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Erinnerungen an den 9/11: "Zwei meiner Freunde starben dort"

Wie t-online-Leser den Terror erlebten  

"Schaltet den Fernseher ein. Ihr glaubt nicht was gerade passiert ist"

11.09.2021, 14:49 Uhr
Was bei den Terroranschlägen 2001 geschah

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 veränderten die Welt schlagartig. Die Schreckensbilder gingen in die Geschichte ein. t-online zeigt anhand von historischen Aufnahmen, was damals passierte. (Quelle: t-online)

Terroranschläge vor 20 Jahren: Was genau am 11. September 2001 in den USA geschah und welche Bilder an diesem Tag um die Welt gingen. (Quelle: t-online)


Die Bilder vom 11. September 2001 haben sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt. Leserinnen und Leser von t-online haben uns berichtet, wie sie die Terroranschläge vor zwanzig Jahren erlebt haben.

"Es gibt einfach diese Tage, von denen man später noch sehr genau weiß, was man getan oder erlebt hat," schreibt t-online-Leserin Claudia Mithke mit Blick auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Fast 3.000 Menschen kamen vor zwanzig Jahren bei den Angriffen auf das World Trade Center in New York City und das Pentagon in Washington, D.C. ums Leben.

Wir haben die Leserinnen und Leser von t-online gebeten, uns von ihren Erinnerungen zu berichten und gefragt: Wie haben Sie am 11. September 2001 von den Terroranschlägen erfahren? Wie haben Sie darauf reagiert? Wie haben Sie der Opfer des Terrorismus gedacht und das Ereignis für sich verarbeitet? In ihren Rückmeldungen schreiben sie von persönlichen Verlusten, dem ersten Schockmoment und kurzfristigen Zweifeln an der Realität.

"Zwei meiner Freunde starben dort"

t-online-Leserin Sabine Turley: "Ich bin 57 Jahre alt und Amerikanerin. Seit 21 Jahren lebe ich in Deutschland. Am 11. September 2001 saß ich mit einer meiner Töchter in der Küche. Meine Oma rief an und erzählte mir von einem Flugzeug, das in das World Trade Center geknallt sei. Erst dachte ich, dass sie einen Kriegsfilm sieht. Meine Jüngste schlief auf dem Sofa, deshalb konnte ich nur das Radio anschalten. Panik, Wut und Angst ergriffen mich.

Als auch das Pentagon getroffen wurde, bestätigte sich meine Befürchtung, dass Bekannte unter den Opfern sein könnten. Zwei meiner Freunde starben dort. In New York starb außerdem die Schwester eines Bekannten. Sie war bei der Feuerwehr. Eine diffuse Angst machte sich in mir breit. Sie ist heute bisweilen noch spürbar.

Trotz dieser Terrorangriffe verurteile ich nicht den Islam. Spinner haben die Religion als Deckmantel für tausendfachen Mord benutzt. Ich wünsche mir, dass wir Menschen uns gegenseitig mehr achten und respektieren. Jede Form von Terror ist inakzeptabel."

"Das kann doch nur ein scheiß Kinofilm sein"

t-online-Leser Heiko Neumann: "Am Morgen des 11. September war ich in Hamburg zur Umschulung. Zwei Dozenten unterhielten sich über eine Explosion, die es anscheinend in den USA in einem Hochhaus gegeben hatte.

Neben der Ausbildung habe ich die Schülerzeitung gestaltet und bin gleich in die Redaktion gegangen, um dort die Nachrichten zu verfolgen. Alle Sender zeigten dasselbe Bild: Der rechte Turm des World Trade Centers stand im oberen Bereich in Flammen. Kaum Informationen, nur das grausame Bild. Minuten der Stille. Dann kam ein weiteres Flugzeug von links. Es bohrte sich in den zweiten Turm. Explosion und Flammen.

Mir liefen die Tränen und ich zitterte. Ich starrte auf den verfluchten Bildschirm. Das kann doch nur ein scheiß Kinofilm sein. Irgendwann ging ich zurück in meine Klasse. Unmöglich die Lage zu beschreiben. Am Nachmittag fingen wir an, das Geschehene mit einer Psychologin aufzuarbeiten. Leider werde ich diesen Tag nie vergessen können."

"Und fast sofort kursierten wilde Verschwörungsmythen"

t-online-Leserin Claudia Miethke: "Es war ein Dienstag. Ich hatte gerade eine anstrengende Fortbildung im Video-Clip-Dance hinter mir und saß im Zug nach Hause. Da bekam ich eine ziemlich verstümmelte SMS von meinem Lebensgefährten 'Anschlag in New York. World Trade Center niedergebombt'.

Ich wollte ihn anrufen. Aber das Netz war völlig überlastet. Inzwischen hatten auch andere im Zug ähnliche Nachrichten erhalten. Einer hatte ein Kofferradio dabei, das schaltete er ein, und wir alle scharten uns atemlos darum herum, dicht gedrängt, fassungslos. Immer wieder andere Sender, immer die gleiche Meldung. Es war ein wunderschöner Spätsommertag – bis zu dieser Nachricht.

Als ich endlich nach mehrmaligem Umsteigen zu Hause ankam, warf ich meine Sachen in die Ecke und stürzte zum Fernseher. ARD, ZDF, das Dritte, überall diese entsetzlichen Bilder: Menschen, die in den Tod fallen oder springen, Gebäude, die in sich zusammenstürzen, Flammen, Ruß, Qualm, Staub, Schmutz, der sich durch die Straßen wälzt, fliehende Menschen, blutüberströmt, entsetzt, verwirrt.

Und fast sofort kursierten wilde Verschwörungsmythen. Das ist für alle ein Schlag ins Gesicht, die damals verletzt wurden, zu Tode gekommen sind, Angehörige verloren haben oder noch immer unter den Spätfolgen leiden. Und das Lied 'Only time' kann ich bis heute kaum anhören."

"Ich dachte, jetzt beginnt der dritte Weltkrieg."

t-online-Leser Jens S: "Ich war arbeiten, als ich vom ersten Flugzeug hörte, welches in den Tower flog. Ich dachte, wie konnte das geschehen? Als dann das zweite Flugzeug einschlug, dachte ich, jetzt beginnt der dritte Weltkrieg."

"Im Landeanflug sahen wir noch die Rauchwolken über New York"

t-online-Leserin Britta Hansen: "Ich bin am 11. September von meinem Chef mit den Worten begrüßt worden: 'Du willst nicht ernsthaft übermorgen in die USA fliegen?' Der Familienbesuch in Pennsylvania, mit Zielflughafen Newark New Jersey, war lange geplant. Gemeinsam mit meinem Chef schaute ich im Fernsehen, wie der zweite Tower vom Flugzeug getroffen wurde. Erschütternd!

Da dieser Urlaub nicht nur mich selbst, sondern auch meine Großeltern betraf, die ihren Sohn und dessen Familie über zehn Jahre nicht gesehen haben, beschlossen wir, trotzdem zu reisen. Vorerst war der Luftraum gesperrt. Am 17. September durften wir dann fliegen. In der Maschine saßen zu 95 Prozent Amerikaner, die nach Hause wollten. Im Landeanflug sahen wir noch die Rauchwolken über New York. Wir kamen mit mehreren Stunden Verspätung an. Überall standen schwer bewaffnete Soldaten.

Wir waren froh, bei unserer Familie zu sein. Dort habe ich dann die Fernsehansprache von Präsident George W. Bush gesehen, der Rache schwor. Ich habe nicht jedes Wort verstanden, aber diesen stahlharten Blick werde ich nie vergessen.

Ground Zero selbst habe ich im Dezember 2001 besucht. Es war fürchterlich an diesen Kratern zu stehen und zu wissen, wie viele Menschen dort ihr Leben gelassen haben. Die USA sind an dem Tag mitten ins Herz getroffen worden."

"Wir Soldaten durften für zwei Wochen die Kaserne nicht mehr verlassen"

t-online-Leser Sven Stadie: "Ich war zu dem Zeitpunkt bei der Bundeswehr und saß im Büro vom Stabsfeldwebel. Plötzlich kam ein Kamerad in die Schreibstube, der gerade Wachdienst hatte und zum Zeitvertreib den Fernseher laufen ließ. Er sagte: 'Schaltet den Fernseher ein. Ihr glaubt nicht was gerade passiert ist'.

Als ich die ersten Bilder sah, war mir klar, dass da nicht einfach nur menschliches Versagen dahintersteckt. Kurze Zeit später raste das zweite Flugzeug in den anderen Turm und es war sicher, dass es ein Anschlag war. Eine Mischung aus Entsetzen und Fassungslosigkeit machte sich breit.

Schnell fingen wir an zu rätseln, wie die Terroristen so was, trotz der damals schon scheinbar recht hohen Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, schaffen konnten. Wir dachten erst: 'Das ist doch unmöglich zu schaffen'. Wir dachten fast, dass wir das alle gerade nur träumen. Das ist doch nicht echt, das ist unwirklich.

Zwei Stunden später wurde höchste Alarmstufe ausgelöst. Wir Soldaten durften für zwei Wochen die Kaserne nicht mehr verlassen. Auch am Wochenende heimfahren war gestrichen."

"Wir waren auf dem 34. Geburtstag meiner kleinen Schwester"

t-online-Leserin Monika Bauermeister: "Wir waren auf dem 34. Geburtstag meiner kleinen Schwester, in Sachsen-Anhalt. Plötzlich kam mein Neffe aus seinem Zimmer und meinte aufgeregt: 'Macht mal schnell den Fernseher an.' Das war es dann mit der Geburtstagsfeier. Die Bilder waren so erschreckend, so unfassbar. Man konnte nicht abschalten. Es war so weit weg und doch so nah.

Wie schlimm ich das persönlich empfand, kann ich nicht in Worte fassen.
Plötzlich war alles weg, die Menschen, die Häuser. Panik! Ich hatte Tränen in den Augen. Und jedes Jahr zum Geburtstag meiner Schwester sind diese Bilder wieder präsent."

"Es hat mich mehr berührt als die Öffnung der Mauer"

t-online-Leser S. Schriewer: "Ich kam von der Arbeit heim. Routinemäßig schaltete ich den Fernseher ein, um zu sehen, was es Neues gibt. Was ich sah, erstaunte mich: Ulrich Wickert, offensichtlich in einer Sonder-Nachrichtensendung.

Er sprach davon, dass ein Flugzeug ins Pentagon gestürzt sei. Mein erster Gedanke: Was redest du da? Was da hinter dir qualmt, ist doch das World Trade Center! Natürlich fesselte mich, was ich dann sah und hörte, ich klebte förmlich am Fernseher und weinte.

Nach einiger Zeit löste ich mich und beruhigte mich etwas, weil ich einkaufen musste. Im Supermarkt hatte ich das Gefühl, aus einem schlechten Traum erwacht zu sein. Alle Menschen benahmen sich völlig normal. Es wusste wohl niemand, was in den letzten paar Stunden passiert war. Ich sprach eine Verkäuferin und die Kassiererin an. Sie wussten von nichts und haben mir wohl nicht geglaubt. Ich beendete schnell meinen Einkauf und ging heim.

Den Rest des Tages war ich vom Fernseher nicht mehr wegzubekommen und musste ziemlich um Fassung ringen. Es hat mich mehr gefesselt, mitgenommen und berührt als die Öffnung der Mauer, obwohl ich da auch schon 30 Jahre alt war."

Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von Leserinnen und Lesern von t-online

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