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Klimawandel, na und? Das Gesch├Ąft mit dem Weltraum-Tourismus

Von dpa
04.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Es ist ein Urlaub f├╝r besonders Abenteuerlustige mit schwerem Geldbeutel: der All-Tourismus.
Es ist ein Urlaub f├╝r besonders Abenteuerlustige mit schwerem Geldbeutel: der All-Tourismus. (Quelle: Pavel Kassin/Roscosmos Space Agency/AP/dpa./dpa)
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Moskau/New York (dpa) ÔÇô Wer als Urlauber schon immer mal in die Geschichtsb├╝cher eingehen wollte, h├Ątte dazu wohl im n├Ąchsten oder ├╝bern├Ąchsten Jahr Gelegenheit.

Zu buchen gibt es einen Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) samt Spaziergang im Weltall. "Das hat noch nie eine Privatperson zuvor gemacht", sagt Tom Shelley. Als Chef des auf Weltraum-Tourismus spezialisieren US-Unternehmens Space Adventures verkauft er den Trip gemeinsam mit Russland.

Der Ausflug ist nur etwas f├╝r Schwerreiche. "Der Preis ist doch sehr hoch, deshalb gibt es nicht sehr viele, die sich das leisten k├Ânnen", r├Ąumt Shelley in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Moskau ein. Ein Flug zur ISS mit der russischen Raumfahrtbeh├Ârde Roskosmos kostet nach seinen Angaben umgerechnet bis zu 50 Millionen Euro. Die f├╝r 2023 oder 2024 geplante Tour mit dem Weltraumspaziergang d├╝rfte noch teurer werden.

Milliard├Ąre im All

Der Weltraum-Tourismus hat 2021 viel Aufmerksamkeit erlebt - auch wegen des Wettrennens zweier Milliard├Ąre. Im Sommer testeten erst der britische Milliard├Ąr Richard Branson und kurz darauf Amazon-Gr├╝nder Jeff Bezos ihre Raketen. Bezos schickte in den Monaten darauf noch zwei weitere Fl├╝ge mit insgesamt zehn Passagieren in den Weltraum - darunter der Schauspieler William Shatner, bekannt als Captain Kirk aus "Raumschiff Enterprise".

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F├╝r 2022 hat Bezos weitere Kurz-Trips ins All angek├╝ndigt, die Nachfrage nach Tickets sei sehr hoch. Auch Branson will Fl├╝ge anbieten.

Mit Elon Musk schickte noch ein weiterer Milliard├Ąr mit eigener Raumfahrtfirma 2021 Touristen ins All. Seine vier Passagiere - keiner von ihnen ausgebildeter Astronaut - verbrachten mehrere Tage im All und umkreisten an Bord eines "Crew Dragon" etliche Male die Erde.

2022 will das Unternehmen Axiom Space in einer ersten solchen Kooperation mit der US-Raumfahrtbeh├Ârde Nasa Touristen zur ISS bringen. Roskosmos flog gerade erst den japanischen Milliard├Ąr Yusaku Maezawa und seinen Assistenten Yozo Hirano zur ISS.

Noch nicht massentauglich

Der Weltraum-Tourismus hat deutlich angezogen, von einem Boom kann aber noch keine Rede sein - daf├╝r sind nicht nur die Preise viel zu hoch, sondern auch die Raumschiffe und die ISS schlicht zu klein. Seit 2001 haben es gerade einmal neun Privatleute zur ISS geschafft. Nachdem die US-Raumfahrtbeh├Ârde Nasa ihre bemannten Fl├╝ge zur ISS eingestellt hatte, flogen von 2011 bis 2020 nur noch russische Sojus-Raketen. Seit anderthalb Jahren sind private Raumschiffe im Auftrag der Nasa unterwegs ÔÇô damit kann der Tourismus wieder angekurbelt werden.

Russland wiederum hat seine Raumschiffe so umgebaut, dass sie von nur noch einem ausgebildeten Kosmonauten gesteuert werden k├Ânnen. Damit haben nun zwei Touristen Platz in der Sojus. Im Herbst testete Russland zudem ein extrakurzes Trainingsprogramm f├╝r Touristen. Dennoch m├╝ssen die Reisenden viel Zeit mitbringen: F├╝r Ausbildung und Flug m├╝sse man drei bis vier Monate veranschlagen, sagt Shelley. "Viele haben Verpflichtungen im Leben, da ist es schwierig, einen freien Zeitraum zu finden."

Die andere Sache ist die Gesundheit. "Wir haben im Laufe der Jahre daran gearbeitet, die Anforderungen f├╝r Privatpersonen zu senken", sagt der Chef von Space Adventures. "Man muss nicht perfekt sein. Es ist in Ordnung, ein paar kleine gesundheitliche Probleme zu haben. Solange wir die Risiken kennen, k├Ânnen wir sie managen." Bislang gibt es kaum Erfahrungswerte, wie zum Beispiel der K├Ârper ├Ąlterer Menschen mit der Schwerelosigkeit zurechtkommt - f├╝r Fl├╝ge etwa zum Mars k├Ânnten solche Daten durchaus interessant werden.

Verheerende Klimabilanz

Von vielen Seiten kommt scharfe Kritik am Weltraum-Tourismus, etwa von Umweltsch├╝tzern, Politikern und Prominenten: Es sei ein Gesch├Ąft von Reichen und f├╝r Reiche, das weitgehend ohne wissenschaftliche, dem Wohl der Menschheit dienende Forschungsinteressen und ohne R├╝cksicht auf das Klima vorangetrieben werde, hei├čt es. Bei den Raketenstarts werden Unmengen an Treibstoff ben├Âtigt, auch der Material- und Logistikbedarf ist immens, die Pro-Kopf-Klima-Bilanz f├╝r All-Touristen entsprechend verheerend.

Bei Astronauten und Kosmonauten nationaler Raumfahrtbeh├Ârden kam Kritik auf, weil sich Weltraum-Touristen gerne mal als Astronaut bezeichnen, selbst wenn sie nur einige Minuten staunend im All verbrachten. Die US-Luftfahrtbeh├Ârde FAA beendete aufgrund der Zunahme der Zahl an Weltraum-Touristen zum Jahresende ein Programm, bei dem jeder, der im All war, eine begehrte Fl├╝gel-Brosche bekam. "Das 2004 ins Leben gerufene Astronauten-Fl├╝gel-Programm hat seinen urspr├╝nglichen Zweck erf├╝llt, dieser Herausforderung mehr Aufmerksamkeit zu bringen", sagt FAA-Chef Wayne Monteith. Anstelle dessen w├╝rden ins All geflogene Menschen nun nur noch im Internet aufgelistet.

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