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Experten: ErnÀhrungssicherheit bei Klimapolitik mitdenken

Von dpa
Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine Mutter mit ihrem vier Monate alten Baby auf einer Station fĂŒr UnterernĂ€hrung in Afghanistans Haupstadt Kabul.
Eine Mutter mit ihrem vier Monate alten Baby auf einer Station fĂŒr UnterernĂ€hrung in Afghanistans Haupstadt Kabul. (Quelle: Petros Giannakouris/AP/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Welthungerhilfe erwartet von der neuen Bundesregierung ein verstĂ€rktes internationales Engagement fĂŒr ErnĂ€hrungssicherheit und eine nachhaltige Landwirtschaft.

"Das Thema ErnĂ€hrungssicherung und Hunger wird immer wieder von vielen unterschĂ€tzt. Das ist der Katalysator fĂŒr die nĂ€chsten Konflikte", sagte Mathias Mogge, GeneralsekretĂ€r der Welthungerhilfe, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Und bei aller Schwerpunktsetzung auf Klimawandel - und das sehe ich auch als extrem wichtiges Thema - dĂŒrfen wir nicht vergessen, dass es hier grundlegende ZusammenhĂ€nge gibt."

Von der neuen Bundesregierung aus SPD, GrĂŒnen und FDP werde erwartet, dass das Thema ErnĂ€hrungssicherheit auf jeden Fall weitergefĂŒhrt werde. Zudem mĂŒsse der Haushalt 2022 nachgebessert werden, um das Finanzierungsniveau von 2021 zu erhalten. In der humanitĂ€ren Hilfe erwartet die Welthungerhilfe, dass Nichtregierungsorganisationen stĂ€rker am Aufwuchs der Mittel im AuswĂ€rtigen Amt beteiligt werden und vorausschauende humanitĂ€re Hilfe stĂ€rker berĂŒcksichtigt werde.

Weltweites Problem

"Der Hunger ist wieder auf dem Vormarsch, ErnĂ€hrungsunsicherheit nimmt weltweit zu, daher mĂŒssen wir unbedingt die Landwirtschaft stĂ€rken und mehr Investitionen in die lĂ€ndlichen RĂ€ume lenken", sagte Mogge. "Wir wissen genau, was das eigentlich kostet und welche Maßnahmen am meisten bewirken. Hier gilt es, die Empfehlungen der Wissenschaftler tatsĂ€chlich umzusetzen." Idealerweise mĂŒsse Klimaschutz damit verbunden werden, dass Bauern im SĂŒden eine nachhaltige Basis fĂŒr ihre Landwirtschaft erhalten. "Dieses Zusammenspiel mĂŒssen wir besser hinbekommen", mahnte er.

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Mit Sorge blickt die Organisation auf Konfliktregionen in der Welt. "Wir vermuten, dass sich die DĂŒrre am Horn von Afrika, ganz konkret Äthiopien, Sudan, Kenia, Somalia und sogar bis nach Uganda hinein deutlich verschĂ€rfen wird", sagte Mogge. Die Lage dort werde sich eher noch verschlimmern - wegen der andauernden DĂŒrresituation und aufgrund der KĂ€mpfe in Äthiopien, auch wenn aktuell ein leichter RĂŒckgang dieser KĂ€mpfe zu beobachten sei.

Kriege, Klimawandel, Covid-19

Besorgniserregend ist demnach auch die Situation in Westafrika, wo die Bundeswehr und andere Staaten in Mali und Niger militĂ€risch prĂ€sent sind. Erreicht worden sei bisher "leider relativ wenig". "Die Unsicherheit, der Krieg in der Sahelregion geht weiter. Genauso sieht es aus bei der Ausbreitung von radikalen Ideologien, auch ĂŒber den Sahel hinaus. Man hört schon erste Berichte, dass die radikalen Positionen in den KĂŒstenlĂ€ndern angekommen sind", sagte Mogge. "Und gleichzeitig verschĂ€rft sich die humanitĂ€re Situation immer weiter, einerseits durch den Fortbestand der Konflikte, aber auch durch Trockenheit, durch Klimawandel und durch Covid-19."

Afghanistan-Strategie benötigt

Er forderte Lehren aus dem Einsatz in Afghanistan zu ziehen, auch wenn man diese nicht eins zu eins ĂŒbertragen könne. Dazu gehöre, dass man eine gemeinsame Strategie mit der Regierung haben mĂŒsse. "Man sollte immer dem zivilen Aufbau, den zivilen FriedensbemĂŒhungen Vorrang geben. MilitĂ€rische Interventionen sollten immer allerletztes Mittel sein", sagte Mogge. "Leider wird das zu selten beherzigt. Eine große MilitĂ€rprĂ€senz fĂŒhrt nicht notwendigerweise zu mehr Sicherheit."

In Afghanistan werde jetzt sehr viel davon abhĂ€ngen, wie sich die internationale Gemeinschaft gegenĂŒber der Taliban-Regierung verhalte und "ob sie bereit ist, zumindest Konzessionen an die Taliban-Regierung zu machen, die eine humanitĂ€re Versorgung der Bevölkerung einigermaßen sicherstellen", sagte Mogge. Nach dem fluchtartigen Abzug der internationalen Truppen gelte hier eine moralische Verpflichtung, dem afghanischen Volk in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen. Durch den Zusammenbruch des Bankensystems und den fortschreitenden Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems in Afghanistan sei es schwer, ĂŒberhaupt noch zu helfen.

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