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Zwei weitere LĂ€nder melden FĂ€lle von Affenpocken

Von afp, dpa, joh

Aktualisiert am 22.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Viruserkrankung: Das steckt hinter den Affenpocken, die sich weltweit ausbreiten. (Quelle: Glomex)
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Immer mehr LĂ€nder melden FĂ€lle von Affenpocken. Nachdem am Wochenende Patienten in Deutschland registriert wurden, haben auch die Schweiz und Israel am Virus Erkrankte entdeckt.

Nach den ersten in Deutschland nachgewiesenen FĂ€llen von Affenpocken in MĂŒnchen und Berlin rechnen Experten mit weiteren Infektionen. Eine große Ansteckungswelle ist hierzulande aber nicht zu erwarten. Davon gehen sowohl die behandelnden Ärzte des Patienten in MĂŒnchen als auch die Behörden in Berlin aus. Derweil melden weitere LĂ€nder erste Infektionsnachweise, wie Israel und die Schweiz.

Am Samstag berichtete die Senatsverwaltung fĂŒr Gesundheit in Berlin von zwei FĂ€llen der seltenen Infektion in der Hauptstadt. Es ist noch nicht bekannt, mit welcher der beiden bekannten Virus-Varianten sich die Betroffenen angesteckt haben. Eine entsprechende Genanalyse dazu laufe. Der Zustand der Patienten sei stabil, hieß es.

Am Freitag war bereits ein erster Fall von Affenpocken in MĂŒnchen bekannt geworden. Der 26 Jahre alte Mann stammt aus Brasilien und leidet an der westafrikanischen, der milderen der zwei bekannten Virusvarianten. Ihm geht es nach Angaben seines behandelnden Arztes gut. Der Mann war von Portugal ĂŒber Spanien nach MĂŒnchen gereist und hatte sich zuvor in DĂŒsseldorf und Frankfurt am Main aufgehalten.

NRW prĂŒft Kontakte

Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen liegen Hinweise "auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus" vor. Diesen Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag. Das Landeszentrum fĂŒr Gesundheit stehe in engem Austausch mit dem StĂ€ndigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren fĂŒr Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am Robert Koch-Institut (RKI).

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"Ich bin ĂŒberzeugt, dass es insgesamt noch weitere FĂ€lle in Deutschland geben wird", sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der infektiologischen Klinik des Schwabinger Krankenhauses auf Anfrage. Dort ist der MĂŒnchner Patient in einem Einzelzimmer mit vorgeschalteter Schleuse untergebracht. Die Klinik ist nach Wendtners Worten eines von sieben Zentren des STAKOB in Deutschland.

Annahme: Sterblichkeit von einem Prozent

"Allgemein geht man davon aus, dass die westafrikanischen Affenpocken eine Sterblichkeit von insgesamt einem Prozent haben, das betrifft vor allem Kinder unter 16 Jahren", sagte Wendtner. "Man muss aber bedenken, dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend ĂŒbertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wĂ€re die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen. Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefĂ€hrden." Infizierte Patienten seien etwa drei bis vier Wochen ansteckend.

Vorsicht sei bei immunsupprimierten Patientengruppen geboten, also solchen mit nur schwachen AbwehrkrĂ€ften. "Dazu gehören beispielsweise HIV-Patienten ohne ausreichende medikamentöse Krankheitskontrolle, aber zum Beispiel auch Tumorpatienten mit schwerer Immunsuppression etwa nach Stammzelltherapie", sagte Wendtner. Es werde diskutiert, ob man diese Risikogruppen mit einer Impfung schĂŒtze. Seit 2013 ist in der EU demnach der Impfstoff Imvanex zugelassen.

"Wir gehen davon aus, dass die Ă€ltere Generation, die vor 1980 noch gegen die klassischen Pocken geimpft wurde, einen sehr hohen Schutz auch gegen Affenpocken hat, diese Menschen sind sehr wenig bis gar nicht gefĂ€hrdet." Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es zudem eine in der EU zugelassene Therapiemöglichkeit fĂŒr die Affenpocken-Erkrankung.

Erste FĂ€lle in Schweiz und Israel

Derweil steigt die Zahl der LĂ€nder, die Nachweise der seltenen Infektionskrankheit melden. Am Samstag teilte das Kanton Bern mit, dass in der Schweiz ein erster Fall nachgewiesen wurde. Auch in Israel ist ein Test nach Angaben des Gesundheitsministeriums positiv ausgefallen. In Australien, Kanada und den USA wurden ebenfalls in den vergangenen Tagen FĂ€lle bestĂ€tigt – und damit in weiteren Weltregionen außerhalb Afrikas, von wo das Virus stammt.

Die meisten FĂ€lle, die derzeit untersucht werden, verlaufen mild, wie am Freitag der WHO-Regionaldirektor fĂŒr Europa, Hans Kluge, mitteilte. Die kĂŒrzlich nachgewiesenen Infektionen seien atypisch, weil die meisten Betroffenen nicht nach West- oder Zentralafrika gereist seien, wo die Krankheit endemisch sei, heißt es in dem Statement Kluges. AuffĂ€llig sei auch, dass die meisten zunĂ€chst entdeckten Infektionen bei homosexuellen MĂ€nnern nachgewiesen wurden. Dass die FĂ€lle ĂŒber Europa verteilt festgestellt werden, lege nahe, dass das Virus schon eine Weile weitergegeben werde.

Gesundheitsbehörden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome, kann aber auch schwere VerlĂ€ufe nach sich ziehen. In EinzelfĂ€llen sind tödliche Erkrankungen möglich. Übertragen wird das Virus vor allem ĂŒber direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien.

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