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FC Bayern: Niko Kovac hat das Problem von Ex-Trainer Ancelotti geerbt

FC Bayern  

Kovac hat das Ancelotti-Problem geerbt

Von Luis Reiß

05.10.2018, 15:32 Uhr
FC Bayern: Niko Kovac hat das Problem von Ex-Trainer Ancelotti geerbt. Unter Druck: Die kritischen Berichte über Bayern-Trainer Niko Kovac nehmen nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam zu. (Quelle: imago images/Laci Perenyi)

Unter Druck: Die kritischen Berichte über Bayern-Trainer Niko Kovac nehmen nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam zu. (Quelle: Laci Perenyi/imago images)

Die gleichen Vorwürfe, die Carlo Ancelotti vor einem Jahr das Amt beim FC Bayern gekostet haben, werden nun schon gegen den neuen Trainer Kovac erhoben. Vielleicht liegt das Problem ganz woanders.

27. September 2017: Der FC Bayern verliert mit 0:3 in Paris. Trainer Carlo Ancelotti setzte die Superstars Arjen Robben, Franck Ribéry und Mats Hummels auf die Bank – scheitert mit seinem Team aber kläglich. Tags darauf wird er als Trainer des deutschen Rekordmeisters entlassen.

Die Vorwürfe: 

  • Er habe sich mit seinem italienischen Trainerteam komplett abgeschottet.
  • Er lasse zu lasch trainieren und habe kein Konzept für das Offensivspiel.
  • Ein Großteil der Stars sei unzufrieden – wegen seiner Aufstellungen und mangelnder Einsatzzeiten.

Heute, etwa ein Jahr später, sieht sich Bayerns neuer Trainer Niko Kovac mit exakt den gleichen Vorwürfen konfrontiert. Er und sein Trainerteam würden nur auf Kroatisch kommunizieren, es werde zu lasch trainiert, die Superstars vergrault. Es wirkt, als würde sich der einzige deutsche Klub von Weltrang im Kreis drehen, unfähig seine Probleme anzugehen und zu lösen.

Kovacs Änderungen greifen noch nicht

Tatsächlich gibt es zwischen der Situation von Ancelotti und Kovac große Parallelen. Ancelotti wollte die Münchner in seinem zweiten Jahr weniger abhängig von den alternden Superstars Robben und Ribéry machen. Er plante eine zentrale Rolle für James, bevorzugte in der Innenverteidigung den jungen Süle gegenüber dem Weltmeister Hummels. Kurz: Er plante einen Umbruch. Nach einer ersten kurzen Phase der Erfolglosigkeit musste er sofort gehen.

Und Kovac? Der Ex-Frankfurter lässt auf vielen Positionen rotieren. Er nimmt Ribéry und Robben häufig vorzeitig vom Platz, er testet Leon Goretzka auch mal als Linksverteidiger, versucht Serge Gnabry an die Startelf heranzuführen, schenkt Renato Sanches das Vertrauen. Auch der 46-Jährige versucht sich an Veränderungen, die nicht jedem Gefallen.

Keine Alternativen zu Robben/Ribéry

Anstatt den neuen Coach bei erwartbaren Leistungsschwankungen zu schützen, diktierte Klub-Präsident Uli Hoeneß Journalisten folgenden Satz in den Block: "Die Rotation ist Sache des Trainers. Dafür muss er auch den Kopf hinhalten."

Doch sind wirklich alle Probleme der Arbeit von Kovac anzukreiden? Das größte Problem ist seit dem Rauswurf von Ancelotti identisch geblieben: Es gibt keine echten Alternativen für das Duo Robben (34) und Ribéry (35). Bekommt der Gegner die beiden Alt-Stars in den Griff, bekommt er zu häufig auch die Bayern in den Griff – so wie zuletzt Ajax, Hertha und Augsburg. Der einzige hochkarätige Ersatz ist mit Kingsley Coman zum wiederholten Male schwer verletzt und fällt monatelang aus.

FC Bayern scheut Investitionen

Kovac erweiterte das Repertoire der Bayern zum Saisonstart zwar um ein deutlich aggressiveres Pressing, was zu vielen Ballgewinnen in der Offensive führte. Doch auch darauf haben sich die Gegner schnell eingestellt. Bei eigenem Ballbesitz und im Spielaufbau fehlt ein Plan B, wenn Ribéry und Robben gestoppt werden. 

Über diese Baustelle wird bei den Münchnern bereits seit der Amtszeit von Pep Guardiola diskutiert. Nur angegangen wurde sie nie ernsthaft. Die Verantwortlichen scheuen weiterhin einen großen Transfer. Doch die Wahrheit ist: ein gleichwertiger Ersatz für Ribéry und Robben kostet heutzutage eben mindestens 80 Millionen Euro. Diese Summe wollten die Münchner bislang nie zahlen.


Stefan Effenberg schrieb in seiner Kolumne bei t-online.de über die kommenden Monate beim FC Bayern: "Das kann und muss ein großer Umbruch werden. Sonst haben in den nächsten Jahren einige Mannschaften die Chance, Meister zu werden."

Anstatt nun schon nach einer einzigen Niederlage und zwei Unentschieden über den Trainer zu diskutieren, muss die Frage erlaubt sein, ob die Klub-Bosse ihrem noch recht unerfahrenen Trainer wirklich den optimalen Kader für die Saison 2018/2019 zur Verfügung gestellt haben.

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