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Coronavirus: China meldet fast 2.000 weitere Erkrankte – WHO ruft Notlage aus

WHO ruft Notlage aus  

China meldet fast 2.000 weitere Erkrankte

31.01.2020, 03:30 Uhr | dpa, aj

 (Quelle: Euronews)
Schon 213 Corona-Tote

Fast 10 000 Ansteckungsfälle sind in China bekannt, 120 in anderen Ländern.(Quelle: Euronews)

Schon 213 Tote: Wie sich die Situation um das Coronavirus weltweit darstellt. (Quelle: Euronews)


Das Coronavirus aus China hat sich erstaunlich schnell über Ländergrenzen hinweg verbreitet. Jetzt koordiniert die Weltgesundheitsorganisation WHO die Gegenmaßnahmen. 

Die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus breitet sich rasant aus. Die Infektionen und Todesfälle in China erlebten bis Freitag den größten Anstieg innerhalb eines Tages. Die Zahl der Patienten kletterte um 1.981 auf 9.692, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg um 42 auf 213. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Donnerstagabend die Ausbreitung des Virus zu einer "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite". Die 190 Mitgliedsländer werden damit von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen untereinander koordinieren.

Außerhalb der Volksrepublik sind schon mehr als 120 Infektionen in rund 20 Ländern festgestellt worden. In Deutschland bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstagabend einen fünften Fall. Der Patient ist ein Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch die vier zuvor bekannten Infizierten beschäftigt sind. Die Ansteckung ging von einer Kollegin aus China aus, wo jetzt jede Provinz und Region betroffen ist.

Neues Virus überholt verwandten SARS-Erreger

Mit fast 10.000 Fällen weltweit zählt der Ausbruch der "akuten Atemwegserkrankung", wie sie offiziell genannt wird, schon deutlich mehr Infektionen als vor 17 Jahren die ebenfalls von China ausgegangene Sars-Pandemie mit – laut WHO – 8.096 Infektionen. Durch das "Schwere Akute Atemwegssyndrom" (Sars) 2002/2003 starben 774 Menschen. Der neue "2019-nCoV"-Erreger ist eine Variante des damaligen Sars-Virus. Vermutlich stammt er auch von Wildtieren.

Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend nach der Sitzung eines Expertenausschusses. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. "Wir sitzen alle im selben Boot", sagte Tedros. Das Virus könne nur gemeinsam aufgehalten werden. "Das ist die Zeit für Fakten, nicht Angst." Der Notstand heißt offiziell "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite".

WHO empfiehlt keine Reisebeschränkungen

Die WHO empfiehlt nun, dass Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen unterstützt werden sollen. Zudem soll die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, Wissen und Daten geteilt und gegen Gerüchte vorgegangen werden. Gleichzeitig empfiehlt die WHO aber keine Handels- und Reisebeschränkungen.

Viele Länder haben in den vergangenen Tagen schon eigene Maßnahmen ergriffen. "Wenn jedes Land seine eigenen Maßnahmen verhängt, kann das das Rezept für ein Desaster sein, etwa wirtschaftlich", hatte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan zuvor erläutert. Die WHO kann aber kein Land zwingen, Maßnahmen zu ergreifen oder zu unterlassen.

Spahn hebt internationale Zusammenarbeit hervor

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, das Ausrufen einer Notlage durch die WHO werde dazu führen, dass sich alle Länder noch besser abstimmten. Dies sei auch ein Signal an Länder in der Nachbarschaft Chinas oder in Afrika, die Aufmerksamkeit zu erhöhen, sagte der CDU-Politiker in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Mit Blick auf Deutschland sagte Spahn, die Behörden gingen sehr wachsam, aber angemessen mit der momentanen Situation um.

Wichtig sei, schnell Infektionsketten zu unterbrechen. "Ein Gesundheitswesen wie unseres kann das", sagte Spahn auch angesichts der bestätigten fünften Infektion in Bayern. Für einen geplanten Rückholflug von 90 bis 100 Deutschen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan bemühe sich das Auswärtige Amt, die Voraussetzungen mit den Behörden zu finalisieren. Zu klären seien etwa Start- und Landerechte, sagte Spahn. Auch die USA, Japan und andere Länder haben bereits Staatsbürger aus Wuhan geholt oder planen Rückholaktionen.

Bundesregierung will Bürger aus Wuhan zurückholen

Die Bundesrepublik plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger aus der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan. Der Flug war zunächst für Samstag geplant. Sicher war das aber auch am Donnerstag noch nicht. Die Teilnahme ist freiwillig. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Die Rückkehrer sollen 14 Tage lang auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz in Quarantäne. Auch andere Länder planen solche Flüge.

BMW hat seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Der Volkswagen-Konzern setzt seine Produktion in China vorerst weiter aus. Der schwedische Autobauer Volvo verlängerte die zur chinesischen Neujahrsfest gewährte Produktionspause. "Es ist noch deutlich zu früh, um eine seriöse Analyse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus erstellen zu können", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Vier Patienten in München wohlauf

Die vier ersten Patienten in Deutschland waren am Donnerstag in gutem Zustand, wie ein Arzt der Klinik in München sagte, wo sie sich auf einer Isolierstation befinden. Sie hätten keine Symptome. Die vier Kollegen hatten sich während einer Schulung bei einer aus China angereisten Frau angesteckt. In Bayern sind rund 110 Menschen, die mit den Infizierten in Kontakt waren, aufgefordert, vorerst zu Hause zu bleiben. In mehreren Bundesländern gibt es Verdachtsfälle, bestätigt wurde davon noch keiner.

Im Hafen von Civitavecchia in Italien mussten rund 7.000 Menschen über Stunden an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Costa Smeralda" ausharren. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe an Bord Fieber und Atemprobleme gehabt, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Die Passagiere durften zunächst nicht an Land gehen. Am Abend gab es dann Entwarnung.

In China sagten die Behörden immer mehr Veranstaltungen ab, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Neben der Lufthansa und British Airways kündigten weitere Fluggesellschaften wie Air France, KLM, Finnair, American Airlines, SAS, die spanische Fluggesellschaft Iberia und die israelische El Al an, ihre Flüge nach China streichen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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