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Tagesanbruch: Die Corona-Krise verändert Deutschland

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Die Corona-Krise verändert Deutschland

13.03.2020, 09:32 Uhr
Tagesanbruch: Die Corona-Krise verändert Deutschland. Mitarbeiterin einer Corona-Ambulanz in Dresden: Im Kampf gegen das Virus kommt das Alltagsleben zum Stillstand. (Quelle: dpa/Robert Michael)

Mitarbeiterin einer Corona-Ambulanz in Dresden: Im Kampf gegen das Virus kommt das Alltagsleben zum Stillstand. (Quelle: Robert Michael/dpa)

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Der Newsletter von Chefredakteur Florian Harms

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages. Heute schreibe ich Ihnen in Vertretung von Florian Harms, der ab Montag wieder für Sie da ist.

WAS WAR?

Was war das für eine Woche! Am Montag sah es so aus, als ob es noch dauern würde, bis Deutschland ähnlich scharfe Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ergreift wie Italien. Dann trat gestern Abend Angela Merkel vor die Presse – und verkündete, dass auf absehbare Zeit in diesem Land nichts mehr so sein wird wie zuvor. Es war ein denkwürdiger Auftritt der Kanzlerin. Ihre Botschaft: Das öffentliche Leben in Deutschland muss in den kommenden Wochen praktisch zum Erliegen kommen. Die Begründung: Nur so gibt es überhaupt eine Chance, die Virus-Pandemie einzudämmen.

Die wichtigsten Punkte, die Merkel an der Seite von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher vorstellte:

  • Die Menschen sollten "wo immer es möglich ist, sozialen Kontakt vermeiden".
  • Alle nicht notwendigen Veranstaltungen – egal welcher Größe – sollten abgesagt werden.
  • Die Krankenhäuser werden angewiesen, alle nicht lebensnotwendigen Operationen zu verschieben.
  • Bund und Länder stellen Geld bereit, um die Zahl der Betten in Intensivstationen zügig auszubauen.
  • Merkel kündigte ein "umfassendes" Hilfspaket für die Wirtschaft an.

Es ist viel, was die Kanzlerin und die Länderchefs der Bevölkerung abverlangen. Die Menschen sollen – teils freiwillig, teils erzwungen ­– auf ganz alltägliche Freiheiten verzichten. Und das ist auf Anhieb schwer nachvollziehbar. Schließlich ist das Virus unsichtbar, man kann es nicht schmecken oder riechen. Für die Mehrheit ist eine Ansteckung zudem nicht gefährlich.

 (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention) (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention)

Dennoch ist es höchste Zeit für drastische Einschnitte im Alltag. Warum, macht eine Grafik der US-Gesundheitsbehörde CDC deutlich. Das Coronavirus ist hoch ansteckend, es existieren bisher weder Impfstoffe noch Medikamente zu seiner Bekämpfung. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen kann sich solch ein Virus sehr schnell ausbreiten, wie es die spitz zulaufende linke Kurve zeigt. Dass sich Deutschland gerade am Fuß dieser Kurve befindet, zeigt die offizielle Statistik des Robert Koch-Instituts: Von Mittwoch auf Donnerstag stieg die Zahl der registrierten Fälle um 802 auf 2.369. Das entspricht einer Steigerung um mehr als die Hälfte – innerhalb eines Tages.

Wirft man dem Virus in dieser Situation keine Hindernisse in den Weg, dann kann es sich in exponentieller Geschwindigkeit ausbreiten. Ziemlich schnell hätten wir dann auch hierzulande italienische Verhältnisse: Überfüllte Intensivstationen, Mediziner und Pflegepersonal am Rande der Erschöpfung, ein Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch. Wie dramatisch die Situation südlich der Alpen ist, schilderte ein Arzt aus Bergamo vor wenigen Tagen eindrücklich.

Ein Stopp des normalen Alltagslebens soll diese Entwicklung verhindern und zu einer abgeflachten, beherrschbaren Kurve führen. Aber was bedeutet das konkret? Ich hatte am Mittwoch freigenommen, um meinen Geburtstag bei sonnigem Märzwetter zu feiern. Alles, was ich an dem Tag unternahm, muss ich jetzt strenggenommen unterlassen: Eis essen, ins Museum gehen, meine Lieblingsbar besuchen, im Restaurant zu Abend essen.

Ich persönlich halte das für machbar – und kann es mir leisten. Doch für viele Menschen ist dieser Verzicht existenzbedrohend: Freiberufler, Musiker, Künstler, Gastronomiemitarbeiter – um nur einige zu nennen. Es ist Aufgabe der Politik, die Folgen der Krise für besonders betroffene Bevölkerungsgruppen abzufedern. Und dabei darf sie nicht so lange zögern, wie in ihrer Reaktion auf die Ausbreitung des Virus.

Im besten Fall kann sich das Leben in wenigen Wochen wieder normalisieren, vermuten die Wissenschaftler. Dann könnte die Virusausbreitung so weit gebremst sein, dass das Gesundheitssystem die Krise bewältigen kann. Alle wichtigen Nachrichten und Ratgeber zum Thema finden Sie natürlich auch weiterhin bei t-online.de.

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Migranten auf Lesbos: Bei Wind, Regen und Kälte harren sie hier im Norden der Insel aus.  (Quelle: t-online.de)Migranten auf Lesbos: Bei Wind, Regen und Kälte harren sie hier im Norden der Insel aus. (Quelle: t-online.de)

Ein Thema, das über das Coronavirus nicht in Vergessenheit geraten darf, ist die Krise an der EU-Außengrenze. Meine Kolleginnen Madeleine Janssen und Nathalie Rippich schildern in ihrer eindrücklichen Reportage das Schicksal einer Gruppe von Flüchtlingen, die auf der griechischen Insel Lesbos festsitzen – ohne Toiletten, Strom oder fließendes Wasser. Zumindest ein Teil der Flüchtlinge aus Griechenland soll nun von anderen EU-Staaten aufgenommen werden. Dazu erklärten sich gestern nach Deutschland sechs weitere Staaten bereit.

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WAS STEHT AN?

Heute ist Freitag, der 13. – ein Datum, vor dem sich viele Menschen fürchten. Meine Kolleginnen und Kollegen aus dem t-online.de-Ratgeberteam haben sechs Gründe gefunden, warum Sie sich ausgerechnet an diesem angeblichen Unglückstag freuen können.

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Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken: Die SPD-Vorsitzenden wollen nicht als Kanzlerkandidaten für ihre Partei antreten. (Quelle: imago images)Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken: Die SPD-Vorsitzenden wollen nicht als Kanzlerkandidaten für ihre Partei antreten. (Quelle: imago images)

Die CDU sucht einen Vorsitzenden, der gleichzeitig auch Kanzlerkandidat werden soll. Die SPD geht nun einen anderen Weg: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans verzichten jeweils auf Kanzler-Ambitionen, wie die Parteivorsitzenden meinen Kollegen Tim Kummert und Johannes Bebermeier exklusiv verrieten. Am Sonntag ist das Duo 100 Tage im Amt. Ihre Zwischenbilanz ziehen Esken und Walter-Borjans in einem ausführlichen Interview, das sie im Lauf des Tages auf t-online.de finden werden.

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WAS LESEN?

Meldungen über Corona-Infektionen und daraus folgende Spielabsagen lähmen auch den Weltfußball. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus erklärte meinem Kollegen Patrick Mayer im ersten Teil des t-online.de-Interviews seine Meinung zu einer möglichen EM-Absage und den Umgang mit dem Virus – und mahnte, nicht in Panik zu verfallen. In Teil zwei widmet er sich nun folgerichtig wieder voll dem Fußball. Der 58-Jährige erklärt, wieso für den FC Bayern unter Trainer Hansi Flick alles möglich ist, von welchem Spieler er ein großer Fan ist – und welcher Akteur Borussia Dortmund komplett verändert. Das komplette Gespräch lesen Sie hier.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Ich liebe die Briten für ihren messerscharfen Humor. Ein herausragendes Beispiel ist die Serie "Yes Minister", die in den 80er-Jahren den Politikbetrieb in Westminster aufs Korn nahm. Natürlich hatten die Musterbürokraten des Ministerbüros einen Vier-Stufen-Plan in der Schublade, der sich auch erfolgreich auf die Coronavirus-Krise anwenden ließe. Stufe eins: "Wir sagen: Es wird nichts passieren!" Es folgt Stufe zwei: "Es könnte etwas passieren, aber wir sollten nichts unternehmen." Ahnen sie, wie die erfolgsversprechenden restlichen Stufen lauten? 

Ich wünsche Ihnen ein schönes und vor allem gesundes Wochenende.

Herzliche Grüße

Ihr

Daniel Fersch
Chef vom Dienst t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Twitter: @danielfersch

Mit Material von dpa.

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