sonne anfangs: An einem See 50 Kilometer s├╝dlich von Wien haben t-online und "Kontraste" den Mann zum Interview getroffen, der die Spinne im Telegram-Netz ist. (Quelle: t-online/Kontraste)

Er ist an bis zu 4.000 "Projekten", beteiligt, wie er das nennt. Das sind viele Gruppen und noch mehr Kan├Ąle in dem Messengerdienst. Technisch sind daf├╝r Hunderte SIM-Karten n├Âtig. t-online und das ARD-Politikmagazin "Kontraste" haben ihn ausfindig gemacht und tiefe Einblicke gewonnen.

Bevor es Ende M├Ąrz zur ersten Kontaktaufnahme bei einer Demo in Ulm kommt, liegen hinter dem Rechercheteam bereits wochenlange Nachforschungen. Die Reporter wissen zu diesem Zeitpunkt aus Tausenden Beitr├Ągen in Dutzenden Telegram-Gruppen und Kan├Ąlen schon viel ├╝ber Frank. Kaum jemand kennt ihn noch unter seinem Namen Schreibm├╝ller. "A. d. F. (aus der Familie) Schreibm├╝ller", wie er selbst mal schrieb. Eine solche Namensgebung ist Reichsb├╝rger-typisch.

Seit er keinen festen Wohnsitz mehr hat, mal hier, mal dort lebt, nennt er sich "Frank der Reisende". Er h├Ąlt sich da auf, wo seine Hilfe gerade ben├Âtigt wird. So sieht er das. Denn Frank wird nicht nur gerne gefragt, er hilft auch gern. Gerade in ├ľsterreich, bei einer wichtigen Figur der "Querdenker"-Szene.

Frank ist im Team von Alexander Ehrlich, dem Mann, der "Honk for Hope" ("Hupen f├╝r Hoffnung") gegr├╝ndet hat und der zuerst Busreisen zu Demos organisierte und l├Ąngst Demos selbst organisiert. Nach Ulm ist Ehrlich aber ohne Frank gekommen und r├Ąt zu einer Mail an seinen Assistenten.

Gut eine Woche sp├Ąter gibt es Kontakt zu Frank: "Ich verstecke mich nicht", schreibt er. Er k├Ânne etwas erz├Ąhlen, wie er Menschen mit dem Ziel unterst├╝tzt, "dass wir eines Tages wieder in einer besseren, freundlicheren, lebensbejahenden, liebenswerten Welt aufwachen k├Ânnen". Er schl├Ągt einen Treffpunkt in der Natur vor, "da im Freien keine Maskenpflicht herrscht".

Ohne Maske hat ihn die Bundespolizei in Erfurt im vergangenen Jahr aus dem Zug geholt. Von ihm war dann zu lesen: "Die haben nicht mal ann├Ąhernd eine Ahnung, wer da bei ihnen in der Dienststelle sa├č. Ich bin in der BRD nicht existent." Er hatte nur ein Attest eines Kasseler Arztes dabei, der sie blanko angeboten und in Videos vor einem "Q" in den Farben des Deutschen Reichs beworben hatte. Mit dem Arzt hat Frank auch auf Telegram kooperiert, schrieb er. Nat├╝rlich.

Das Treffen mit Frank soll am Neufelder See stattfinden, 50 Kilometer s├╝dlich von Wien. Frank f├╝hlt sich sehr verbunden mit der Natur. Manchmal schl├Ąft der Th├╝ringer im Freien, im Zelt oder auch ohne, hat er geschrieben. Im naturbelassenen Zeitzgrund in Th├╝ringen hatte er eine Hunderte Jahre alte M├╝hle mit Biergarten gef├╝hrt.

Bis er von dort verschwand. Warum er 2018 dem Fleisch und seiner alten Welt Lebewohl sagte, ist nur eine von vielen Fragen.

Die Reporter von t-online und Kontraste warten auf einem Parkplatz im nahen Dorf. Um 12 Uhr soll das Treffen beginnen, aber Nachricht von Frank l├Ąsst auf sich warten. War das Ganze doch nur ein Scherz, um die Reporter der aus seiner Sicht "Mainstream-Medien" zu versetzen? Was dagegen spricht: Frank ist in den Chats immer ausnehmend h├Âflich, das w├╝rde er wohl nicht tun. Und es w├╝rde auch nicht in seine Strategie passen: Jede Nennung von Telegram ist f├╝r ihn Werbung.

Um kurz vor halb eins ruft er an: Treffen ist am Eingang zum Seebad. Er wartet scheinbar allein. Er schl├Ągt vor, eine Bank zu nutzen und geht zum Geb├Ąude: Nachfragen, ob er sie versetzen darf. Niemanden ver├Ąrgern, sogar bei so einer Selbstverst├Ąndlichkeit fragt er: Das ist wohl die Botschaft. Frank sonnt sich in den warmen Strahlen, in Harmlosigkeit und Friedfertigkeit. Er will Auskunft geben, "so lichtvoll, wie ich nur kann".

Wie Frank zum Aussteiger und Aktivisten wurde

Als er in M├╝nchen 2019 in eine Asylbewerberunterkunft eingedrungen ist, hat er nicht nachgefragt. Ermittlungen deshalb laufen noch. Er war in gelber Weste unterwegs, andere Eindringlinge trugen Jacken der "Wodans Erben Germanien". Ihr F├╝hrer in Bayern, Frank H., steht seit Dienstag in Stuttgart mit elf anderen Mitgliedern der Gruppe S. vor Gericht. Laut Ermittlungsakten gingen Pl├Ąne in der Gruppe sogar so weit, auf einen Schlag alle Politiker im Reichstag auszuschalten. Frank und Frank H. trafen sich mehrfach.

Schreibm├╝ller, der nicht so genannt werden will, ist doch nicht allein zum See gekommen. Der "Honk for Hope"-Gr├╝nder Alexander Ehrlich kommt angeschlendert, mit ihm eine Frau mit Sonnenbrille und Maske aus einem schwarzen Netz. Sie filmt, wie gefilmt wird, will aber selbst nicht auf Bildern sein. Die Frau war unter den "alternativen" Journalisten, die AfD-Abgeordnete im vergangenen Jahr in den Bundestag eingeschleust und damit einen Eklat ausgel├Âst hatten.

Frank erkl├Ąrt seinen Ausstieg ausschweifend, er spricht von einer "Befreiung vom Angstmodus". Wer die Welt nicht ver├Ąndern k├Ânne, der m├╝sse dann einen anderen, eigenen Umgang damit w├Ąhlen. Die Kurzfassung ist wohl: F├╝r einen Gesch├Ąftsmann war er im EDV-Gesch├Ąft zu nachgiebig, als Gastronom kam er auf keinen gr├╝nen Zweig, und das lag aus seiner Sicht auch am System. Man solle "in Abh├Ąngigkeit gehalten werden".

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Frank war zuvor schon seit Jahren in einem Reichsb├╝rger-"Netzwerk der Staatsangeh├Ârigen" aktiv. Auf Facebook warb er 2016: "Hier findet ihr jede Menge Gleichgesinnter, wacht auf, vernetzt euch." Nur nicht auf Facebook: "zu gef├Ąhrlich". Gegen Facebook hat er etwas, und gegen WhatsApp inzwischen auch.

Dabei hat er dort das gr├Â├čte deutschsprachige Netzwerk aufgebaut, erz├Ąhlt er im Interview. "Was wir heute auf Telegram haben, ist aber 20-fach gr├Â├čer." Das ist durchaus bescheiden, denn auf Telegram schrieb er: tausendfach gr├Â├čer.

Expansion: Das Netzwerk, das sie fr├╝her auf WhatsApp hatten, h├Ątten sie auf Telegram vertausendfacht, schrieb Frank in einer Gruppe.
Expansion: Das Netzwerk, das sie fr├╝her auf WhatsApp hatten, h├Ątten sie auf Telegram vertausendfacht, schrieb Frank in einer Gruppe. (Quelle: Screenshot Telegram)

Im Februar 2019 forcierte der Netzwerker eine Kampagne "WhatsApp zu Telegram". "Wir haben das auch schon selber zu 100en in WhatsApp gepostet", erkl├Ąrte er. Im Kanal zu der Aktion stehen damals rund 50 verschiedene Grafikvorlagen bereit, die Argumente liefern sollten. Eines davon: "In WhatsApp wird die n├Ąchste Revolution an dir komplett vorbeigehen." Keine Revolution ohne Telegram ÔÇô das ist die Botschaft.

Und auf Telegram mit Franks Hilfe auch ohne Gegenrede: Wenn er einen Nutzer sperrt, handelt der sich "eine Art Telegram-Aus" ein, erkl├Ąrte er im August: Eine Sperre galt dann gleich f├╝r 263 Gruppen. Vernetzung und Bots machen es m├Âglich, und Frank hat einen eigenen Bot programmieren lassen, den er auch zur Nutzung und als Arbeitserleichterung anbietet.

Abk├╝hlung: Im Laufe des Interviews mit dem Telegram-Netzwerker verfinsterte sich der Himmel.
Abk├╝hlung: Im Laufe des Interviews mit dem Telegram-Netzwerker verfinsterte sich der Himmel. (Quelle: Kontraste/t-online)

Wie Franks riesiges Netzwerk funktioniert

Es ist k├╝hler geworden am See. Frank antwortet weiter geduldig, aber eine Frage behagt ihm erkennbar nicht. Es geht darum, dass er, wenn es um seine Telegram-Aktivit├Ąten geht, mal von "Ich" und mal von "Wir" spricht. Aber das ist durchaus konsequent. Denn Frank arbeitet nicht alleine.

"Heiko M├╝ller kennen Sie auch?", sagt er irritiert. Heiko M├╝ller aus Baden-W├╝rttemberg ist nach den Recherchen von Anfang an dabei. Das ist ein Mann, der Unterst├╝tzer war bei einem zeitweiligen Plan, ein West-Pegida aufzubauen. "Zu Heiko kann ich nichts sagen", erkl├Ąrt Frank nur knapp.

Dabei spielt er f├╝r seinen heutigen Erfolg offenbar eine wichtige Rolle: "Wenn es Heiko und mich nicht gegeben h├Ątte", sagte Frank Anfang 2020 auf einer Sprachnachricht, "dann g├Ąbe es den gr├Â├čten Teil der Telegram-Netzwerke nicht, die haben wir gebaut." Etliche Gruppen und Kan├Ąle hat M├╝ller angelegt, dann Frank dazu geholt, Frank antwortete mehrfach Nutzern auf Fragen, er m├╝sse "erst Heiko fragen". M├╝ller will auf telefonische Anfrage von t-online zu seinen Telegram-Aktivit├Ąten nichts sagen.

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F├╝rs riesige Telegram-Netzwerk braucht es aber auch noch weitere Administratoren und Helfer. Technisch k├Ânnen mit einem Account nur zehn ├Âffentliche Projekte gegr├╝ndet werden, dann ist ein neuer Account mit anderer SIM-Karte n├Âtig. F├╝r Franks Netzwerk sind also Hunderte Accounts notwendig. Von 200, 300 SIM-Karten war mal die Rede. Er habe die nicht, "das macht jemand anderes". Telefonkarten ohne Registrierung sind auch auf Telegram zu bekommen.

Frank spricht lieber dar├╝ber, wovon er lebt. Angestellt sein und Dinge gegen seinen Willen tun, das werde er nie. Aber er k├Ânne mit seinen technischen F├Ąhigkeiten Menschen etwas geben, die Hilfe br├Ąuchten. Fast philosophisch formuliert er: "Wer von Herzen gibt, darf auch in voller Liebe empfangen. Damit kann man durchaus leben."

Die Verg├╝tung kann unterschiedlich ausfallen. F├╝r die "Organische Christus-Generation", eine Sekte des Schweizer Laienpredigers Ivo Sasek, hatte er Kan├Ąle angelegt, auch f├╝r den sekteneigenen Sender klagemauer.tv, der Verschw├Ârungsprogramm und Sendungen nach dem Geschmack von "Querdenkern" produziert. Heute sei er nicht mehr Inhaber dieser Projekte, "sondern nur noch manchmal in der Moderation t├Ątig".

Bei der OCG-Sekte: Auch bei der "Anti-Zensur-Koalition" trug "Frank der Reisende" seinen Hut, als er aus einer der ersten Reihen Laienprediger Ivo Sasek zuh├Ârte.
Bei der OCG-Sekte: Auch bei der "Anti-Zensur-Koalition" trug "Frank der Reisende" seinen Hut, als er aus einer der ersten Reihen Laienprediger Ivo Sasek zuh├Ârte. (Quelle: kla.tv (CC-BY))

Die Sekte dankte ihm 2019 mit einer Einladung zur "Anti-Zensur-Koalition", einem j├Ąhrlichen Stelldichein f├╝r rechte Esoterik, Verschw├Ârungstheorien, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus. Und er traf mit Heiko M├╝ller die ganze Familie Sasek und wurde zur Doppelhochzeit von zwei der zehn Kinder des Sektenchefs eingeladen. "Es war ein Geschenk, eingeladen und famili├Ąr aufgenommen worden zu sein." Frank und Heiko M├╝ller sa├čen weit vorne, wie ein Video zeigt.

Haben Sie Hinweise zu einem unserer Artikel? Verf├╝gen Sie ├╝ber Einblicke in Bereiche, die anderen verschlossen sind? M├Âchten Sie Missst├Ąnde mithilfe unserer Reporter aufdecken? Dann kontaktieren Sie uns unter hinweise@stroeer.de.

Im Fr├╝hling 2020 nahm M├╝ller auch viele gemeinsame Filmchen mit Frank auf. "Corona-Fantasien ├╝ber dem tiefen Loch ..." hei├čt eines, es wurde in einem Steinbruch aufgenommen. "Hier k├Ânnte man den ein oder anderen Politiker hinschicken. Oder Banker", erkl├Ąrt M├╝ller in dem Video ÔÇô und Frank nickt. "Das ist eure Zukunft, wenn es zu einem Wechsel kommt." Also Zwangsarbeit f├╝r Politiker und Banker? M├╝ller relativiert am Telefon, das sei "Satire".

Am See sagte Frank, dass er sich daran nicht erinnern kann. Aber er w├╝rde "dieser Redewendung nicht zustimmen". Der bisher so ruhige Mann wird jedoch emotionaler, als er im Interview gefragt wird, wie denn nach seiner Vorstellung eine Regierung aussehen sollte. "Regierung, da steckt 'Gier' schon drin!"

Und wie soll es ohne Regierung gehen, was stellt er sich vor? Er ist auf der Hut: Wenn er von Wechsel rede, dann sei das etwas, wo sich die Menschen gemeinsam auf ein besseres, friedlicheres Miteinander verst├Ąndigten. Wie? Es bleibt nebul├Âs.

Vielleicht, weil es Strategie ist, nicht klar ├╝ber Ziele zu sprechen. In einer Gruppe berichtete "der Reisende" aus Gespr├Ąchen, die brisant sind. "Querdenken"-Gr├╝nder Michael Ballweg habe ├Âffentlich nur von Neuwahlen gesprochen, um den Mainstream zu t├Ąuschen. ├ťber Ziele k├Ânne man nicht reden, schrieb Frank vor der zweiten gro├čen Demo in Berlin im August. "Sonst kommt keiner mehr, und die Mainstreammedien zerrei├čen dich in der Luft."

Auf der Querdenken-B├╝hne: In Weiden stellte sich "Frank der Reisende" im Oktober als Netzwerker vor.
Auf der Querdenken-B├╝hne: In Weiden stellte sich "Frank der Reisende" im Oktober als Netzwerker vor. (Quelle: Endstation Rechts.Bayern)

Bei Ballweg sei er gewesen, um ihm Telegram zu erkl├Ąren, sagt Frank im Interview. Ballweg teilte am Donnerstag mit, "Frank der ReisendeÔÇť adminstriere Telegram-Gruppen, allerdings nicht die von Querdenken-711. Die Aussagen k├Ânne er nicht beurteilen, da sie ihm nicht bekannt seien. Es sei nicht seine Aufgabe, Telegram-Posts von Nutzern zu kommentieren.*

Im Messengerdienst berichtete Frank auch von einem Treffen mit Bodo Schiffmann, dem Schwindel-Arzt, der mit weinend vorgetragenen L├╝gen zu toten Kindern aufgefallen ist. Schiffmann, zu der Zeit Parteigr├╝nder, lehne Parteien ab, "sonst h├Ątten wir ihn gar nicht unterst├╝tzt. Es wird in den n├Ąchsten Jahren sowieso nicht mehr gew├Ąhlt", schrieb Frank da. Schiffmanns damalige Partei "Widerstand 2020" durfte bereits bestehende Frank-Gruppen verwenden.

Wie Frank seine Rolle relativiert

Es ist zu kalt im eisigen Wind. Die Bank muss an einen anderen Platz, nicht mehr direkt am Wasser, sondern windgesch├╝tzt neben einer H├╝tte. Frank tr├Ągt jetzt seine Lederjacke. Es k├Ânnte jeden Moment anfangen zu regnen.

Umgezogen an einen windgesch├╝tzten Platz. Das Interview ist ungem├╝tlich geworden, aber Frank Schreibm├╝ller h├Ąlt durch.
Umgezogen an einen windgesch├╝tzten Platz. Das Interview ist ungem├╝tlich geworden, aber Frank Schreibm├╝ller h├Ąlt durch. (Quelle: Kontraste/t-online)

Eine Frage erwischt ihn wie ein kalter Schauer: Er hat in Telegram-Gruppen geschrieben, dass er bei "Querdenken"-Veranstaltungen hinter den B├╝hnen "Koffer mit Scheinen gesehen [hat], davon tr├Ąumt jeder Unternehmer." Es seien vor allem Scheine von 20 Euro aufw├Ąrts gewesen, "und die Koffer in Reisekoffer-Gr├Â├če gingen kaum noch zu."

Frank will nun dar├╝ber nicht reden. "Ich glaube, damit tue ich weder Ihnen noch mir einen Gefallen", sagt er.

Der "Honk for Hope"-Gr├╝nder Ehrlich schaltet sich ein. Vorhin hat ihm eine Windb├Âe sein auf den Boden gelegtes Face-Shield davongeweht. F├╝r "inhaltlich fundiertere Angaben zur Finanzierung der Friedensbewegung" sei Frank der falsche Ansprechpartner, sagt er jetzt. Frank sei schlie├člich Techniker.

Und auch f├╝r die Fragen zur Politik sei Frank der falsche. Er regt sich auf ├╝ber die Frage an Frank, ob von ihm betriebene Projekte vielleicht missbraucht werden k├Ânnten. "Alexander Graham Bell, den Erfinder des Telefons, hat auch niemand gefragt, wie er es findet, wenn damit Menschen bedroht werden. Frank stellt eine Struktur bereit."

Politikwissenschaftler Josef Holnburger, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Centers f├╝r Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), widerspricht der Relativierung: "Nach meiner Einsch├Ątzung hat er 'Querdenken' durch seine Infrastruktur durchaus beeinflusst. Durch seine Werkzeuge waren Mobilisierungen wie in Berlin und zuletzt auch Kassel oft m├Âglich."

Holnburger meint Gruppen und Kan├Ąle von und mit Frank: Sie tragen Demo-Termine zusammen, sie dienen zum Austausch ├╝ber Unterk├╝nfte und Mitfahrgelegenheiten f├╝r Demos. Derartige Gruppen geh├Ârten fr├╝h zu seinen Projekten. "Frank der Reisende" erkl├Ąrt: "Wenn ich ein Thema sehe, mache ich ein Projekt."

Xavier Naidoo war auch eines. Er ist zum Fan geworden, "ein toller Mensch", f├╝r den hatte er schon Kanal und Gruppe angelegt, als der Mannheimer zu Telegram stie├č. Vor einem Jahr hatten Naidoos Videos und Aussagen zu von Eliten gefangen gehaltenen Kindern den Dienst Telegram erstmals in Deutschland zu einem gro├čen Thema in der ├ľffentlichkeit gemacht, mit einem fl├╝chtlingsfeindlichen Lied hatte Naidoo nachgelegt. Naidoo hatte das die K├╝ndigung von RTL eingebracht. Naidoo und Frank schreiben im Naidoo-Kanal und Gruppen, aber laut Frank nicht direkt miteinander.

Xavie Naidoo in einem Video auf Telegram: Hinter seinem Kanal steckte Frank der Reisende.
Xavie Naidoo in einem Video auf Telegram: Hinter seinem Kanal steckte Frank der Reisende. (Quelle: Screenshot Telegram)

Frank hat zuletzt auch einen Kanal f├╝r Nena vorbereitet, sagt er. Und die S├Ąngerin ├╝ber ihren Webmaster davon informiert. Nena sei schon bei Telegram. In der Szene ist die Hoffnung gro├č, dass sie wie Naidoo oder der Wendler zum n├Ąchsten Verst├Ąrker von Verschw├Ârungsideologien wird.

Frank hilft mit, dass Grenzen verschwimmen: Th├╝ringens Verfassungsschutzpr├Ąsident Stephan J. Kramer wei├č von Frank. Er sagt: "Hier zeigt sich sehr deutlich, dass wir ├ťberschneidungen haben zwischen der Reichsb├╝rger-Szene, und der Hardcore-Rechtsextremismus-Szene und jetzt, wie wir eben auch feststellen, mit der 'Querdenken'-Szene und der insgesamt aufgeheizten Anti-Corona-Lage."

Wie ist Frank wirklich?

Holnburger ist der Ansicht, dass Frank die Vernetzung mit rechtsextremen Akteuren und sein verschw├Ârungsideologisches Weltbild mit seiner Infrastruktur auch in die Gruppen und Kan├Ąle transportiert hat. "Er hat vermutlich durchaus zur Radikalisierung der Szene beigetragen."

Was die Sache so kompliziert macht: Es gibt auch den Frank, der nicht in dieses Bild passt. In seiner Gruppe "Islamisierung ÔÇô Pegida gegen Moscheebau, Kopftuch, ..." schreibt er sogar: Jeder solle glauben, was er m├Âchte. Seine Erkl├Ąrung im Interview: "Nur weil wir alle Themen aufgebaut haben, hei├čt das nicht, dass ich mich mit allen identifiziere."

Er begegne jedem Menschen, so wie er jetzt den Journalisten begegne", sagt er im Interview. "Menschlich, respektvoll, h├Âflich, miteinander freundlich." Er sei gegen jeden Extremismus und gegen jede Gewalt.

Dazu passt nicht, wie er ├Âffentlich einen Artikel ├╝ber Deutschlands ersten Maskenautomaten kommentiert hat: "Sprengen." Das habe er im Affekt geschrieben, erkl├Ąrt er. "Es ist nicht meine Absicht, fremdes Eigentum zu zerst├Âren. Ich m├Âchte mich entschuldigen."

So geht es weiter: Das Eindringen in die bewohnte Asylbewerberunterkunft? Er sei eingeladen worden, als "friedlicher Aktivist der Gelbwesten" gekommen und habe nicht gewusst, was dort geschehen werde. "Ich wollte keine Differenzen anrichten."

F├╝r die NPD hat er deren "Schutzzonen"-B├╝rgerwehr-Idee bewerben wollen, "bitte er├Âffnet daf├╝r eine Telegramgruppe und oder einen Kanal, dann kann ich es bewerben", schrieb er.

Einen Fackelmarsch der Neonazi-Partei "III. Weg" in Plauen hat er per Telegram beworben und ist auch selbst mitgelaufen. Seine Erkl├Ąrung wirkt lahm. "Ich wusste gar nicht, dass das eine Partei ist. F├╝r mich war das Spazierengehen mit Licht, eine sehr angenehme Form des Spaziergangs."

Dazu muss sich Ehrlich wieder melden. Es sei schlimm, wie Menschen nichtsahnend auf den "III. Weg" hereinfallen, sagt er, Abgrenzung von Nazis und Neonazis sei wichtig.

Frank ging weit vorne neben dem gro├čen Banner. Darauf stand: "Multikulti t├Âtet".

Das ARD-Politikmagazin Kontraste berichtet am 15. April in der Sendung um 21.45 Uhr ├╝ber das Thema.

*Der Text wurde nach der Antwort von Michael Ballweg aktualisiert.

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