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Burkini-Verbot in Frankreich: Einspruch, Herr Sarkozy!


Warum wir uns ΓΌber Burkinis freuen sollten

Ein Kommentar von Christian Kreutzer, t-online.de

Aktualisiert am 25.08.2016Lesedauer: 2 Min.
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Bikini neben Burkini: Szene an einem Strand im muslimischen Tunesien.Vergrâßern des Bildes
Bikini neben Burkini: Szene an einem Strand im muslimischen Tunesien. (Quelle: AFP-bilder)

Die Bilder gehen um die Welt: Vier Polizisten umringen stehend eine Frau, die am Strand hockt. Sie trΓ€gt KleidungsstΓΌcke, die dem Burkini Γ€hneln, dem muslimischen Badegewand. Vor allen anderen, vor Handykameras und neugierigen Blicken,.

Das schreibt eine neue Verordnung über "passende Strandbekleidung" vor. Sie ist falsch und ungerecht. Mit solchen Verboten schießt sich der Westen selbst ins Knie - weil er den Burkini falsch deutet.

Es ist verstΓ€ndlich, dass Nizza, ja ganz Frankreich, nach dem grauenvollen Terroranschlag vom 14. Juli buchstΓ€blich nicht mehr richtig tickt. Es ist auch verstΓ€ndlich, dass man fΓΌr die 84 Toten jemanden bestrafen will: Der TΓ€ter ist ja tot, doch Wut und Entsetzen sind noch da.

Eben kein Zeichen von Konservatismus

Und: Es ist verstÀndlich, dass man Symbole des konservativen Islam, wie die traditionell-muslimische Frauenbekleidung, die ja eben auch Symbole der TÀter sind, nicht gerade überschwÀnglich begrüßt.

An dieser Stelle sollte aber die aufgeklΓ€rte Vernunft wieder einsetzen. Muslimische Kleidervorschriften als bewusste Provokation einer ohnehin schon provozierten Gesellschaft umzudeuten, wie Nicolas Sarkozy es tut, ist Unsinn.

Was viele nicht sehen und was das Verbot besonders tragisch macht: Der Burkini ist fΓΌr die TrΓ€gerinnen nicht ein Symbol des Konservatismus, sondern der Emanzipation. Die, die sich einen Burkini kaufen, um damit am Strand zu liegen, sind keine Frauen, die vorher Bikini trugen und nun aus Bosheit den Burkini ΓΌberziehen.

Interessiert das ΓΌberhaupt jemanden?

Es sind vielmehr Frauen aus einem konservativen Umfeld, die sonst ΓΌberhaupt nicht zum Baden an den Strand gegangen wΓ€ren. Es sind die, die sagen: Ich lasse mir das Schwimmen nicht verbieten und es ist mir auch egal, dass die anderen Badenden halb nackt sind (ein Anblick, der fΓΌr streng-konservative Muslime verboten ist).

Diese Frauen sind in Wahrheit vergleichbar mit den deutschen Frauen, die in Hosen herumliefen, als das noch als unschicklich galt. Sie sind die, die vorangehen in ihre eigene Moderne. Sie sind eine Chance fΓΌr uns alle, keine Gefahr.

Die verstΓ€ndliche Wut auf den AttentΓ€ter von Nizza an Frauen auszulassen, die ihren Weg aus dem konservativen GefΓ€ngnis suchen, ist aus der Verwirrung einer schwer verstΓΆrten Nation geboren. Doch sie trifft genau die Falschen – und gibt ganz nebenbei den Extremisten weitere Munition.

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