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Missbrauch made in Germany

Von afp, ann, joh

Aktualisiert am 03.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Polizistin im Netz auf Streife (Symbolbild): 400.000 Nutzer hatte die Plattform "Boystown", riesige Datenmengen konnten die Ermittler sicherstellen.
Polizistin im Netz auf Streife (Symbolbild): 400.000 Nutzer hatte die Plattform "Boystown", riesige Datenmengen konnten die Ermittler sicherstellen. (Quelle: Arne Dedert/dpa-bilder)
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Ermittler haben eines der weltweit grĂ¶ĂŸten Online-Netzwerke fĂŒr Kindesmissbrauch gesprengt. Die mutmaßlichen Köpfe dahinter sind drei Deutsche. Jetzt beginnt ein Rennen gegen die Zeit – um so viele Kinder zu retten wie möglich.

Nachdem Ermittler mit drei Deutschen die Köpfe hinter einem der weltweit grĂ¶ĂŸten Kinderpornografie-Netzwerke festgenommen haben, beginnt fĂŒr sie jetzt ein Rennen gegen die Zeit. "Unser Fokus ist klar: Jetzt gilt es, zuerst die Opfer zu retten", sagte Kriminaldirektor Hans-Joachim Leon im GesprĂ€ch mit t-online. Leon leitet die Gruppe "Gewalt- und Sexualdelikte" beim Bundeskriminalamt.

400.000 Nutzer hatte die Darknetplattform "Boystown" zuletzt. Getauscht wurden dort nicht bloß Kinderpornografie und Darstellungen von Missbrauch und Gewalt, vor allem an minderjĂ€hrigen Jungen. "Es gab Austausch unter Gleichgesinnten, man hat Erfahrungen geteilt, wie man kleine Jungs anspricht, wie man Missbrauchshandlungen durchfĂŒhren kann, ohne Spuren zu hinterlassen", sagt Leon. Der Missbrauch auf der Plattform sei "ohne Grenzen" gewesen. "Hersteller, Konsumenten, aktuelle Missbraucher – auf dieser Plattform hatten wir alles."

Deutsche sollen Schöpfer des Netzwerks sein

Drei Deutsche stehen im Verdacht, Schöpfer des Netzwerks zu sein, das sich seit 2019 zu einer der weltweit grĂ¶ĂŸten Plattformen fĂŒr Kinderpornografie entwickelt hat. Sie wurden festgenommen und sitzen nun in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, die gesamte Architektur der Homepage aufgebaut und die Regeln auf der Plattform festgelegt zu haben.

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Zusammen mit Nutzern aus anderen LĂ€ndern sollen sie die Seite auch gesteuert haben. Zudem erhielten die Mitglieder der Plattform von ihnen Sicherheitshinweise fĂŒr das sichere Surfen auf "Boystown", um das Entdeckungsrisiko durch die Strafverfolgungsbehörden zu minimieren.

Viele Kinder könnten noch in der Gewalt von PÀdosexuellen sein

Nun aber haben die Ermittler "zig Terabyte" an Fotos und Videos von Missbrauchs- und Gewaltdarstellungen sichergestellt. "Das ist ein unfassbares Datenvolumen." Die Dateien werden jetzt untersucht und so schnell wie möglich analysiert. Der Fokus liege dabei auf neuem Material, sagt Leon, denn: "Wir haben viele Infos sammeln können, die auf schwere sexuelle Missbrauche hindeuten, die möglicherweise noch laufen."

Man arbeite mit internationalen Partnern zusammen, um anhand der Aufnahmen zu entschlĂŒsseln, wo die Kinder herkommen. "Zuerst das Opfer retten, dann den TĂ€ter zur Rechenschaft ziehen", erklĂ€rt Leon die Strategie.

Hauptbeschuldigte sind zwischen 40 und 58 Jahre alt

Mehr bekannt ist ĂŒber die mutmaßlichen TĂ€ter: Bei den drei Hauptbeschuldigten handelt es sich um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Paderborn, einen 49 Jahre alten Mann aus dem Landkreis MĂŒnchen und einen 58 Jahre alten, aus Norddeutschland stammenden Mann, der seit mehreren Jahren in Paraguay lebt. Das teilte das Bundeskriminalamt in einer PresseerklĂ€rung mit.

Zudem wird ein 64-JĂ€hriger aus Hamburg beschuldigt, sich im Juli 2019 als Mitglied registriert zu haben und – als einer der aktivsten Nutzer der Plattform – ĂŒber 3.500 BeitrĂ€ge gepostet zu haben.

Beschuldigte seit Mitte April in Untersuchungshaft

Die Beschuldigten wurden nach den Durchsuchungen ihrer Wohnungen festgenommen und befinden sich seit dem 14. beziehungsweise 15. April in Untersuchungshaft. FĂŒr den Beschuldigten in Paraguay lag ein internationaler Haftbefehl vor, auf dessen Grundlage er nach seiner Festnahme nun ausgeliefert werden soll. Insgesamt seien sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg durchsucht worden.

Ermittler haben die Plattform bereits seit 2019 im Blick. Doch die Nutzer agieren im Darknet ohne Klarnamen, ihre wahre IdentitĂ€t und Wohnorte festzustellen, ist so extrem schwer. Über HintergrĂŒnde zu den Ermittlungen und den Beschuldigten will Leon derzeit wegen der laufenden Ermittlungen nicht eingehen. "Irgendwann gelingt es einem vielleicht, eine kleine TĂŒr aufzustoßen, durch die man dann hindurchgehen kann", sagt er nur.

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