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Über 100.000 neue Corona-FĂ€lle - Ruf nach schĂ€rferen Regeln

Von dpa
Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach befĂŒrwortet eine Impfpflicht.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach befĂŒrwortet eine Impfpflicht. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Mit mehr als 100.000 registrierten Neuinfektionen an einem Tag erreicht die Corona-Welle in Deutschland bislang unbekannte Höhen. Die Bundesregierung rechnet mit einem weiteren Anstieg.

"Wir werden noch höhere Fallzahlen bekommen", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Mit "mittelfristig erheblichen Auswirkungen aufs Gesundheitssystem" durch mehr Intensivpatientinnen und -patienten ist laut seinem Ministerium zu rechnen. Bund und LĂ€nder sollten aus Sicht des GrĂŒnen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen jetzt mit der Vorbereitung zusĂ€tzlicher Maßnahmen beginnen.

"Ich glaube, dass wir den Höhepunkt der Welle wahrscheinlich Mitte Februar erreichen werden", sagte Lauterbach am Dienstagabend in der Sendung "RTL Direkt". Die GesundheitsĂ€mter ĂŒbermittelten dem Robert Koch-Institut nach Angaben vom Mittwoch 112.323 neue FĂ€lle in 24 Stunden. Es gab 239 TodesfĂ€lle. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte mit 584,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche ebenfalls einen Höchststand. Die Dunkelziffer dĂŒrfte bei der Inzidenz etwa beim Faktor zwei liegen, sagte Lauterbach.

Omikron bisher ohne Auswirkungen auf Intensivstationen

Bislang spiegelt sich die von der Virusvariante Omikron ausgelöste Welle nicht auf den Intensivstationen wieder. Dort ist die Zahl der Corona-Patienten laut Medizinervereinigung Divi seit der ersten DezemberhĂ€lfte von rund 5000 auf zuletzt 2664 gesunken. Momentan infizieren sich vergleichsweise wenig Ältere, die besonders anfĂ€llig fĂŒr schwere VerlĂ€ufe sind.

"Omikron ist milder, aber nicht mild", sagte der Abgeordnete Dahmen der Deutschen Presse-Agentur. "Von der derzeitigen Lage in den KrankenhĂ€usern dĂŒrfen wir uns nicht tĂ€uschen lassen. Erst in frĂŒhestens zwei Wochen wird die Omikron-Wand die KrankenhĂ€user erreichen." Aus anderen LĂ€ndern wisse man: Die Omikron-Welle komme spĂ€ter in den Kliniken an als andere Wellen davor.

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Dahmen forderte: "In InnenrĂ€umen, in denen keine FFP2-Maske getragen werden kann, wĂ€re die Ausweitung der 2G-plus-Regel sinnvoll." Kanzler Olaf Scholz (SPD) und die MinisterprĂ€sidenten wollen am Montag erneut ĂŒber die Corona-Lage beraten. Zuletzt hatten sie beschlossen, dass beim Zugang zur Gastronomie grundsĂ€tzlich auch Geimpfte und Genesene (2G) getestet oder dreifachgeimpft sein mĂŒssen (2G plus).

VerkĂŒrzung des Genesenenstatus mit Folgen

FĂŒr ungeimpfte Genesene kann unterdessen die jĂŒngste VerkĂŒrzung der Geltungsdauer des Genesenennachweises zum Problem werden. Denn fĂŒr Ă€ltere Nachweise gibt es laut Gesundheitsministerium keinen Bestandsschutz. Seit Samstag gilt der Genesenenstatus nur noch fĂŒr eine Zeitspanne zwischen 28 und 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test. Die BegrĂŒndung ist laut RKI, dass Ungeimpfte bei Omikron nach einer Infektion weniger und kĂŒrzer Schutz vor einer erneuten Infektion haben. Nachweise von Anfang Oktober zum Beispiel sind damit jetzt abgelaufen.

Die Gesundheitsminister der LĂ€nder hatten das Bundesministerium gebeten, Übergangsregelungen fĂŒr Betroffene zu erarbeiten - etwa wegen gebuchter Reisen oder den Zugang zu Veranstaltungen.

Lauterbach fĂŒr schnelle Impfpflicht

Lauterbach sprach sich fĂŒr ein schnelles Inkrafttreten einer allgemeinen Impfpflicht aus. Die Impfpflicht mĂŒsse schnell kommen. "Wenn wir einen Antrag machen wollen, der noch funktioniert, dann ist das ein Antrag, der die Impfpflicht in Kraft setzt - was weiß ich - im April oder um den April herum, vielleicht im Mai." Bis Ungeimpfte dann drei Impfungen hĂ€tten, sei es September oder Oktober. Abgewendet werden solle schließlich eine nĂ€chste Corona-Welle im Herbst, wie sie von Virologen ohne eine ausreichende Gesamtimmunisierung erwartet wird.

Derzeit geht die Zahl der tĂ€glichen Corona-Impfungen wieder zurĂŒck. Sie lag am Dienstag bei 589.000 verabreichten Impfdosen - am Dienstag vor Weihnachten waren es 1,2 Millionen. Mindestens 72,9 Prozent der Bevölkerung (60,5 Mio) sind laut RKI grundimmunisiert, haben also in der Regel zwei Impfdosen.

Hier hat sich die Bezeichnung geĂ€ndert, bisher hatte das RKI von "vollem Impfschutz" gesprochen. Da gerade bei Omikron die Boosterimpfung fĂŒr einen besseren Impfschutz aber als nötig gilt, war zuletzt auch Lauterbach von drei Dosen fĂŒr eine vollstĂ€ndige Impfung ausgegangen. Die Grundimmunisierung soll laut einem Sprecher aber weiter fĂŒr die Einhaltung von 2G- oder 3G-Regeln ausreichen. Eine zusĂ€tzliche Auffrischungsimpfung haben 48,3 Prozent der Bevölkerung (40,1 Mio) erhalten.

Knapp jede und jeder Vierte - 20,6 Millionen Menschen - sind bisher nicht geimpft. Davon gibt es fĂŒr die 4,0 Millionen Kinder unter fĂŒnf Jahren noch keinen Impfstoff.

Angesichts knapper werdender PCR-Tests sollen BeschĂ€ftigte in sensiblen Gesundheitseinrichtungen bei der Laborauswertung wie angekĂŒndigt bevorzugt zum Zuge kommen. Nötig sei "eine vorrangige Befundung von Probenmaterial von BeschĂ€ftigten mit Kontakt zu besonders vulnerablen Personengruppen", heißt es in einem Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums.

Sorge bereitet der Regierung, dass "noch weitere Wellen" kommen können, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte. Lauterbach sagte, "die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Herbst keine neue Variante haben", sei sehr gering. Man sehe jetzt schon dauernd neue Varianten, die sich aber nicht durchsetzen wĂŒrden. Die Gefahr sei, dass es eine "rekombinierte Variante" mit der GefĂ€hrlichkeit der Delta-Variante und der Übertragbarkeit von Omikron geben werde.

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