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Spott über G7-Empfang von Markus Söder: Das Gemecker war überheblich


Das miese Gemecker über Dirndl und Tracht

Ein Kommentar von Christof Paulus

Aktualisiert am 30.06.2022Lesedauer: 3 Min.
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Markus Söder (rechts) begrüßt US-Präsident Joe Biden vorm G7-Gipfel in München (Archivbild): Weil einige den traditionellen Empfang kritisiert haben, schimpfte Söder nun los.
Markus Söder (rechts) begrüßt US-Präsident Joe Biden vorm G7-Gipfel in München (Archivbild): Weil einige den traditionellen Empfang kritisiert haben, schimpfte Söder nun los. (Quelle: Sammy Minkoff/imago-images-bilder)
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Markus Söder verteidigt sich und Bayern gegen hämische Kommentare nach dem G7-Empfang in Tracht. Völlig zu Recht: Das Gemecker war überheblich – und ein Eigentor.

"Tief provinziell und kleinkariert" hat Markus Söder die Kritiker am Empfang vor dem G7-Gipfel in Bayern genannt. Die hatten sich ernsthaft daran gestört, dass Staatsgäste in München von Menschen in Dirndl oder Lederhose empfangen wurden. Aber wäre das wirklich so schlimm, hätte man es ja verhindern können.

Für die Bundesregierung wäre das kein Problem gewesen. Doch auch Olaf Scholz wird wissen: Ein Bayer im Lodenjanker, das macht etwas her. Darum ließ er den Empfang auch genau so zu – und sich schlauerweise nicht auf das abfällige Gemecker über bayerisches Brauchtum ein.

Joe Biden, Emmanuel Macron, Mario Draghi – sie alle waren in den vergangenen Tagen schließlich Gäste der Bundesrepublik Deutschland, nicht des Freistaates Bayern. Markus Söder als Grüßaugust, Gebirgsschützen in Tracht, Marschmusik aus den Blechen einer Blaskapelle: Hätte SPD-Bundeskanzler Scholz all das nicht gewollt, hätte es das nicht gegeben. Dabei nahm er offenbar sogar in Kauf, dass Oppositionspolitiker Söder sich als Landesvater inszenieren konnte.

Empfang in Lederhosen am Münchner Flughafen war alternativos

Die Vorwürfe über den Empfang laufen ohnehin alle ins Leere. Es gehöre sich nicht, den US-Präsidenten in Trachtenjacke zu empfangen, polterten einige, offenbar völlig ohne Ahnung von bayerischen Gepflogenheiten: Tracht zieht man im Freistaat zu festlichen Anlässen nun einmal gerne an, ein Sakko wäre sicher nicht schicker gewesen.

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Oder: Der Empfang vermittle ein falsches Bild Deutschlands an die Welt, sei zu klischeebehaftet gewesen. Da stellt sich die Frage: Welcher Auftritt, der niemals mehr als Deutschland im Miniaturformat zeigen kann, hätte Klischees denn vermeiden sollen? Ein Empfangskomitee aus Beamten in Anzug oder Rock, ganz spießig? Oder militärische Ehren, freilich ohne Pickelhaube zumindest? Oder Personen aus ganz Deutschland in verschiedenen traditionellen Outfits – also eben zig Klischees statt nur eines?

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Tracht gehört zu Bayern und damit auch zu Deutschland

Klar, Deutschland ist weit mehr als bierselige Alpenländler, die ungewöhnliche Landhauskleidung tragen. In Bayern selbst ist das übrigens nicht anders – die Trachtler gehören aber eben auch dazu. Wer über den Empfang motzt, darf also erst zufrieden sein, wenn beim nächsten Mal auch die Punker aus Berlin – und Sylt –, die Anzugträger aus dem Frankfurter Bankenviertel oder die Fließbandarbeiter vom Wolfsburger VW-Werk die Präsidenten, Premierminister und Ministerpräsidenten der Welt grüßen.

Und, liebe Norddeutsche – der Bayer nennt euch auch gerne "Preiß" –, man kann CSU-Politik von Söder oder Andreas Scheuer wirklich schrecklich finden, den FC Bayern doof und sich über die latente Arroganz der Bajuwaren aufregen. Grenzt man sich deshalb aus Prinzip strikt vom Süden ab, ist man aber selbst kein bisschen besser. Wenn man die Bayern dann obendrein als rückständige Trottel vom Land kennzeichnet, ist es beim Thema Respekt wohl doch nicht so weit, wie man es von Söders Klamotte noch erwartet hatte.

Das Schlimmste ist aber, dass es an Söders Politik und Stil tatsächlich viel zu kritisieren gäbe. So begrüßte er auf Twitter nur sechs der sieben Staats- und Regierungschefs zum G7-Gipfel, ausgerechnet Bundeskanzler Scholz als politischen Konkurrenten mied er. Doch wer bei Kritik am Franken Söder auf seine bayerische Herkunft abzielt, offenbart sich schlicht als plump. Damit macht man es Söder viel zu leicht.

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Von Klaus Wiendl
Von Jannik Läkamp
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