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Urteil im Stromschlag-Prozess: Falscher Arzt muss elf Jahre ins Gefängnis

Urteil im Stromschlag-Prozess  

"Als würde mein Gehirn brennen"

20.01.2020, 15:33 Uhr | dpa, sth

Urteil im Stromschlag-Prozess: Falscher Arzt muss elf Jahre ins Gefängnis. Lebensgefährliche Stromschläge: Diese Apparatur sollten die Patientinnen im Auftrag eines falschen Arztes an sich selbst einsetzen. (Quelle: dpa/Polizeipräsidium Oberbayern Nord)

Lebensgefährliche Stromschläge: Diese Apparatur sollten die Patientinnen im Auftrag eines falschen Arztes an sich selbst einsetzen. (Quelle: Polizeipräsidium Oberbayern Nord/dpa)

Das Landgericht München II hat am Montag einen falschen Arzt zu elf Jahren Haft verurteilt. Der 30 Jahre alte Mann soll Dutzende junge Frauen und Mädchen zu lebensbedrohlichen Stromschlägen genötigt haben.

Das Landgericht München II hat am Montag einen Angeklagten wegen versuchten Mordes in 13 Fällen zu elf Jahren Haft verurteilt. Damit geht einer der spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahre zu Ende: Dabei steht ein falscher Arzt vor Gericht, der jahrelang Mädchen und jungen Frauen gefährliche Stromschläge verordnet hat. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Informatiker aus Würzburg als falscher Arzt ausgegeben und junge Frauen per Internetchat dazu gebracht hat, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen. Außerdem wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verhängt. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Angeklagt ist er wegen 88-fachen versuchten Mordes

Der Informatiker aus Würzburg hat eingeräumt, sich als falscher Arzt ausgegeben und Frauen per Skype dazu gebracht zu haben, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen. Die Beweislast war erdrückend: Weil er das Ganze aufzeichnete, gibt es Dutzende Videodokumente. Angeklagt ist er wegen 88-fachen versuchten Mordes.

Falscher Arzt vor Gericht: Ein 30-jähriger Informatiker aus Würzburg steht wegen versuchten Mordes an Frauen und Mädchen vor Gericht. (Archivbild) (Quelle: dpa/Sven Hoppe)Falscher Arzt vor Gericht: Ein 30-jähriger Informatiker aus Würzburg steht wegen versuchten Mordes an Frauen und Mädchen vor Gericht. (Archivbild) (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

Der 30-Jährige hat jahrelang behauptet, wissenschaftliche Studien zur Schmerztherapie durchzuführen. Per Videochat-Programm Skype brachte er seine Opfer dazu, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzuführen. Sie bauten Apparate mit Löffeln oder ließen sich für die Stromschläge an einem Stuhl festbinden. Sein jüngstes Opfer war laut Anklage erst 13 Jahre alt.

Er soll dafür jeweils Geld geboten haben – mal 200, mal 450 Euro, sogar 1.500 oder 3.000 Euro. In manchen Fällen sollen sogar die Eltern der Mädchen bei den angeblichen wissenschaftlichen Versuchen geholfen haben. Ein Vater, so heißt es in der Anklage, versetzte seiner Tochter demnach mehrfach Stromschläge mit einem Elektroschockgerät.

Angeklagter nennt es "einen moralischen Fehler"

Während des Prozesses waren schockierende Ausschnitte aus dem Videochat des Angeklagten mit seinen Opfern zu sehen. Eine junge Frau hielt sich dabei zwei unter Strom stehende Löffel an die Schläfen, bevor direkt danach der Strom ausfiel und der Chat unterbrochen wurde. Vor Gericht konnte sie nicht erklären, warum sie dies mitmachte. Aber sie konnte sagen, was sie dabei empfand: "Es hat sich angefühlt, als würde mein Gehirn brennen."

Schon zu Beginn des Prozesses entschuldigte sich der Angeklagte bei einem seiner Opfer: "Ich wollte nur mal sagen, dass das ein moralischer Fehler war und schlecht war."

Staatsanwaltschaft fordert 14 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hat eine Verurteilung wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Titelmissbrauchs und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches gefordert. Sie geht davon aus, dass es ihn sexuell erregte, wenn Frauen durch Strom Schmerzen erlitten. 

Die Verteidigung legt dagegen eine psychische Erkrankung des Angeklagten – das Asperger-Syndrom – nahe und plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Titelmissbrauchs und wegen der Erstellung von Bildaufnahmen. Sein Anwalt forderte außerdem, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zur Bewährung auszusetzen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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