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So erlebte der RTL-Reporter die Live-Schalte aus Chemnitz

Übertragung aus Chemnitz  

So erlebte der RTL-Reporter die Live-Schalte mit Hitlergruß

Von Lars Wienand

28.08.2018, 15:01 Uhr
Weitere Großkundgebungen in Chemnitz nach tödlicher Messerattacke (Quelle: Reuters/Matthias Rietschel)
Aufgeheizte Stimmung nach tödlichem Messerangriff in Chemnitz

In Chemnitz kam es am Montag zu weiteren Kundgebungen. nach einem tödlichen Messerangriff auf einen 35-jährigen Deutschen, eskalierte die Stimmung in der sächsischen Stadt. (Quelle t-online.de)

Die Ereignisse von Chemnitz: Aufgeheizte Stimmung nach tödlichem Messerangriff. (Quelle t-online.de)


Plötzlich drängt ein Mann in die RTL-Live-Schalte aus Chemnitz und zeigt den Hitlergruß. TV-Reporter Thomas Präkelt erzählt, wie er den Moment erlebte – und dass er trotzdem sagte, was er sagen wollte.

Während einer Live-Schalte aus Chemnitz für das RTL-Nachtjournal hat ein rechter Demonstrant den Hitlergruß in die Kamera gezeigt. Tomas Präkelt (50), Leiter des Landesstudios Ost von RTL und als Reporter in Chemnitz im Einsatz, hat den jedoch nicht gesehen, wie er t-online.de später sagte: “Sonst hätte ich das angesprochen.” Während der Aufnahme hatten sich zwei Männer neben ihn gestellt, einer legte den Arm um ihn und zeigte den Hitlergruß. 

Eine Szene wie diese wünsche man sich als Reporter natürlich keinesfalls. Aber sie sei zugleich ein besonderes Dokument, weil sie so beispielhaft sei. “Es ist schlimm, dass man feststellen muss, dass Menschen sich so etwas in dieser Stadt vor einer Fernsehkamera wieder trauen. Das zeigt dieser Moment.” Die Polizei Chemnitz teilte am Dienstag mit, in insgesamt zehn Fällen wegen des Hitlergrußes zu ermitteln.

Die Bilder sollten auch für die sächsische Landesregierung ein weitere Grund für ein Eingeständnis sein, dass Sachsen doch ein Problem mit Rechtsextremismus hat, sagte Präkelt. Der Mann sei betrunken gewesen, “und der Alkohol hat seinen Fascho-Hintergrund freigesetzt, den er unzweifelhaft haben muss.”

Das Wichtigste für Journalisten in einem solchen Moment sei, die Übertragung zu Ende zu bringen. “Wir müssen das übermitteln können, was wir zu sagen haben.” Der langjährige TV-Journalist hat es schon bei diversen Anlässen erlebt, dass Menschen aus verschiedenen Lagern Live-Schalten stören wollten.

Als das Team sich für die Sendung um Mitternacht bereit machte, habe er nicht damit gerechnet, um diese Zeit noch auf Demonstranten zu treffen. Bedroht gefühlt habe er sich von den Männern nicht. “Das war bei der Demo ganz anders, als die erste Reihe ganz offen darauf aus war, jedem aufs Maul zu hauen, da gab es mehr Grund zu Bedenken.”


Der Beitrag wird im Netz diskutiert mit der Frage, ob Präkelt die Situation nicht verharmlosend dargestellt habe – etwa aus Sorge. “Überhaupt nicht, ich habe genau das gesagt, was ich sagen wollte”, sagt Präkelt. "Körperkontakt ist unangenehm, beeinflusst aber nicht meinen Inhalt.”

Den Vorwurf verstehe er auch nicht: “Ich habe analysiert und gesagt, dass das, was da stattgefunden hat, zu erwarten und leider zu befürchten war.” Vorher habe er über eine Formulierung nachgedacht, dass “einige Menschen darauf gewartet haben, dass so etwas passiert, damit es knallt.” Direkt am Ort des Tötungsdelikts sei das aber unpassend gewesen. “Da kannst Du das nicht sagen. In einem Kommentar im Studio schon, aber nicht im Bericht vom Schauplatz.”

Als die Kamera aus war, sei der Mann mit dem Nazi-Gruß noch geblieben und habe mit dem Team gesprochen. “Sie wollten uns noch erzählen, wie es ihnen geht, dass sie Angst um Deutschland haben.” Er stelle oft fest, dass es ein Redebedürfnis gebe. “Das haben wir auch vorher gemerkt, als uns ein Hardcore-Rechter mit tätowiertem Gesicht vom Filmen abhalten wollte.” Als sie beharrlich geblieben seien, sei dieser Mann ins Erzählen gekommen. “Aggression verdeckt oft Sprachlosigkeit, das ist mein Eindruck.”

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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