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Gladbach-Sportdirektor Eberl: "Fahren nach München, um drei Punkte zu holen"


INTERVIEWGladbach-Sportdirektor Eberl  

"Wir fahren nach München, um drei Punkte zu holen"

Von Benjamin Zurmühl

05.10.2018, 08:59 Uhr
Gladbach-Sportdirektor Eberl: "Fahren nach München, um drei Punkte zu holen". Seit zehn Jahren Sportdirektor in Mönchengladbach: Max Eberl. (Quelle: imago images/Revierfoto)

Seit zehn Jahren Sportdirektor in Mönchengladbach: Max Eberl. (Quelle: Revierfoto/imago images)

Drei Spiele in Folge wartet Bayern auf einen Sieg. Nun trifft man auf Borussia Mönchengladbach. t-online.de sprach vor dem Topspiel mit Sportdirektor Max Eberl über den FC Bayern, Lucien Favre und Marco Reus.

Auch am Tag der Deutschen Einheit ist Max Eberl auf dem Vereinsgelände. Die Arbeit ruht nicht. Bei strahlendem Sonnenschein läuft der Gladbacher Sportdirektor von der Geschäftsstelle zum Trainingsplatz der Borussia. Auf dem Weg wünscht ihn ein Fan viel Glück für das Duell mit Bayern am Samstag und ruft ihm zu: "Haut sie weg." Eberl schmunzelt und sagt: "So schnell geht das."

Während die Fans also ins Träumen geraten, sieht Eberl die Situation weitaus nüchterner. Dabei stehen die Chancen der Borussia gar nicht mal so schlecht. Als Tabellenvierter ist man beim Zweiten zu Gast und von den letzten acht Bundesliga-Partien konnte Bayern nur drei gegen Gladbach beginnen. Ein gutes Omen für die "Fohlen"? t-online.de hakte bei einem gut gelaunten Max Eberl nach.

t-online.de: Herr Eberl, mit einem Sieg könnten Sie am Samstag an den Bayern vorbeiziehen. Blenden Sie das aus oder schauen sie ganz bewusst auf die Tabelle?

Wir gehen jedes Spiel mit dem Ziel an, es zu gewinnen. Und wir wollen auch dieses Spiel gewinnen – unabhängig von der Tabelle. Wir als Bundesliga-Klubs haben gesagt, dass wir versuchen wollen, den Bayern wieder gefährlicher zu werden. Sie haben großen Respekt verdient für die Leistungen, die sie seit Jahrzehnten bringen. Das ist kein Geschenk, das ist harte Arbeit. Trotzdem fahren wir nach München, um drei Punkte zu holen.

Von den letzten acht Bundesliga-Spielen gegen Bayern hat Gladbach nur drei verloren. Was machen Sie anders als die anderen Teams gegen Bayern?

Wir konnten in den letzten Jahren gegen Bayern vor allem zu Hause ein unbequemer Gegner sein. Aber beim 1:5 im letzten Auswärtsspiel in München haben wir gezeigt, was man gegen Bayern nicht machen darf. Wir waren zweikampflos und passiv. Was viele Teams gegen Bayern versuchen, ist, sich tief hinten reinzustellen und mit möglichst vielen Spielern zu verteidigen. Aber Ajax, Hertha und Augsburg haben gezeigt, dass Mut und eine aktive Zweikampfführung ein gutes Mittel sind. Damit hast du eine Chance gegen Bayern.

Max Eberl (r.) im Gespräch mit t-online.de-Redakteur Benjamin Zurmühl. (Quelle: t-online.de)Max Eberl (r.) im Gespräch mit t-online.de-Redakteur Benjamin Zurmühl. (Quelle: t-online.de)

Haben die Auftritte von Augsburg und Hertha gezeigt, dass die Bundesliga-Klubs damit ein Rezept gegen Bayern gefunden haben, um sie zu stoppen?

Wir dürfen die Spiele auch nicht überbewerten. Bayern ist immer noch die beste Vereinsmannschaft Deutschlands und eine der besten in Europa. Sie haben über Jahre die Bundesliga dominiert und sich diesen Status verdient. Aber einige Vereine haben vielleicht in den letzten Jahren die Spiele im Vorhinein schon abgeschenkt und wollten die Partie nur irgendwie mit wenig Schaden hinter sich bringen. Das darf natürlich nicht sein, weil es Wettbewerbsverzerrung ist. Gegen die Bayern-Konkurrenz gibt man ja auch 100 Prozent. Inzwischen will jeder Klub die Bayern schlagen. Manche mit mehr Mut, manche mit weniger Mut. Wir müssen es schaffen, die Bundesliga spannend zu halten, ohne die eigenen Ziele zu vernachlässigen. Wenn Bayern uns als Borussia Mönchengladbach dann letztlich doch besiegt, dann ist das so. Sie haben eben einen starken Kader. Aber dann will ich wenigstens sehen, dass wir größtmöglichen Widerstand geleistet haben.

Die Bayern haben nicht nur den stärksten, sondern auch den ältesten Kader. Dazu waren sie im Sommer eher zurückhaltend auf dem Transfermarkt und haben für 2019 eine große Offensive angekündigt. Ist die Chance darauf, die Bayern zu stoppen, dieses Jahr so groß wie lange nicht mehr?

Vor genau einem Jahr hatten wir eine ähnliche Situation. Da war Dortmund fünf Punkte vor Bayern. Doch nach einem Trainerwechsel sah es mit dem gleichen Team ein paar Monate später wieder anders aus. Auch in diesem Jahr haben sie einen Weltklasse-Kader. Ich wehre mich daher gegen zu schnelle Urteile. Bayern steckt in einem Umbruch. Der Verein hat eine erfahrene Mannschaft, und mit Niko Kovac einen neuen Trainer, der das in den ersten Wochen hervorragend gemacht hat. Natürlich registriere ich auch, dass wir nun auf einen FC Bayern treffen, der eine schwächere Phase hat. Wenn wir unsere Leistungen aus den letzten Wochen, abgesehen von dem Spiel gegen Hertha, abrufen, dann wird es ein interessantes Spiel. Es liegt an uns. 

Auch wenn Bayern immer noch Topfavorit auf die Meisterschaft ist, Tabellenführer ist aktuell Borussia Dortmund. Trainer Lucien Favre kennen Sie aus gemeinsamen Tagen sehr gut. Haben Sie damit gerechnet, dass Dortmund sofort oben mitspielt?

Ich habe vor der Saison gesagt, dass die Kombination Lucien Favre und Borussia Dortmund dem FC Bayern gefährlich werden kann. Aktuell sieht man, dass der BVB sich immer noch finden muss. Trotzdem sind sie Tabellenführer geworden. Das spricht für ihre Qualität. In den ersten Wochen haben sie vielleicht keinen brillanten Fußball gespielt, aber waren effizient. Gegen Leverkusen letzte Woche haben sie eine tolle zweite Halbzeit gespielt. Ich sehe es so, dass Borussia Dortmund mit dem Kader und Lucien Favre als Trainer sogar ein Bayern-Konkurrent sein muss. Deswegen ist es für mich nicht überraschend.

Kennen sich aus viereinhalb gemeinsamen Jahren in Mönchengladbach: Lucien Favre (l.) und Max Eberl. (Quelle: imago images/Ulmer)Kennen sich aus viereinhalb gemeinsamen Jahren in Mönchengladbach: Lucien Favre (l.) und Max Eberl. (Quelle: Ulmer/imago images)

Dortmund hat eine sehr junge Mannschaft. Wie sehen Sie die Perspektive unter Favre?

Ich bin mir sicher, dass Dortmund große Chancen hat, schon in diesem Jahr einen Titel zu holen. Sie haben einen sehr guten Kader und eine gute Struktur. Sie waren in den letzten Jahren nicht umsonst Bayern-Jäger Nummer eins. Momentan funktionieren viele Rädchen in Dortmund. Bei der Pressekonferenz nach dem Abschied von Lucien Favre aus Mönchengladbach habe ich damals gesagt, dass man dem Verein nur gratulieren kann, der ihn als Trainer bekommt. Das gilt nun auch für den BVB und mit Mo Dahoud und Marco Reus steckt ja mittlerweile auch noch etwas mehr Gladbach in Dortmund (lacht).

Sie sprechen Marco Reus an, der in den letzten Wochen großartige Leistungen gezeigt hat. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung unter Favre?

Marco verfolge ich aufmerksam, weil er für uns und mich ein besonderer Spieler war. Dass er Kapitän geworden ist, war eine großartige Wahl. Er ist gereift und kein junger Spieler mehr. Er gehört zu den Älteren im Team und ich finde es bemerkenswert, wie er sich als Kapitän vor die Mannschaft stellt und Interviews gibt. Das mag ein Stück weit mit Lucien Favre zu tun haben, dass er sich so wohl fühlt. Gleichzeitig ist es aber auch die Entwicklung einer Person, die einige Höhen, aber auch sehr tiefe Tiefen hinter sich gebracht hat.

Nicht nur Dortmund überzeugt in dieser Saison. Auch andere Teams werden mutiger, wollen mehr mit dem Ball spielen. Ein Punkt, den Dieter Hecking letztes Jahr kritisiert hat…

Leider geht Erfolg mit schönem Fußball nicht immer einher. Jede Form des Spiels ist berechtigt. Momentan sieht es so aus, als würden diejenigen Teams in der Bundesliga Erfolg haben, die attraktiven Fußball spielen wollen. Aber: Es sind auch erst sechs Spiele gespielt. Schalke hat letztes Jahr eine sehr erfolgreiche und tolle Saison mit effizientem und kompaktem Fußball gespielt. In diesem Jahr hapert es etwas nach vorne, hinten stehen Sie auch noch nicht so gut und schon sind sie nicht mehr Zweiter, sondern in ganz anderen Tabellenregionen. Die Bundesliga ist sehr kompliziert, da kann man nicht voraussagen, welcher Fußball zum Erfolg führt.

International sieht es für die Bundesliga nach den ersten Spieltagen besser aus als letztes Jahr. Glauben Sie, dass die vergangene Saison nur ein Ausrutscher war?

Ganz so schlimm fand ich das letzte Jahr nicht. Bayern war schließlich im Halbfinale der Champions League. Klar, wir als Bundesliga waren insgesamt nicht so gut, wie wir es hätten sein können. Das haben die Vereine auch für sich bemerkt und umgesetzt. Anhand der Leistung von Hoffenheim gegen Manchester City konnte man sehen, dass wir gar nicht so weit weg von den anderen Top-Ligen sind. Auch Borussia Dortmund kann in der Champions League dieses Jahr wirklich eine große Rolle spielen. Gleiches gilt für Leverkusen, Leipzig und Frankfurt in der Europa League. Der Vorteil der Spanier ist, dass sich da seit zehn Jahren praktisch jedes Jahr die gleichen Klubs für Europa qualifizieren. Die sind erfahrener im Umgang mit den Wettbewerben. Bei uns gibt es da mehr Rotation. 

Sehen Sie sich nächstes Jahr auch wieder in Europa?

Das kann ich heute noch nicht sagen. Wir sind das Thema im letzten Jahr etwas offensiver angegangen und das ist uns im Nachhinein etwas auf die Füße gefallen. Natürlich wollen wir in diesen Spielen auf dem Platz stehen und die Hymnen hören. Die erfolgreichen Jahre in der Champions League und in der Europa League haben einen großen Ehrgeiz geweckt. Und wir wissen, was uns in den erfolgreichen Jahren der jüngeren Vergangenheit wichtig war: immer auf das nächste Spiel zu gucken. Denn wenn wir viel reden und dann keine gute Arbeit liefern, sind das nur leere Worthülsen, die nichts bringen.

Der Saisonstart von Gladbach lief gut. Das lag auch an Rekordtransfer Alassane Pléa, der bereits vier Tore erzielt hat. Fällt Ihnen ein Stein vom Herzen, dass er gut angekommen ist?

Es ist toll, dass er sofort zeigt, warum wir ihn geholt haben. Wir haben uns bei Alassane sehr viele Gedanken gemacht. Er ist ein besonderer Stürmertyp, den wir so noch nicht hatten. Oftmals wird plakativ das Geld gegen die Spielerqualität gestellt. Uns ging es darum, einen Spieler zu holen, der gut zu unserer Mannschaft passt. Jetzt geht es für ihn und uns darum, das auch über einen längeren Zeitraum zu schaffen.

Alassane Pléa schoss in sieben Pflichtspielen für Gladbach sieben Tore. (Quelle: imago images/Sven Simon)Alassane Pléa schoss in sieben Pflichtspielen für Gladbach sieben Tore. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Abgesehen von Pléa haben sich Florian Neuhaus und Jordan Louis Beyer hervorgetan. Ist das Zufall oder setzt Gladbach wieder vermehrt auf junge deutsche Spieler?

Seit Beginn meiner Tätigkeit in Gladbach wollen wir versuchen, deutsche und ausländische Talente zu finden und zu entwickeln. Mit Spielern wie Marin, Herrmann, Jantschke, Reus, Dahoud, ter Stegen oder Neustädter ist uns das schon oft gelungen. Beyer und Neuhaus passen genau in diese Philosophie. Das ist die DNA dieses Klubs. Für Gladbach ist es ein alternativloser Weg, auf Talente zu setzen. Unter diesen Voraussetzungen haben wir auch damals junge Typen wie Granit Xhaka oder Havard Nordtveit aus dem Ausland verpflichtet. Einen Alassane Pléa können wir nur kaufen, wenn wir davor einen Jannik Vestergaard verkaufen. So sind unsere Mittel.

Wird die EM 2024 der deutschen Nachwuchsarbeit einen Schub geben?

Das wäre schön. Nach Einführung der Nachwuchsleistungszentren im Jahre 2000 haben wir den Grundstein für den WM-Titel 2014 gelegt. In den letzten Jahren ist Deutschland in den Junioren-Nationalmannschaften etwas abgefallen. Es ist die Aufgabe aller Verantwortlichen im deutschen Fußball, wieder dafür zu sorgen, gute Spieler hervorzubringen. Wir müssen da alle zusammen anpacken und ich bin fest davon überzeugt, dass wir das schaffen werden.

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