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FC Bayern | Campus-Boss Sauer vergleicht U17-WM-Talent Ramsak mit Müller


"Er ist vergleichbar mit Thomas Müller"

Von Julian Buhl

Aktualisiert am 01.12.2023Lesedauer: 5 Min.
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Schwerer Abend in Wien: Die DFB-Elf um Thomas Müller wusste nicht zu überzeugen.Vergrößern des Bildes
Schwerer Abend in Wien: Die DFB-Elf um Thomas Müller wusste nicht zu überzeugen. (Quelle: IMAGO/ULMER)

Der Direktor der Nachwuchsentwicklung beim FC Bayern, Jochen Sauer, spricht bei t-online über den WM-Traum der U17 mit vier Münchner Talenten. Und die große Hoffnung, den nächsten Thomas Müllers gefunden zu haben.

Jochen Sauer hatte die Zukunft des FC Bayern direkt vor Augen. Durch die Glasfront des Besprechungsraums des Stadions am Campus des Rekordmeisters, in dem er t-online zum Interview traf, hatte man schließlich perfekte Sicht auf den Rasen. Und dort spielte die U19 des FC Bayern am späten Mittwochnachmittag gerade in der Youth League gegen das Nachwuchsteam des FC Kopenhagen.

Was der Campus-Leiter dabei sah, gefiel ihm sehr. Denn die Münchner gewannen mit 2:1 und haben damit nun gute Chancen aufs Weiterkommen in der europäischen Nachwuchs-Königsklasse. Dabei waren vier Leistungsträger der Bayern gar nicht dabei. Und das aus gutem Grund. Robert Ramsak, Maximilian Hennig, Max Schmitt und Kurt Rüger weilen derzeit nämlich bei der deutschen U17-Nationalmannschaft in Indonesien, wo sie es bis ins WM-Finale geschafft haben. Vorher nahm sich Sauer Zeit, ausführlich mit t-online über die Bedeutung und Folgen dieses jetzt schon historischen Erfolgs zu sprechen.

t-online: Herr Sauer, die U17-Nationalmannschaft hat es ins WM-Finale geschafft und spielt am Samstag (12.50 Uhr im Liveticker bei t-online) um den Titel – mit vier Bayern-Talenten im Kader. Bereiten Sie also schon einen weltmeisterlichen Empfang am Campus vor?

Jochen Sauer: Ich glaube fest daran, dass sie es packen. Aber auch, wenn nicht, werden wir unsere vier Jungs gebührend empfangen und ihnen zu dieser großartigen Leistung gratulieren. Aber natürlich hoffen wir darauf, dass wir den Bahnhof noch ein bisschen größer machen können und sie mit dem WM-Titel zurückkommen.

Zeigt die U17 genau das, was dem deutschen Fußball momentan abgesprochen wird – die berühmten deutschen Tugenden, Siegeswille, Einsatz?

Ich war Anfang dieser Woche bei einer NLZ-Leitertagung und da ist dieses Thema auch ein bisschen aufgekommen. Wir haben unsere Sitzung übrigens extra unterbrochen, um das Elfmeterschießen live zu gucken.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Diese Mannschaft zeichnet ein gesundes Selbstbewusstsein aus, auch, weil sie im Sommer schon die U17-EM gewonnen hat. Dieser Titel hat sie zusammengeschweißt, damit gehst du ganz anders ins nächste Turnier. Man sieht, dass ein Team auf dem Platz steht und jeder für jeden rennt. Dieser Teamgeist und Zusammenhalt sind schon extrem augenscheinlich und würden jeder Mannschaft guttun – auch einer A-Nationalelf, ganz klar.

Die U17 macht also Hoffnung, dass inmitten der großen DFB-Krise die nächste "Goldene Generation" heranwächst?

Durchaus. Die Herangehensweise ist mir aber zu negativ, wenn man sagt, dass wir zuletzt insgesamt nicht so gut waren, was die U-Nationalteams angeht. In den Turnieren waren wir genauso erfolgreich und auf Augenhöhe wie vor 20 Jahren. Die Problematik ist aber immer, den Übergang in den Herrenbereich bestmöglich zu schaffen. Wir waren in der U17 und U19 oft sehr gut. Nicht immer rettet man das in die U21 rüber. Das liegt dann aber weniger an der Ausbildung. Das gleiche Problem haben wir auch im Klub-Fußball.

Inwiefern?

Der Übergang vom Nachwuchs zu den Profis gelingt nur, wenn die Spieler im Herrenbereich dann auch regelmäßig auf hohem Niveau Spielpraxis bekommen. Nur dann kann es gelingen, Spieler in so einen Jahrgang, den wir jetzt in der U17 haben, in die U21 und die A-Nationalelf zu integrieren. Eigentlich darf keiner dieser Spieler noch sehr lange weiter in der U19 spielen. Jeder Klub muss den Mut haben, diese Jungs direkt im Herrenbereich zu fördern. Damit aus dem Jahrgang vielleicht dann auch der ein oder andere in der A-Nationalelf landet. Wenn die Jungs auch nächste Saison weiterhin nur U19 spielen sollten, wird es sehr schwierig.

Wie sieht der Plan mit Ihren vier Spielern aus?

Vor genau dieser Herausforderung werden wir nächstes Jahr bei Bayern auch stehen. Unsere U17-Nationalspieler spielen bei uns jetzt in der U19. Wir werden versuchen, vielen unseres 2006er-Jahrgangs die Möglichkeit zu geben, Herrenfußball in unserer zweiten Mannschaft zu spielen. Wenn es die Chance gibt, höher als Regionalliga zu spielen, umso besser.

Vielleicht auch mal bei den Profis bei Thomas Tuchel, wie viele Talente in dieser Saison?

Es ist eine gute Werbung für die Spieler, jetzt im WM-Finale zu stehen. Da wird intern jetzt sicher noch mal genauer draufgeschaut.

Wovon hängt das dann ab?

Unter anderem von der Größe des Profikaders im Sommer und wie welche Positionen besetzt sind. Natürlich werden wir zusammen mit Thomas Tuchel und Christoph Freund besprechen, welche Spieler sich im Training mal zeigen können. Die Spieler müssen aber auch die realistische Chance haben, auf ein paar Spielminuten zu kommen. Die Offensive ist momentan Weltklasse besetzt. In der Defensive haben Frans Krätzig oder Alexandar Pavlović aktuell die Chance, Spielminuten zu sammeln. Wenn du am Ende einen guten Linksverteidiger hast, auf dieser Position aber schon zwei ganz starke Spieler bei den Profis spielen, dann ist die Frage, ob er irgendwann zu Spielzeit kommt. Und wenn nicht, müssen wir ihm die bestmögliche Spielebene geben, damit er sich im Herrenfußball entwickelt. Das werden wir bei jedem Spieler im Einzelfall betrachten und entscheiden müssen.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, mit den vier U17-Nationalspielern die nächsten Thomas Müllers, Philipp Lahms und Bastian Schweinsteigers möglicherweise gefunden zu haben?

Diese Hoffnung haben wir natürlich. Auch der Jahrgang davor ist bei der EM ins Viertelfinale gekommen – mit Paul Wanner, Arijon Ibrahimović, Tarek Buchmann und Vincent Manuba. Da hatten und haben wir eine ähnliche Hoffnung wie jetzt. Aber es kommt dann eben auch auf den nächsten Schritt an. Und der ist nie so planbar. Buchmann bremst zum Beispiel leider gerade eine langwierige Muskelverletzung aus. Paul Wanner haben wir verliehen, weil auf seinen offensiven Positionen unter anderem mit Jamal Musiala und Thomas Müller Spieler sind, die sich auf einem gewaltigen Niveau bewegen. Aber klar werden wir es auch mit unseren Jungs von der U17 jetzt wieder versuchen. Eine Sache macht uns besonders stolz.

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Welche?

Dass Robert Ramsak, Maxi Hennig, Max Schmitt und Kurt Rüger alles Münchner sind oder aus Bayern kommen. Das sind vier Jungs, die genau in das Profil mit der Regionalität passen, die wir ausbilden wollen. Da haben wir jetzt vier Optionen. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn der ein oder andere den Sprung zum Profi bei uns macht – und nicht woanders.

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Robert Ramsak wird bereits mit Thomas Müller verglichen.

Mit seiner intuitiven Art Fußball zu spielen, ist er schon ein wenig vergleichbar mit Thomas, zumal er auch aus Bayern kommt. Robert ist sehr präsent im Strafraum, hat mit links und rechts einen guten Abschluss. Er ist ein sehr laufstarker, kampfstarker Charakter, der sich überall reinwirft und auch mal hinter den Spitzen spielen kann.

Inwieweit schauen Sie auf diesen starken U17-Jahrgang, auch was mögliche Verstärkungen angeht? Das Interesse an Assan Ouédraogo vom FC Schalke ist ja bekannt.

Wir versuchen natürlich einen Jahrgang schon relativ frühzeitig und weit vor der U17 zusammenzustellen. Ein gutes Beispiel für Ausnahmen war letztes Jahr Mathys Tel, obwohl unser 2005er-Jahrgang eigentlich ohnehin schon sehr stark ist. Aber wenn du irgendwo in Europa ein außergewöhnliches Talent in einem Jahrgang siehst, wo du sagst: "Das könnt ein Bayern-Spieler werden." Dann wird es immer wieder passieren, dass die Profi-Abteilung sagt: "Mensch, da sticht einer raus. Den müssen wir noch dazu holen, weil das einfach Bayern-Qualität ist." Im 2003er-Jahrgang war das mit Jamal Musiala der Fall, im 2004er-Jahrgang gab es keinen, im 2005er eben Mathys Tel. Einmal wird es ein Spieler aus dem Ausland, einmal einer aus Deutschland sein.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Jochen Sauer
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