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Diesel-Katastrophe in Sibirien: Es kommt noch schlimmer

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 25.06.2020Lesedauer: 8 Min.
Vom Kraftstoffleck verfÀrbt: 21.000 Tonnen sind bei Norilsk in die Umwelt gelangt. Ein Tanklager war offenbar gebrochen, weil der Boden darunter auftaut.
Vom Kraftstoffleck verfÀrbt: 21.000 Tonnen sind bei Norilsk in die Umwelt gelangt. Ein Tanklager war offenbar gebrochen, weil der Boden darunter auftaut. (Quelle: Greenpeace Russland)
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Durch das rot gefĂ€rbte Flusswasser sah es aus, als wĂŒrde Sibiriens Natur bluten: Doch ein riesiges Dieselleck ist Symptom eines viel schlimmeren Leidens. Das Tauen der Permafrostböden ist eine Katastrophe.

Zuerst war nur ein Brand gemeldet worden um 12.45 Uhr Ortszeit aus der Stadt Norilsk in Sibirien. Ein Auto war in eine Kraftstofflache gefahren. Auf der Fahrbahn stand Diesel, weil dort aus einem instabil gewordenen Tank gerade 21.000 Tonnen ausgelaufen waren, die umliegende FlĂŒsse rot fĂ€rbten und immer noch Richtung Arktisches Meer schwappen.

Doch der Brand und die schlimmste Ölpest Russlands sind die Folge eines noch viel gewaltigeren Problems: Der Permafrostboden taut auf und lĂ€sst nicht nur Tanklager abrutschen. FĂŒr Russland bedeutet das Kosten von 100 Milliarden Dollar in den nĂ€chsten Jahren, fĂŒr die Welt heißt es, dass der Klimawandel angeheizt und im Eis konservierte Krankheiten ausbrechen könnten.

Feuer am Lager: In der ersten Mitteilung ging es "nur" um einen Brand. Ein Auto war in den ausgelaufenen Treibstoff neben dem Tanklager gefahren, was ein Feuer ausgelöst hatte.
Feuer am Lager: In der ersten Mitteilung ging es "nur" um einen Brand. Ein Auto war in den ausgelaufenen Treibstoff neben dem Tanklager gefahren, was ein Feuer ausgelöst hatte. (Quelle: mchs.gov.ru)

Es gibt ein verwackeltes Video der ersten Minuten der Kraftstoff-Katastrophe. Ein Wasserfall ist zu sehen, aber was da schÀumt und spritzt, ist der Diesel aus einem der Tanks an einem Kraftwerk in der sibirischen Stadt Norilsk.

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Ein anderes Video zeigt, wie jemand einen Becher mit FlĂŒssigkeit aus dem Fluss Ambarnaya schöpft. 15.000 Tonnen Treibstoff sollen es bis in den Strom geschafft haben und nicht vorher im Erdreich versickert sein. Der Mann in dem Video taucht ein StĂŒck Papier in den Becher und hĂ€lt ein Feuerzeug daran. Das nasse Papier brennt gut. Die Fracht auf dem Fluss abzufackeln, wurde auch als Lösung diskutiert, aber dann doch verworfen.

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Jetzt dĂŒrfte es Jahre oder Jahrzehnte dauern, die RĂŒckstĂ€nde des Dieselunfalls aus dem Wasser zu bekommen. Fotos mit blutrotem Wasser gab es schon in der Vergangenheit aus der Gegend der 180.000-Einwohner-Stadt Norilsk, wo durch Schwefeldioxid auch die Luft so schlecht ist, wie kaum sonst wo in der Welt. Aber Hunderte Kilometer flussabwĂ€rts, hinter dem Pjassinosee, beginnt das Große Arktische Schutzgebiet, das grĂ¶ĂŸte Naturschutzreservat Eurasiens.

Kraftwerksmanager in Untersuchungshaft

Norilsk Nickel, der Mutterkonzern des Kraftwerks, sieht die giftige Fracht im Fluss schon vor dem See gestoppt und belegt das mit Luftbildern, die ein Ende der VerfĂ€rbung an Barrieren zeigen. Die oberste Fischereibehörde erklĂ€rte dagegen der Zeitung "Kommersant", die Sperren hĂ€tten den grĂ¶ĂŸten Teil des Diesels nicht aufhalten können. Die giftigsten Bestandteile Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol seien ohnehin in Wasser löslich und könnten nicht in Auslegern gesammelt werden, so Alexej Knischnikow vom russischen WWF.

WĂ€hrend die Helfer an den Ölsperren arbeiten, prĂ€sentierten die Behörden in einer Art KĂ€fig einen möglichen Verantwortlichen. Der Kraftwerksmanager bleibt zunĂ€chst bis zum 31. Juli wegen möglicher Umweltdelikte in Haft. Doch Schlamperei als ErklĂ€rung ist zu einfach. Russland hat es mit einem Gegner zu tun, der sich nicht hinter Gitter bringen lĂ€sst: dem Klimawandel.

Eine Festnahme: Ein technischer Leiter des Kraftwerks sitzt zumindest bis zum 31. Juli in Untersuchungshaft, weil eines der Tanklager mit 21.000 Tonnen ausgelaufen ist.
Eine Festnahme: Ein technischer Leiter des Kraftwerks sitzt zumindest bis zum 31. Juli in Untersuchungshaft, weil eines der Tanklager mit 21.000 Tonnen ausgelaufen ist. (Quelle: Untersuchungsausschuss der Russischen Förderation/TAA Publication/imago-images-bilder)

Nun sind alle grĂ¶ĂŸeren Lager in der Arktis außerplanmĂ€ĂŸig zu ĂŒberprĂŒfen, "um eine Ă€hnliche Situation bei besonders gefĂ€hrlichen Strukturen in Gebieten zu verhindern, die zum Schmelzen von Permafrost neigen", wie der Generalstaatsanwaltschaft erklĂ€rte. Der Tank in Norilsk, zuletzt 2018 ĂŒberprĂŒft, war offenbar leicht gekippt und deshalb aufgerissen, weil PfahlgrĂŒndungen* im aufweichenden Boden unstabil geworden waren.

Ein paar Tage vor dem UnglĂŒck war es am 23. Mai in Norilsk mit 23 Grad wĂ€rmer als in Freiburg. Die Durchschnittstemperatur der vergangenen 30 Jahre liegt in diesem Teil Sibiriens eigentlich bei minus 4,8 Grad. In diesem Mai fiel das Thermometer nur stundenweise ĂŒberhaupt mal unter null Grad.

Boden taut immer tiefer auf

Der Monat war weltweit der wÀrmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, in Teilen Sibiriens lag die Temperatur sogar zehn Grad zu hoch. Und das nach dem Jahr 2019, welches das wÀrmste Jahr in Russland war. In Norilsk war der Boden im vergangenen Jahr an einer Messstelle bis in 113 Zentimeter Tiefe aufgetaut, 2005 nur bis in 81 Zentimeter Tiefe.

Der Klimawandel macht sich im Polarkreis doppelt so stark bemerkbar wie im weltweiten Mittel. Und Russland ist auf schmelzendem Untergrund gebaut. Permafrostboden macht fast zwei Drittel der FlĂ€che des Landes aus. In diesen Landesteilen lebt zwar nur jeder 20. Russe, aber jeder sechste Rubel fĂŒr GebĂ€ude, Fabriken und Straßen ist dort investiert. In den Permafrostgebieten liegen 80 Prozent der GasförderstĂ€tten, viele Ölquellen und weitere BodenschĂ€tze. Um diese Standorte und Industrien sind StĂ€dte entstanden.

Alarmstufe Rot in Sibiriens Arktis: Die Temperatur lag dort in den vergangenen Monaten oft sehr deutlich ĂŒber dem Mittel der vergangenen Jahrzehnte. Der Klimawandel macht sich besonders stark dort bemerkbar, wo viel Kohlenstoff im Eisboden festgehalten ist.
Alarmstufe Rot in Sibiriens Arktis: Die Temperatur lag dort in den vergangenen Monaten oft sehr deutlich ĂŒber dem Mittel der vergangenen Jahrzehnte. Der Klimawandel macht sich besonders stark dort bemerkbar, wo viel Kohlenstoff im Eisboden festgehalten ist. (Quelle: Copernikus/t-online.de)

Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hat das Problem im Dezember in nie gekannter Deutlichkeit eingerĂ€umt. Es war in Moskau mit rund 5 Grad so warm wie nie in einem Dezember seit Beginn der Aufzeichnung, als er das Thema bei seiner jĂ€hrlichen Pressekonferenz vor fast 2.000 Journalisten ansprach. "Wenn die Permafrostböden auftauen, können Sie sich vorstellen, welche Folgen das haben kann. Das kann zur VerwĂŒstung einiger Regionen fĂŒhren, das betrifft uns alle", sagte er.

Fast zeitgleich kam eine Studie heraus, die die Folgen berechnet: Auf 106 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) belaufen sich demnach die zu erwartenden SchĂ€den an Infrastruktur bis zu den 2050er-Jahren, in einem mittleren Szenario. FĂŒr die Berechnung hat ein amerikanisch-russisches Forscherteam um Dimitri Streletzki von der George-Washington-UniversitĂ€t in Washington aus mehreren Klimamodellen den Mittelwert eines Szenarios genommen, das fĂŒr Sibirien einen Anstieg der Temperatur um 3,8 Grad prognostiziert.

Der aufweichende Boden hat SchÀden an HÀusern zur Folge

Und schon 1,5 Grad können in der Stadt Jakutsk die GrĂŒndungen sĂ€mtlicher GebĂ€ude verformen, so die Wissenschaftler. 1.000 GebĂ€ude sind dort bereits beschĂ€digt, sagte BĂŒrgermeisterin Sardana Avksentieva, die Straßen und BĂŒrgersteige stĂ€ndig reparieren lassen muss.

Die HĂ€lfte des russischen Permafrostbodens werde ihre TragfĂ€higkeit 2050 bis 2059 verloren haben, so die Forscher. In dem Szenario sind 54 Prozent aller WohngebĂ€ude im Permafrostgebiet betroffen mit SchĂ€den von 20,7 Milliarden Dollar. Bei einem FĂŒnftel der Gewerbebauten wird es durch das Auftauen SchĂ€den geben. Ebenso bei einem Ă€hnlich hohen Anteil an Straßen, Leitungen und sonstiger Infrastruktur, zusammen 84,4 Milliarden Dollar.

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Die Rechnung ist noch unvollstĂ€ndig, sagen die Wissenschaftler: Man habe zwar einen schlechten Fall mit einer starken ErwĂ€rmung angenommen. Zunehmende Erosion an der KĂŒste ist nicht eingerechnet, große BrĂ€nde, Überflutungen und DĂŒrre mit der Folge nicht beschiffbarer FlĂŒsse ebenso nicht. "Die kombinierten wirtschaftlichen Kosten können die in dieser Studie vorgelegten SchĂ€tzungen erheblich erhöhen." Reinigungskosten in Höhe von vielleicht Hunderten Millionen Dollar wie nach dem Dieselunfall von Norilsk dĂŒrften in der Rechnung auch nicht enthalten sein.

Ein Fluss verschlingt die HĂ€user der Yupik

Russland ist besonders, aber es ist nicht allein betroffen. Davon können etwa in Alaska die 380 Menschen des indigenen Volkes der Yupik ein Klagelied singen. Sie sind die Bewohner eines 1949 um eine neue Schule gegrĂŒndeten Dorfes, das bald verschwunden sein wird. Sie werden umgesiedelt, weil sich dort ein immer breiterer Fluss bildet, wo ihre HĂ€user stehen.

Kinder vom indigenen Volk der Yupik: Ihr Dorf in Alaska droht im steigenden Wasser zu versinken.
Kinder vom indigenen Volk der Yupik: Ihr Dorf in Alaska droht im steigenden Wasser zu versinken. (Quelle: Katie Orlinsky/National Geographic)

Ihr Schicksal bekam weltweit Aufmerksamkeit, als beim World Press Photo Award 2020 eine Serie mit Bildern von dort mit einem dritten Platz geehrt wurde. Die Fotografin Katie Orlinsky dokumentiert in der Nordpolarregion Folgen des Klimawandels.

In Russland hat sie eines der eindrucksvollsten Bilder am Batagaika-Krater machen können. Seit den 1960er-Jahren tut sich hier ein immer grĂ¶ĂŸeres Loch im Boden auf. Thermokarst nennt sich das PhĂ€nomen, wenn im Untergrund Eis schmilzt, das Wasser abfließt und durch den Volumenverlust die Erde einbricht. Das setzt dann auch in tiefer liegenden Schichten Tau- und Zersetzungsprozesse in Gang, Zerstörungsprozesse verstĂ€rken sich selbst.

Am Batagaika-Krater hat das 2018 die vollstĂ€ndig erhaltene Eismumie eines Fohlens einer ausgestorbenen Wildpferdeart ans Licht gebracht. Wissenschaftler der UniversitĂ€t in Jakutsk schĂ€tzten ihr Alter auf 30.000 bis 40.000 Jahre. Ein GlĂŒcksfall fĂŒr die Wissenschaft, und in Sibirien leben manche GlĂŒcksritter inzwischen von dem illegalen Handel mit Mammuts, die vor 10.000 Jahren in einem gemĂ€ĂŸigten Nordsibirien unterwegs waren und jetzt vielerorts auftauchen.

"Zombie-Bakterien" aus dem ewigen Eis

Doch der riesige Eisschrank gibt auch weit gefĂ€hrlichere GrĂŒĂŸe aus der Vergangenheit frei. 2016 starben ein ZwölfjĂ€hriger und seine Großmutter an Milzbrand. Von "Zombie-Bakterien" war die Rede, denn als Auslöser gelten Rentiere, die vor fast 80 Jahren daran gestorben sind. 7.000 Kadaver sollen damals im eisigen Boden begraben worden sein.

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Junger Krater: Nach Abholzungen hatte sich in den 1960er-Jahren der Batagaika-Krater gebildet. Seither ist er durch das Schmelzen des Permaforstbodens auf knapp einen Kilometer LĂ€nge und 86 Meter Tiefe gewachsen und vergrĂ¶ĂŸert sich rapide weiter. Fotografin Katie Orlisnky gewann mit dem Bild zur Serie "The Carbon Threat" den dritten Platz der Kategorie Fotostory Umwelt beim World Press Photo Award.
Junger Krater: Nach Abholzungen hatte sich in den 1960er-Jahren der Batagaika-Krater gebildet. Seither ist er durch das Schmelzen des Permaforstbodens auf knapp einen Kilometer LĂ€nge und 86 Meter Tiefe gewachsen und vergrĂ¶ĂŸert sich rapide weiter. Fotografin Katie Orlisnky gewann mit dem Bild zur Serie "The Carbon Threat" den dritten Platz der Kategorie Fotostory Umwelt beim World Press Photo Award. (Quelle: Katie Orlinsky/National Geographic)

In Alaskas Tundra haben Forscher in MassengrĂ€bern das Virus der Spanischen Grippe von 1918 gefunden. Auch Pockenerreger könnten nicht nur in wenigen Hochsicherheitslaboren eingefroren sein. Französische Forscher haben zudem ein vor 30.000 Jahren eingefrorenes Virus gefunden, das im Labor wieder Amöben angreift. FĂŒr den Menschen ist dieses Virus ungefĂ€hrlich.

"Wir wissen nicht, was da im Eis liegt", erklĂ€rte Birgitta Evengard dem Sender NPR, Mikrobiologin der schwedischen UniversitĂ€t Umea, die ein Forschungsprojekt zu klimawandelbedingten Infektionen in der Arktis leitet. "Es ist die BĂŒchse der Pandora."

Und wÀhrend der CO2-Anteil in der AtmosphÀre bisher vor allem deshalb gestiegen ist, weil der Mensch den Kohlenstoff von vielen Jahrtausenden freisetzt, beginnt nun die Natur damit. In den obersten drei Metern Permafrostboden sind Tausend Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, weil dort in der kurzen Vegetationsperiode zwar Pflanzen wuchsen, aber kaum Zersetzung stattgefunden hat.

Große Mengen Methan und Kohlendioxid drohen freigesetzt zu werden

Doch wenn der Permafrost schwindet, fĂŒhrt das dazu, dass im Boden lebende Mikroorganismen die Tier- und Pflanzenreste zersetzen, die lange Zeit durch den Frost geschĂŒtzt waren. Ein folgenreicher Prozess: Es "ist zu befĂŒrchten, dass dabei große Mengen Kohlenstoff aus den eingelagerten Substanzen vorrangig in Form von Methan, aber auch als Kohlendioxid emittieren", schrieb etwa 2006 das Umweltbundesamt. Durch ErwĂ€rmung werden Klimagase frei, die zu einer weiteren ErwĂ€rmung fĂŒhren können.

Folge des Tauens im Permafrostboden: Thermokarst-Seen in der Tundra.
Folge des Tauens im Permafrostboden: Thermokarst-Seen in der Tundra. (Quelle: /imago-images-bilder)

Das Problem war weithin bekannt, die genauen Ausmaße sind es bis heute noch nicht. Methan wird offenbar doch nicht in dem Ausmaß freigesetzt wie zeitweise befĂŒrchtet, einen Teil des CO2-Ausstoßes könnte die zunehmende Vegetation aufnehmen. Aber auch die BrĂ€nde von Sibiriens WĂ€ldern nehmen zu.

2019 erklĂ€rte das UN-Umweltprogramm UNEP das Auftauen der Permafrostböden zu einer von fĂŒnf drohenden und bisher unterschĂ€tzten Umweltgefahren. Das Kapitel dazu hat der Moorkundler und PalĂ€oökologe Prof. Hans Joosten geschrieben. Er warnt auch vor der zusĂ€tzlich aufziehenden Gefahr gigantischer TorfbrĂ€nde in trockenen Moorböden: Wo Eis im Untergrund kein isolierendes Schild mehr bildet, kann Wasser wegsickern. Wo es sich dagegen staut, beschleunigen Feuchtgebiete und Seen TauvorgĂ€nge unter ihnen und wirken im Winter als Isolationsschicht. Der Boden darunter gefriert langsamer. Ein sich selbst verstĂ€rkender Prozess.

Wie umkippende Dominosteine

Das Auftauen der Permafrostböden gilt inzwischen als ein Kipppunkt fĂŒr das Klima. Entwicklungen, die andere Effekte nach sich ziehen, wie umfallende Dominosteine. "Mit dem Fortschritt der Wissenschaft mĂŒssen wir auch feststellen, dass wir die Risiken unumkehrbarer VerĂ€nderungen bislang womöglich unterschĂ€tzt haben, die zu einer sich selbst verstĂ€rkenden globalen ErwĂ€rmung fĂŒhren können", erklĂ€rte im vergangenen Jahr Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK), zu einer Studie zu den Kipppunkten. "Es könnte sehr schwierig oder sogar unmöglich sein, die ganze Reihe von Dominosteinen davon abzuhalten, umzukippen."

Auch Russlands PrĂ€sident Putin hatte in seiner Pressekonferenz appelliert: "Wir dĂŒrfen nicht untĂ€tig bleiben, wir mĂŒssen alles tun, was wir können, um den Klimawandel zu stoppen." Er könnte auch im eigenen Land anfangen: Russland steht zwar anders als die USA unter Trump zum Pariser Klimaabkommen, die Ziele sind aber bescheiden. Im Climate Change Performance Index mehrerer NGOs steht Russland, das fĂŒr sechs Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, mit "sehr niedrigen" Anstrengungen auf dem 52. von 61 PlĂ€tzen. Vielleicht ist der Dieselunfall ein neuer Weckruf.

*Wir hatten an dieser Stelle versehentlich von "PfeilgrĂŒndungen" geschrieben. Richtig ist PfahlgrĂŒndungen.

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