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Behörden räumen nach Schulmassaker schwere Fehler ein

Von t-online, dpa
Aktualisiert am 28.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Beamte w√§hrend einer Presseerkl√§rung: Die Einsatzkr√§fte vor Ort seien davon ausgegangen, dass der Sch√ľtze nicht mehr schie√üe.
Beamte w√§hrend einer Presseerkl√§rung: Die Einsatzkr√§fte vor Ort seien davon ausgegangen, dass der Sch√ľtze nicht mehr schie√üe. (Quelle: Briana Sanchez/American-Statesman/USA Today Network/Reuters-bilder)
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Zahlreiche Polizisten standen im Schulflur, doch st√ľrmten das Klassenzimmer in Uvalde nicht ‚Äď eine falsche Entscheidung, sagen nun die texanischen Beh√∂rden. Wie viele Kinder h√§tten gerettet werden k√∂nnen?

Nach dem verheerenden Schulmassaker mit 19 get√∂teten Kindern und zwei get√∂teten Lehrerinnen im US-Bundesstaat Texas hat die zust√§ndige Sicherheitsbeh√∂rde schwere Fehler bei dem Einsatz einger√§umt. Aus Aussagen des Direktors der Beh√∂rde f√ľr √∂ffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, ergibt sich, dass trotz der Pr√§senz von 19 Beamten vor dem Klassenraum mehr als 45 Minuten lang keine Versuche unternommen worden sind, in den Raum einzudringen und den Sch√ľtzen zu stoppen. "Es war die falsche Entscheidung. Punkt", sagte McCraw am Freitag in Uvalde. "Daf√ľr gibt es keine Entschuldigung."

Steven McCraw in Uvalde: "Es war die falsche Entscheidung. Punkt."
Steven McCraw in Uvalde: "Es war die falsche Entscheidung. Punkt." (Quelle: Marco Bello/Reuters-bilder)

Berichten der "New York Times" zufolge sollen erst zwei Monate vor der Tat Trainings f√ľr die Polizisten stattgefunden haben, wie sie sich im Falle eines solchen Angriffs zu verhalten haben. "Die oberste Priorit√§t der Polizisten ist es, einzugreifen und den Angreifer zu stoppen", hie√ü es in einer entsprechenden Anleitung. Doch trotz der Hilferufe sei dies nicht geschehen.

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Die Polizei war wegen ihres Vorgehens w√§hrend des Massakers zunehmend in die Kritik geraten. Eltern werfen den Einsatzkr√§ften vor, zu lange unt√§tig gewesen zu sein und nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben. Bei einer emotionalen Pressekonferenz gab Beh√∂rdenchef McCraw am Freitag weitere grausige Details zur Tat bekannt. Er gab etwa an, dass mehrere Polizeinotrufe aus jenem Klassenraum abgesetzt worden seien, in dem sich der Amokl√§ufer mit Kindern und Lehrern verschanzt hatte. McCraw geriet deutlich unter Druck ‚Äď er hatte zeitweise Tr√§nen in den Augen.

Um kurz nach 12 Uhr waren 19 Polizisten im Flur

Der Sch√ľtze hatte an einer Grundschule in Uvalde am Dienstag das Blutbad angerichtet. Das Massaker ereignete sich in einem Klassenraum der Schule. Beh√∂rdenchef McCraw berichtete nun, dass der Sch√ľtze etwa um 11.33 Uhr die Schule und schlie√ülich den Klassenraum betrat, in dem er seine Opfer t√∂tete. Bereits um kurz nach 12.00 Uhr seien 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert gewesen, h√§tten aber keine Versuche unternommen, in den Raum einzudringen und den Sch√ľtzen zu stoppen, sagte McCraw.

Stattdessen sei in jenem Moment die Entscheidung getroffen worden, auf Spezialkr√§fte zu warten. Die Einsatzkr√§fte vor Ort seien davon ausgegangen, dass der Sch√ľtze nicht mehr schie√üe, sondern sich lediglich verbarrikadiert habe. Dies habe sich im Nachhinein als Fehleinsch√§tzung erwiesen. Erst um 12.50 Uhr √∂ffneten Spezialkr√§fte die T√ľr zum Klassenraum mit einem Schl√ľssel, wie McCraw weiter schilderte. Diesen Schl√ľssel h√§tten sich die Einsatzkr√§fte vom Hausmeister besorgt.

Blumen und Luftballons vor der Robb Elementary School in Uvalde: Der Sch√ľtze t√∂tete hier 19 Kinder und zwei Lehrerinnen.
Blumen und Luftballons vor der Robb Elementary School in Uvalde: Der Sch√ľtze t√∂tete hier 19 Kinder und zwei Lehrerinnen. (Quelle: -/kyodo/dpa-bilder)

Auf die Frage, wie viele Kinder während der Wartezeit erschossen worden seien und andernfalls womöglich hätten gerettet werden können, sagte er, dies werde noch untersucht. "Wir sind nicht hier, um zu verteidigen, was passiert ist", sagte er. "Wir sind hier, um die Fakten darzulegen."

Kind bittet, "jetzt die Polizei zu schicken"

Mehrere Kinder h√§tten au√üerdem aus dem Klassenraum noch die Polizei angerufen, sagte der Beh√∂rdenchef. Der erste Anruf sei um kurz nach 12 Uhr Ortszeit eingegangen. Etwa 40 Minuten sp√§ter habe ein Kind bei einem Anruf gebeten, "bitte jetzt die Polizei zu schicken". Eine Sch√ľlerin habe mehrfach den Polizeinotruf gew√§hlt, mit fl√ľsternder Stimme von mehreren Toten berichtet, sagte McCraw. In einem Anruf um 12.16 Uhr Ortszeit habe sie gesagt, acht bis neun Sch√ľler seien noch am Leben.

Nach einem Bericht des US-Senders NBC h√§tten die Beamten der Grenzpolizei, die den T√§ter schlie√ülich erschossen haben, aus Eigeninitiative gehandelt. Sie seien frustriert √ľber das Z√∂gern der lokalen Polizei gewesen.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte am Mittwoch mit der Aussage Aufsehen erregt, dass alles h√§tte noch viel schlimmer kommen k√∂nnen. "Der Grund, warum es nicht schlimmer war, ist, dass die Strafverfolgungsbeh√∂rden taten, was sie taten", sagte er etwa. Abbott hatte au√üerdem angegeben, dass der Sch√ľtze die Tat auf Facebook angek√ľndigt habe. Diese Aussage korrigierte Beh√∂rdenchef McCraw nun: Stattdessen habe der 18-J√§hrige private Nachrichten √ľber einen Messenger-Dienst abgesetzt. Bereits zuvor hatten die Beh√∂rden mehrfach Angaben zum Tatablauf korrigiert.

Abbot beschuldigt Polizei f√ľr falsche Informationen

Abbot machte am Freitag die Polizeibeh√∂rden f√ľr seine Aussagen verantwortlich; "Ich wurde in die Irre gef√ľhrt", sagte Greg Abbott am Freitag in einer Pressekonferenz in der Kleinstadt Uvalde. Er habe der √Ėffentlichkeit die Informationen weitergeben, die ihm nach dem Blutbad in der Grundschule geschildert worden seien. "Die Informationen, die mir gegeben wurden, erwiesen sich zum Teil als ungenau, und ich bin absolut w√ľtend dar√ľber."

Waffenlobby hält Tagung ab

Das Schulmassaker fachte die Debatte √ľber sch√§rfere Waffengesetze in den USA erneut an. Am Freitag sollte der fr√ľhere US-Pr√§sident Donald Trump in Houston (Texas) bei der Jahrestagung der m√§chtigen Waffenlobby NRA auftreten. Der Republikaner ist vehement gegen eine Versch√§rfung der Waffengesetze. Trumps Teilnahme an der Veranstaltung stand bereits seit einiger Zeit fest. Er best√§tigte sein Kommen nun noch einmal. "Amerika braucht in diesem Moment echte L√∂sungen und echte F√ľhrung, nicht Politiker und Parteilichkeit", schrieb er vorab auf der von ihm mitbegr√ľndeten Social-Media-Plattform Truth Social. Lesen Sie hier mehr dazu.

Die Mutter des 18 Jahre alten Amokläufers bat unterdessen um Vergebung. "Ich habe keine Worte, ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat", sagte Adriana Martinéz am Freitag auf Spanisch dem Sender Televisa nach einer Übersetzung des Partnersenders CNN. "Vergeben Sie mir, vergeben Sie meinem Sohn." Der Amokläufer lebte nach Angaben der Behörden bei seinen Großeltern. Über sein Motiv ist weiterhin nichts bekannt.

Korrektur: In einer vorigen Version des Artikels war davon die Rede, dass der Angreifer bereits vor vier Jahren verhaftet worden sein soll, weil er mit Sch√ľssen in einer Schule gedroht habe. Dies hatte der texanische Abgeordnete Tony Gonzales behauptet. Jedoch soll es sich laut der Polizei in Uvalde bei dem damaligen Vorfall nicht um Salvador R. gehandelt haben. Wir haben diese Stelle deshalb korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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