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Merz wird wohl CDU-Chef – und das ist gut so

Eine Kolumne von Christoph Schwennicke

15.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Friedrich Merz: Im dritten Anlauf könnte es für ihn als CDU-Chef klappen.
Friedrich Merz: Im dritten Anlauf könnte es für ihn als CDU-Chef klappen. (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)
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Norbert Röttgen? Helge Braun? Diese Konkurrenten muss Friedrich Merz nicht fürchten. Als nächster CDU-Chef kann er die Bedeutung erlangen, die einst Fürst Metternich beim Wiener Kongress spielte.

Friedrich Merz mag manche Defizite haben. Ein Mangel an Willenskraft gehört sicher nicht dazu. Mehr als 19 Jahre ist dieser schwarze Montag inzwischen her, an dem ihn Angela Merkel aus eigenem Machtkalkül (und in diesem völlig zu Recht) vom Fraktionsvorsitz der Union im Bundestag beiseite schubste. Seither lauert der Mann mit der schneidigen Rhetorik auf den Moment, in dem er dran ist.

Fast zwei Jahrzehnte hat das gedauert. Jetzt ist er seinem Ziel sehr nah. Es ist unter den gegebenen Umständen und bei dieser Konkurrenzlage schlechterdings nicht mehr vorstellbar, dass Friedrich Merz nicht der nächste CDU-Vorsitzende wird. Der dritte nach Angela Merkel in drei Jahren. Und der erste, der hinreichende Entschlossenheit mitbringt, die Partei vom Erbe ihrer ewigen Kanzlerin zu befreien. Nach Lage der Dinge ist Friedrich Merz diesmal durch.

Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren als politischer Journalist, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und den "Spiegel". Zuletzt war er Chefredakteur und Verleger des Politmagazins "Cicero".

Was muss da jetzt in ihm arbeiten? Wie muss das in ihm aussehen? Nach dem verlorenen Machtkampf mit Angela Merkel zog er sich in die Wirtschaft zurück. Er widerstand der Versuchung, der Partei seines gebrochenen Herzens Steine in den Weg zu schmeißen, wie das Oskar Lafontaine bei der SPD getan hat, bis hin zum Aufbau einer Konkurrenzpartei.

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Merz schoss ab und zu mit der Kritik an der eigenen Regierung über jedes Ziel hinaus. Mit der CDU hat er es sich mit Bedacht aber nie verscherzt. Sondern oft das ausgesprochen, was sich viele in der Merkel-Zeit insgeheim wünschten, aber immer weniger zu sagen trauten: Die Fehler in der Flüchtlingspolitik, der Umstand, dass die Union in Bundeswehr und Polizei massiv an Rückhalt verliert und deren Leute zur AfD abwandern, obwohl sie da nicht hingehören.

Merz hatte das Ziel schon vor Augen und scheiterte an sich selbst

So hat er sich populär gemacht als Gegenfigur zu Merkel. Manchmal hatte er in der Folge das Ziel schon direkt vor Augen. Alles war für ihn bereitet. Er konnte nur noch an sich selbst scheitern. Und tat das prompt.

Unvergessen die schon nach Minuten schreckensstarren Gesichter seiner Anhänger beim Parteitag vor drei Jahren in Hamburg. Seine Rede, ein Desaster, an den Köpfen und Herzen der Partei vorbei. Es siegte Merkels Wunschkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich alsbald als zu schwach für diese Position erwies. Dann die nächste Runde, wieder dabei, und diesmal entschied sich die Union für den Kompromisskandidaten Armin Laschet, mit dem alle irgendwie leben konnten. Aber eben nicht siegen.

In Hamburg scheiterte Merz nur an sich, und an sonst niemand. Seither (und auch im zeitlichen Umfeld von Hamburg) wurde und wird allerdings viel aus dem Merkel-Lager getan, um ihm weiter den Weg an die Spitze der CDU zu verbauen. Die Abneigung von Merz und Merkel ist keine einseitige. Merkel hatte nach ihrem Bruch jede Gelegenheit verstreichen lassen, Merz eine Brücke zu bauen. Und er hat mit jeder Faser seines hageren Körpers zu jeder Sekunde seine Abneigung gegen Person und Politik der Kanzlerin zu erkennen gegeben.

Was jetzt die Merkelianer allerdings als letztes Aufgebot gegen Merz' späten Durchmarsch aufstellen, kündet von Verzweiflung und entbehrt nicht einer gewissen Komik. Helge Braun, Merkels Machtmaschinist aus dem Kanzleramt, soll Merz als CDU-Chef verhindern und tritt gegen ihn an. Braun hat seine unbestrittenen Verdienste. Besonnen und unaufgeregt steuerte er das Kanzleramt für Merkel wie einst Frank-Walter Steinmeier für Gerhard Schröder. Aber zu einem Parteivorsitz gehört mehr. Da muss man die Seele der Partei kennen und sie spüren. Das war das Erfolgsrezept von Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag von Hamburg. Sie hat über sich und die CDU gesprochen. Mit Helge Braun verbindet man Regieren. Aber Partei? Null.

Aussichtslos scheint auch der zweite Anlauf von Norbert Röttgen auf das Vorsitzendenamt. Röttgen ist ein brillanter Kopf, dem aber der nötige Rückhalt in der CDU fehlt. Dass das für die Funktionärsschicht so ist, hat er schon das letzte Mal erleben müssen. Wenn die Basis entscheiden darf, wird es für ihn nicht besser aussehen.

CDU nach Merkel wie Europa nach Napoleon

Also Merz. Und warum auch nicht? Ja, mit ihm wird eine Restaurationsphase in der CDU beginnen. Die CDU nach Merkel ist wie Europa nach Napoleon. Das Wort Restauration ist im Deutschen negativ konnotiert. Im Englischen gar nicht: to restore heißt einfach wiederherstellen, wieder auf Vordermann bringen.

Und genau das ist es, was die CDU jetzt nötig hat. Sie muss wieder wissen, wer sie eigentlich ist. Sich bei sich selbst zu Hause fühlen. Mit sich selbst eins sein. So wie Europa beim Wiener Kongress ein neues Gesicht und eine neue Kontur bekommen hat, so muss Merz der CDU nun eine neue Kontur geben. Und ein Bild von sich selbst. Das wird länger dauern als der Wiener Kongress, und der ging schon fast ein Jahr.

Merz ist jetzt 66 Jahre alt. Von daher nicht eben ein Sinnbild für Aufbruch und Erneuerung. Aber die Partei sehnt sich mehrheitlich nach der CDU, die ihm vorschwebt. Und wenn er am Ende nicht mehr Kanzler wird, weil in Deutschland Kanzler normalerweise zwei Legislaturen bekommen und Merz nach acht Jahren eines Regierungschefs Olaf Scholz bereits 74 Jahre alt sein wird, dann wird er eben nicht mehr Bundeskanzler.

Aber vielleicht der Fürst Metternich der CDU. Derjenige, der die Partei erst zurück zu sich selbst und dann zurück an die Macht geführt haben wird. Der stärkste Oppositionsführer unter den Aspiranten ist er sowieso. Regierungskritik, einer Bundesregierung da wehtun, wo es richtig wehtut: Diese Rolle hat er in den vergangenen 19 Jahren schon intensiv geübt und perfektioniert.

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