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Bundestagswahl 2005: Als mit Schröders Poltern die Ära Merkel begann

Bundestagswahl 2005  

Als mit Schröders Poltern die Ära Merkel begann

17.09.2021, 15:39 Uhr | dpa

Bundestagswahl 2005: Als mit Schröders Poltern die Ära Merkel begann. "Elefantenrunde" mit Gerhard Schröder und Angela Merkel: Damals begann wenig später die Ära der Kanzlerin. (Quelle: imago images/momentphoto/Robert Michael)

"Elefantenrunde" mit Gerhard Schröder und Angela Merkel: Damals begann wenig später die Ära der Kanzlerin. (Quelle: momentphoto/Robert Michael/imago images)

Genau 16 Jahre ist es her, dass der damalige Kanzler Gerhard Schröder am Wahlabend seinen legendären Auftritt in der "Elefantenrunde" hatte. Angela Merkel griff er scharf an – doch ohne Erfolg.

Vor 16 Jahren redete sich Gerhard Schröder in der sogenannten "Elefantenrunde" um Kopf und Kragen. Er stichelte gegen Angela Merkel und wollte "die Kirche doch auch mal im Dorf lassen". Am Abend des 18. September 2005 ist klar, dass der Bundeskanzler von der SPD und Rot-Grün nicht weiter regieren können. Doch auch für Merkel als Spitzenkandidatin der Union reicht es nicht für ein Wunschbündnis mit der FDP. In der "Berliner Runde" von ARD und ZDF kommt es zu denkwürdigen Szenen mit einem polternden Kanzler, die in die Polithistorie und Fernsehgeschichte eingehen. Ähnliche Szenen sind für den Abend der Bundestagswahl am 26. September 2021 eher nicht zu erwarten.

"Suboptimal" nannte Schröder sein Verhalten später selbst in der "Zeit". Auch seiner Frau sei er "zu krawallig" gewesen. Er fügte hinzu: "War nicht gut, ich weiß." Alkohol sei aber nicht im Spiel gewesen.

Schröder: "Wir müssen die Kirche auch mal im Dorf lassen"

"Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel bei dieser Sachlage einginge, in dem sie sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden?", sagt Schröder am Wahlabend zur besten Sendezeit vor Millionen Zuschauern. "Ich meine, wir müssen die Kirche doch auch mal im Dorf lassen." Schröder behauptete: Den direkten Kampf "Er oder sie", den habe Merkel verloren. "Sie wird keine Koalition unter ihrer Führung mit meiner sozialdemokratischen Partei hinkriegen. Das ist eindeutig. Machen Sie sich da gar nix vor", sagt Schröder brutal lächelnd zu einer sichtlich erschütterten Merkel.

Sie hatte vorher gesagt: "Wenn wir stärkste Kraft sind, und so sieht es jetzt aus, dann werden wir selbstverständlich Gespräche mit allen Parteien führen. Das ist so die Spielregel der Demokratie. Und dann wird man schauen, wie wir eine stabile Regierung hinbekommen."

Alle Vorsitzenden der damals im Bundestag vertretenen Parteien waren gekommen, um über den Ausgang der Wahl zu diskutieren, eingeladen von den damaligen Chefredakteuren und Moderatoren der Runde, Nikolaus Brender (ZDF) und Hartmann von der Tann (ARD).

Wahlspruch der Union: "Deutschland braucht den Wechsel"

Schröder hatte die vorzeitige Neuwahl herbeigeführt, weil die eigene Partei nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gegen seine Arbeitsmarkt-"Agenda 2010" aufbegehrt hatte. Sein Wahlkampf konzentrierte sich bald auf das "ungerechte" Steuermodell des Finanzexperten Paul Kirchhof aus Merkels Team. Nach einem TV-Duell mit Merkel vor 21 Millionen Zuschauern stiegen die SPD-Umfragewerte zunächst sprunghaft. "Deutschland braucht den Wechsel", verlangte dagegen die Union wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

Die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute hatten in der Woche vor der Wahl allesamt ein CDU/CSU-Ergebnis von mehr als 40 Prozent vorhergesagt. Viele gingen deshalb von einem – wenn auch womöglich knappen – Wahlsieg von Schwarz-Gelb aus. Am Ende aber landete die Union nur bei 35,2 Prozent, recht knapp vor der SPD (34,2 Prozent). Schröder dankte trotz allem nach seinem suboptimalen TV-Auftritt ab.

Einige Tage lang lag 2005 ein Hauch von Jamaika oder Schwampel (also einer Regierung von Union/FDP/Grünen) in der Luft, doch letztlich kam es zur Großen Koalition von Union und SPD mit Franz Müntefering als Vizekanzler unter Angela Merkel, die die erste deutsche Regierungschefin überhaupt wurde und es 16 Jahre lang blieb. Wenn sie es bis 17. Dezember bleibt, dann holt sie sogar noch Helmut Kohl ein in Sachen Länge der Amtsdauer.

Klare Worte gegenüber Schröder fand in der "Elefantenrunde" damals übrigens der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle: "So gekünstelt, wie Sie hier mittlerweile Ihren Triumph feiern, das ist ja nicht mehr ernst zu nehmen, bei allem Respekt, Herr Bundeskanzler. Der Wahlkampf ist jetzt auch vorbei. Und ich glaube, wir können auch wieder normal miteinander respektvoll umgehen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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