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Die neuen Corona-Regeln sind ungerecht, aber notwendig

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Mit Gerechtigkeit lässt sich das Virus nicht bekämpfen

30.10.2020, 07:10 Uhr
Die neuen Corona-Regeln sind ungerecht, aber notwendig. Ein geschlossenes Restaurant in Berlin. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)

Ein geschlossenes Restaurant in Berlin. (Quelle: Britta Pedersen/dpa)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

heute begrüße ich Sie anstelle von Florian Harms. Hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Wie oft haben Sie in den letzten Wochen Kneipen und Restaurants besucht? Ich gebe zu: Ohne das Ausprobieren von neuen Speisen würde mir das Leben viel weniger Spaß machen. Während ich unter normalen Umständen ausgiebig die kulinarische Szene in Berlin erkunde, habe ich mich in der Pandemie zunehmend eingeschränkt und bleibe viel öfter als sonst zu Hause.

Und wenn ich zuletzt ausgegangen bin, dann spielten Fragen nach dem Infektionsschutz bei der Entscheidung für ein Lokal immer eine große Rolle: Wie setzt die Wirtin oder der Wirt die Hygienemaßnahmen um? Werden die Abstandsregeln eingehalten? Wie steht es um die Belüftung? Oft ließen sich schon vorab Hinweise finden: Wenn sich Gastronomen Mühe dabei gaben, ihre Corona-Regeln auf Webseiten oder sozialen Kanälen ausführlich zu schildern, dann – so meine Erfahrung – gaben sie sich meist auch tatsächlich Mühe bei der Umsetzung.

So wie in einer meiner Lieblingsbars, die im Mega-Hotspot Neukölln liegt. Das Betreiberpaar hat die Tische weit mehr als die vorgegebenen 1,5 Meter auseinandergerückt. Gäste werden freundlich, aber bestimmt an die Angabe der Kontaktdaten erinnert. Wer auf dem Weg zum Klo keine Maske trägt, wird ermahnt. Bestellungen können nur noch am Tisch aufgegeben werden. Gäste, die ausschließlich Getränke zum Mitnehmen kaufen wollen (das geht hier), werden aufgefordert, gleich wieder zu gehen.

Viele nervt das, manch einer zieht auch schimpfend wieder ab in Richtung der nächsten Bar. Ich fühle mich aber gerade wegen der Bemühungen der Betreiber dort immer wohl. Ihr Verhalten nehme ich nicht als streng, sondern als fürsorglich wahr. Als Versuch, den Barbesuch so sicher wie möglich zu machen und das Risiko einer Corona-Infektion so weit wie möglich zu senken.




Damit ist es nach dem Wochenende vorbei: Wie alle anderen Gastronomen müssen auch die Besitzer der Bar in Neukölln ihren Laden für einen Monat schließen – trotz ihrer Anstrengungen. (Eine Übersicht über alle neuen Corona-Regeln, die Bund und Länder beschlossen haben, finden Sie hier.) Ist das gerecht? Auf keinen Fall: Ich kann die Frustration und die Wut jener Wirte, die sich an die Regeln halten, gut verstehen.

Doch mit Gerechtigkeit lässt sich das Virus nicht bekämpfen. Wissenschaftler und Ärzte sind sich einig, dass nur die Minimierung von Kontakten die aktuell rasant zunehmende Verbreitung des Erregers bremsen kann. Das bestreiten selbst die Kritiker der Corona-Beschränkungen unter ihnen grundsätzlich nicht. Das Problem: Derzeit lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wo viele der Neuinfektionen stattfinden. Für die Gastronomie heißt das: Die Bestrafung von schwarzen Schafen (von denen es viele gibt), hilft nicht mehr weiter.

Die Einschränkungen, die im November gelten, haben ein Ziel: Die Menschen pauschal davon abzuhalten, mit vielen anderen in Kontakt zu kommen. Dass sie die Gastronomie, das Hotelgewerbe und die Veranstaltungsbranche stärker treffen als etwa den Einzelhandel, ist nicht gerecht, aber logisch. Denn diese Branchen leben von der sozialen Interaktion und der Geselligkeit – und diese sind derzeit riskant, egal wie gut Hygienekonzepte befolgt werden. Wie meistens in der Demokratie sind die neuen Corona-Regeln ein Kompromiss. Es mag kein perfekter sein, aber er scheint derzeit unvermeidlich.

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Auch wenn es noch keinen Covid-19-Impfstoff gibt, planen Experten bereits die Verteilung. Das Bundesgesundheitsministerium hat ein erstes Konzept für eine nationale Impfstrategie veröffentlicht. Meine Kollegin Melanie Weiner erklärt, wer zuerst gegen Corona geimpft werden könnte – und wer zuletzt.

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WAS STEHT AN?

Eine tödliche Attacke auf Touristen in Dresden. Der grausame Mord an Samuel Paty in Paris. Und nun der Angriff von Nizza, dem drei Menschen zum Opfer fielen. In ganz Europa haben sich zuletzt Anschläge islamistischer Extremisten gehäuft. Höchste Zeit, dass die europäische Politik reagiert: Die Justizminister der EU beraten heute über neue Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung.

Schwerbewaffnete Polizisten halten vor der Kirche Notre-Dame in Nizza Wache: Dort hatte ein Angreifer zuvor drei Menschen getötet. (Quelle: AP/dpa/Eric Gaillard)Schwerbewaffnete Polizisten halten vor der Kirche Notre-Dame in Nizza Wache: Dort hatte ein Angreifer zuvor drei Menschen getötet. (Quelle: Eric Gaillard/AP/dpa)

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Mehrere Bundesländer wollen heute die neuen bundesweiten Corona-Regeln formell beschließen – und zum Teil noch verschärfen. Für Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder Maßnahmen angekündigt, die über die Vereinbarungen vom Mittwoch hinausgehen. Am Mittag will er diese bekannt geben – meine Kolleginnen und Kollegen halten Sie auf dem Laufenden.

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Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft bisher schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Am heutigen Vormittag stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Herbstprognose der Bundesregierung vor. Es ist davon auszugehen, dass die angekündigten Schließungen im Gastronomie- und Kulturbereich den Konjunkturerwartungen wohl einen ordentlichen Dämpfer verpassen werden.

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WAS LESEN?

Seit 21 Spieltagen hat der FC Schalke 04 in der Bundesliga nicht mehr gewonnen – eine Krise von historischen Ausmaßen. Heute Abend müssen die Knappen nun gegen den VfB Stuttgart ran. Ob ihnen ausgerechnet gegen das Überraschungsteam der bisherigen Saison die Kehrtwende gelingt? Kevin Kuranyi hat für beide Klubs gespielt und äußert sich im Interview mit meinem Kollegen Noah Platschko skeptisch über die Schalker Erfolgsaussichten.

Kevin Kuranyi spielte fünf Jahre lang beim FC Schalke. Zuvor war er beim VFB Stuttgart groß geworden. (Quelle: imago images/Norbert Schmidt)Kevin Kuranyi spielte fünf Jahre lang beim FC Schalke. Zuvor war er beim VFB Stuttgart groß geworden. (Quelle: Norbert Schmidt/imago images)

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"Als Mensch ist Donald Trump eine tragische Figur, für die ich durchaus Sympathie empfinden kann", schreibt Lamya Kaddor. Die vergangenen vier Jahre haben ihrer Meinung nach nicht nur negative Auswirkungen gehabt. Die Ära Trump könnte auch Positives bewirken – für die Zukunft. Was genau, legt sie in ihrer lesenswerten neuen t-online-Kolumne dar.

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Hierzulande hätte Donald Trump keine Chance. Nur zehn Prozent der Deutschen würden ihn zum Präsidenten wählen, ergab vor wenigen Tagen eine Umfrage. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass auch Sie zur großen Mehrheit gehören, die Trump ablehnt. Falls das zutrifft: Sind Sie sich da auch ganz sicher? Wirklich? Vielleicht steckt mehr vom aktuellen US-Präsidenten in Ihnen, als Sie vermuten! Mit dem "Trump-O-Maten" können Sie überprüfen, ob ihre Trump-Abneigung auch einen wissenschaftlichen Test übersteht.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Trotz der Pandemie werden am Samstagabend wahrscheinlich auch vor Ihrer Tür maskierte Kinder auftauchen und süßen Halloween-Tribut fordern. Falls Sie öffnen, denken Sie daran: Kleinen Geistern darf man nicht trauen!

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag! Morgen stimmt Sie Florian Harms im Audio-Tagesanbruch wieder auf das Wochenende ein.

Herzlichst,

Ihr

Daniel Fersch
Chef vom Dienst t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Was denken Sie über die wichtigsten Themen des Tages? Schreiben Sie es uns per Mail.

Twitter: @danielfersch

Mit Material von dpa.

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