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Ex-AfD-Sprecher bezeichnete sich als "Faschist" – jetzt ist er zurück im Bundestag


Er träumte davon, Migranten zu töten – jetzt ist er zurück im Bundestag


Aktualisiert am 25.05.2022Lesedauer: 3 Min.
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Christian Lüth (Mitte) 2018 zwischen den damaligen AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland (l.) und Jörg Meuthen: Lüth wurde 2020 fristlos entlassen. Vorerst.Vergrößern des Bildes
Christian Lüth (Mitte) 2018 zwischen den damaligen AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland (l.) und Jörg Meuthen: Lüth wurde 2020 fristlos entlassen. Vorerst. (Quelle: IPON/imago-images-bilder)

Er ließ sich darüber aus, Migranten zu "vergasen", die AfD-Fraktion feuerte ihn deswegen fristlos. Nun aber kehrt Christian Lüth zurück in die Dienste der Partei – angeblich mit einer Mission.

Er sprach darüber, Migranten wahlweise "vergasen" oder "erschießen" zu lassen – und verlor unter anderem deswegen seinen Job. Nach nicht einmal zwei Jahren aber kehrt Christian Lüth, ehemaliger Sprecher der AfD sowie der Fraktion, wieder in den Bundestag zurück. Das berichtet "Zeit Online". Auch gegenüber t-online bestätigen Quellen die heikle Personalie. Der Fraktionsvorstand, der sich noch vor wenigen Monaten mit vielen Worten öffentlich von Lüth distanzierte, hat nun offenbar kein Problem mehr mit der Rückkehr.

Demnach hat der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk den bestens vernetzten Lüth eingestellt. Lüth selbst bestätigte auf Anfrage von "Zeit Online" seinen neuen Job, wollte sein künftiges Aufgabengebiet aber nicht näher beschreiben. In Kreisen der AfD wird aber spekuliert, dass er sich in den kommenden Wochen darum kümmern soll, Gottschalks Wahl in den Bundesvorstand abzusichern.

"Mäuschen", "vergasen" und "erschießen"

Lüth hatte 2020 mit Faschismus, Rassismus, Sexismus und Gewaltphantasien für Schlagzeilen und seine Entlassung gesorgt: Vorangegangen waren ProSieben-Recherchen von Thilo Mischke für die Doku "Rechts. Deutsch. Radikal" mit versteckter Kamera. In einem Gespräch mit einer Influencerin sprach Lüth davon, dass man Migranten ins Land lassen und später einfach töten könne.

Die Youtuberin, die mit dem Beitrag ihren Ausstieg aus der rechten Szene erklärte, adressierte er als "Mäuschen", das "doch mal taktisch denken" solle: "Das haben wir mit Gauland lange besprochen: Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD."

Lüth soll sich außerdem selbst als "Faschist" bezeichnet haben und sich mit Blick auf seinen angeblichen Großvater, der Lüth zufolge U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg gewesen sein soll, einer "arischen" Abstammung gerühmt haben.

"Gehört nicht zu uns": Fraktion distanzierte sich

Der öffentliche Druck war nach Veröffentlichung der Aussagen groß. Lüth distanzierte sich von seinen Worten und bezeichnete sie als "dummes, privates Gequatsche". Die AfD-Fraktion stellte ihn, der seit Gründung der Partei Sprecherposten bekleidete, schließlich zuerst von seinem Amt frei und entließ ihn dann fristlos. Der damalige Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland, heute Ehrenvorsitzender der Fraktion, geißelte Lüths Aussagen als "völlig inakzeptabel".

Bundesvorsitzender Tino Chrupalla distanzierte sich damals "uneingeschränkt" von Lüth und seinen Aussagen. "Die einzig richtige Konsequenz war die fristlose Entlassung, wie am 28.09.2020 durch den Fraktionsvorstand entschieden."

Auch Lüths neuer Arbeitgeber, Kay Gottschalk, wetterte öffentlich gegen Lüth: Die AfD habe sich dem Rechtsstaat verpflichtet, sagte er. "Wer solche Aussagen tätigt, gehört daher nicht zu unserer Partei!"

Gauland: "kein Problem" mit Lüths Rückkehr

Von der großen Empörung ist nur ein paar Monate später nichts mehr zu spüren: Gauland teilte "Zeit Online" mit, er habe mit Lüths Rückkehr in den Bundestag als Mitarbeiter Gottschalks "kein Problem". Das müsse der Abgeordnete für sich entscheiden. Er sei dazu nicht gefragt worden und habe dazu keine Meinung. Tino Chrupalla reagierte weder auf eine Anfrage von t-online noch von "Zeit Online".

Kurz vor dem Bundesparteitag der AfD, auf dem die mächtigsten Posten der Partei neu besetzt werden, gilt Lüths Rückkehr als Zeichen: für die Stärkung des rechtsextremen Teils der Partei, für eine weitere Radikalisierung. Unter anderem der Thüringer Rechtsextremist Björn Höcke liebäugelt mit einem Posten im Bundesvorstand.

Verwendete Quellen
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