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Die verschwundenen Kinder und die "ReichsbĂŒrger"

  • Dietmar Seher
Von Dietmar Seher

Aktualisiert am 25.09.2019Lesedauer: 3 Min.
Landschaft in den polnischen Masuren: Ein Video von Dave M. soll in den masurischen WĂ€ldern entstanden sein. Doch auch die groteske Inszenierung fĂŒhrte Ermittler nicht auf die Spur des Verschwundenen.
Landschaft in den polnischen Masuren: Ein Video von Dave M. soll in den masurischen WĂ€ldern entstanden sein. Doch auch die groteske Inszenierung fĂŒhrte Ermittler nicht auf die Spur des Verschwundenen. (Quelle: imago-images-bilder)
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Die "ReichsbĂŒrger"-Szene verhilft Jugendlichen gezielt zur Flucht aus staatlicher Obhut. Davon gehen Ermittler aus. Ein 53-JĂ€hriger muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

Wo ist Dave? Polizei, StaatsanwĂ€lte und JugendĂ€mter fahnden seit einem Jahr nach dem Verbleib eines damals 17-jĂ€hrigen Jugendlichen. Er lebte bis zum Oktober 2018 in einer Jugendhilfeeinrichtung auf der Ostseeinsel RĂŒgen. Dann verschwand er – bis heute spurlos.

Politisch brisant: Dave M. ist bei seiner Flucht wahrscheinlich von Personen aus dem Umfeld der "ReichsbĂŒrger"-Szene gezielt unterstĂŒtzt und dann möglicherweise nach Osteuropa gebracht worden. Davon gehen StaatsanwĂ€lte in Chemnitz aus. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher, Frank E., sitzt in Sachsen in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess.

Kampf gegen angeblichen "Kinderklau"

Sogenannte "ReichsbĂŒrger" erkennen Existenz und AutoritĂ€t des deutschen Staates nicht an. Staatliches Handeln ist aus ihrer Sicht illegal und muss ignoriert oder notfalls abgewehrt werden. VerfassungsschĂŒtzer beobachten die Szene und schĂ€tzen sie auf rund 19.000 Personen, knapp 1.000 von ihnen rechtsextrem. Einige sind Schusswaffen-affin. Eine Gruppe bedrohte zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier.

Seit einiger Zeit gehen Aktivisten der Szene gegen die Inobhutnahme von Kindern durch den Staat vor, belĂ€stigen, verleumden und bedrohen Mitarbeiter. Die UnterstĂŒtzung von Flucht aus Jugendhilfeeinrichtungen könnte dabei eine neue, verschĂ€rfte Gangart bedeuten. Denn staatliche JugendĂ€mter, die zuletzt jĂ€hrlich bis zu 40.000 vernachlĂ€ssigte Jugendliche aus instabilen Familien herausholten, sind aus ihrer Sicht eine "Kinderklau-Mafia".

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"Wissen nicht, wo der Junge ist"

FĂŒr die "ReichsbĂŒrger"-Szene ist dieses Thema inzwischen ein zentraler Diskussionsstoff. Die angeblichen "Kindersklaven" mĂŒssten aus den "KinderknĂ€sten" befreit werden. Auf einem Szene-Seminar in der Schweiz behauptete ein Referent laut Recherchen von Correctiv und des ZDF, deutsche Behörden nĂ€hmen Kinder in Obhut, um sie gleichgeschlechtlichen Paaren zur Pflege zu geben oder mit ihnen Rituale zu veranstalten.

Wo sich Dave derzeit aufhĂ€lt, bleibt auch ein Jahr nach seinem Verschwinden völlig offen. "Wir wissen nicht, wo der Junge ist", sagte die Chemnitzer OberstaatsanwĂ€ltin Ingrid Burghart zu t-online.de. Es gebe Hinweise, er könne in Polen, in Tschechien oder auch in der Ukraine sein. Die Aktivisten begleiten ihre Aktionen mit zahlreichen Internetvideos. In einem offensichtlich inszenierten Video tritt der 17-JĂ€hrige nach seiner Flucht mit seinem leiblichen Vater auf – ein Treffen angeblich in den masurischen WĂ€ldern.

Auch MĂ€dchen geriet in die FĂ€nge

Mit dem Ingenieur Frank E. sitzt seit Februar der mutmaßliche HaupttĂ€ter in U-Haft. Die Chemnitzer AnklĂ€ger werfen dem 53-JĂ€hrigen vor, verantwortlich fĂŒr das Verschwinden von Dave M. zu sein – und ein entscheidender Drahtzieher in der Szene. Sie haben den Mann der zweifachen Kindesentziehung angeklagt. Der Prozess beginnt am 4. November. Über den Aufenthaltsort von Dave, den er laut Anklage ĂŒber bislang unbekannte tschechische MittelsmĂ€nner ins Ausland geschleust hat, will E. nichts wissen.

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Er wird sich in diesem Prozess auch fĂŒr die Entziehung eines heute 18-jĂ€hrigen MĂ€dchens aus Bocholt verantworten mĂŒssen. Das MĂ€dchen hat nach einigen Wochen der Flucht durch Schrebergarten-Verstecke in LĂŒbbecke und Bremen seine Mutter kontaktieren und sich aus dem Einflussbereich der Aktivisten lösen können.

Haft- und Geldstrafen bereits 2017

FĂŒr Dave ist der Kontakt mit der Szene nicht neu. Der 17-JĂ€hrige wurde schon einmal als ZwölfjĂ€hriger aus einem Heim im niedersĂ€chsischen Friedeburg "befreit". Die TĂ€ter wurden 2017 zu Haft- beziehungsweise Geldstrafen verurteilt. Beim Prozess marschierten laut einem Bericht des "Ostfriesischen Kuriers" zahlreiche Demonstranten "mit NĂ€he zur Szene der ReichsbĂŒrger und Verschwörungstheoretiker" auf.

Die NĂ€he zu den "ReichsbĂŒrgern" vermutet die Staatsanwaltschaft in Chemnitz auch beim derzeitigen UntersuchungshĂ€ftling. Hinter E., der einen nach eigenen Angaben den "Lichtblick – Verein fĂŒr Soziale Verantwortung" fĂŒhrt, scheint eine grĂ¶ĂŸere Personengruppe zu stecken. Die habe E. mit Dave nach der vorgeworfenen Kindesentziehung aufgesucht. Das geht aus Internettexten seiner Freunde hervor und aus einem Video, auf dem Dave M. beteuert, er sei freiwillig mitgegangen. Er danke "den ganzen Leuten, die mir geholfen haben".


Ob und wie der Jugendliche möglicherweise unter Druck gesetzt wird, ist offen. Internettexte deuten darauf hin, dass ihm gesagt wurde, bei einer RĂŒckkehr in deutsche Jugendhilfeeinrichtungen drohten ihm Organentnahmen. Der Angeklagte Frank E. kann bei einem Schuldspruch wegen Kindesentziehung mit Geldstrafe oder Haft bis zu fĂŒnf Jahren bestraft werden. Ein Gutachter hat ihm allerdings eine eingeschrĂ€nkte SchuldfĂ€higkeit attestiert.

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