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Effenberg über Wut-PK von FC Bayern: "Vollkommen legitim"


MEINUNGBayerns Attacke gegen Medien  

"Ich hoffe, Brazzo hat aus der Situation gelernt"

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

22.10.2018, 16:27 Uhr
Effenberg über Wut-PK von FC Bayern: "Vollkommen legitim". Stefan Effenberg und Hasan Salihamidzic 2009 bei einem gemeinsamen TV-Interview beim Champions-League-Spiel FC Bayern gegen Juventus Turin. Sie kennen sich aus ihrer aktiven Karriere und vielen gemeinsamen Jahren beim deutschen Rekordmeister. (Quelle: imago/Ulmer/Cremer)

Stefan Effenberg und Hasan Salihamidzic 2009 bei einem gemeinsamen TV-Interview beim Champions-League-Spiel FC Bayern gegen Juventus Turin. Sie kennen sich aus ihrer aktiven Karriere und vielen gemeinsamen Jahren beim deutschen Rekordmeister. (Quelle: Ulmer/Cremer/imago)

Die Wut-Pressekonferenz der Bayern-Bosse von Freitag erhitzt immer noch die Gemüter – dabei war sie vollkommen legitim. Es gab tatsächlich überzogene Kritik und Aussagen, die gar nicht gehen.

Was war das für eine Aufregung um die Pressekonferenz der Bayern! Ich muss ehrlich sagen: Ich fand es nicht so krass, wie es die Medien widergespiegelt haben. Meine Meinung dazu: Ich halte es für gerechtfertigt und angebracht, dass die Bosse Stellung bezogen haben.

Beispielloser Rundumschlag: Hier ätzen die Bayern-Bosse gegen die Medien, Uli Hoeneß entschuldigt sich hinterher für manche Wortwahl. (Quelle: t-online.de)

Ich weiß, wovon ich spreche, weil ich das selbst mal gemacht habe. Ich wurde 1999 von Boulevardmedien über Wochen unter der Gürtellinie kritisiert, obwohl ich jeden Tag hart dafür gearbeitet habe, dass wir am Ende der Saison das große Ziel erreichen: Den Sieg in der Champions League. Deshalb habe ich auf einer Pressekonferenz meinem Ärger Luft gemacht.


Damals habe ich am Ende gesagt: "Ich bin einer, der sich das nicht gefallen lässt, Freunde der Sonne." Das wurde im Nachhinein auf den letzten Satz reduziert. Es ging aber um die Geschichte, die dahin geführt hat. Die Kritik war völlig überzogen und unangebracht. Dazu stehe ich.

Olaf Thons Aussage geht gar nicht

Und deshalb kann ich auch nachvollziehen, dass Hoeneß und Rummenigge die Diskussionen um Manuel Neuer auf die Palme gebracht haben. Die Kritik an ihm war in den vergangenen Wochen wirklich total übertrieben – ähnlich wie damals bei mir. Neuer ist im besten Torwartalter und wurde über Jahre als mit Abstand bester Torwart der Welt gefeiert. Es vergehen nun mal Monate, bis du wieder auf dem absoluten Top-Niveau bist nach einer so langwierigen Verletzung. Und auch das kann man gerne sportlich beurteilen. Aber da kann doch nicht einer wie Matthäus kommen und ernsthaft sagen, dass ter Stegen in der Nationalmannschaft ins Tor soll.

Das zweite Beispiel: Olaf Thon hat gesagt, dass die Auftritte von Boateng und Hummels an Altherrenfußball erinnern. Das gehört mit zum Schlimmsten, was man um die Ohren bekommen kann. Das geht gar nicht. Franz Beckenbauer hat das 2001 nach der 0:3-Niederlage in der Champions League in Lyon auch über uns gesagt. Das hörst du nicht gerne. Deshalb muss ich in diesem Fall dagegen halten. So eine Aussage würde ich niemals unterschreiben.

Wenn die Bayern nicht trainierbar sind, ist es niemand

Und noch ein drittes Beispiel: Dietmar Hamann warf den Bayern Ausreden und Alibis vor. Er sagte, der FC Bayern sei untrainierbar, solange die Vereinsführung den Spielern so viel Gehör schenke. Noch mal zur Erinnerung: Bayern ist sechsmal hintereinander Deutscher Meister geworden. Wenn die nicht trainierbar sind, ist es keine Mannschaft der Welt.

Auch ich beurteile die Leistungen gerne kritisch. In meiner letzten Kolumne habe ich geschrieben, dass die Leistungskurve bei Spielern wie Lewandowski, Boateng, Hummels und auch Neuer eher leicht nach unten statt nach oben geht und sich der Verein perspektivisch nach Alternativen umsehen sollte. Aber das war unabhängig von Neuers Verletzung – und in einem sportlichen und fairen Bereich.

Hoeneß weiß, dass es ein Fehler war

Klar, das ein oder andere hätten die Bayern bei der Pressekonferenz nicht sagen brauchen, aber da sind natürlich auch Emotionen im Spiel.

Uli Hoeneß weiß selbst, dass es ein Fehler war, über Bernat zu sagen, er habe einen "Scheißdreck" gespielt. Er wird sich dafür zu hundert Prozent entschuldigen im nächsten Interview. Genau wie er es bei Bellarabi getan hat, dessen Foul er als "geisteskrank" bezeichnet hatte.

Kritik: Nach der denkwürdigen Bayern-Pressekonferenz tadelt Karl-Heinz Rummenigge jetzt Uli Hoeneß für dessen Worte. (Quelle: SID)

Schlechte Nachrichten interessieren immer mehr

Rummenigge hat gesagt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Er hätte lieber sagen sollen: "Es gibt die Pressefreiheit und das ist gut. Es gibt aber auch einen Pressekodex, an den sich alle Medien halten sollten." Denn es gibt sehr viele gute und respektvolle Journalisten – aber auch einige wenige, die sich nicht an den Kodex halten. Warum bekommen die denn immer wieder Rügen vom Presserat?

Schlechte Nachrichten interessieren die Leute immer mehr als gute. Das ist nicht nur im Sport so, sondern auch in der Politik. Deshalb gibt es Journalisten, die gezielt Experten anrufen in der Hoffnung, dass sie die mit negativen Äußerungen zitieren können – damit sie ihre negative Schlagzeile bekommen. Diese Leute rufen auch bei mir an – ich gehe da aber gar nicht erst ans Telefon. Ich mache da nicht mit.

Arm in Arm: Hasan Salihamidzic (l.) und Stefan Effenberg im Januar 2001. Im Sommer holten sie gemeinsam den Champions-League-Titel.  (Quelle: imago/Team 2)Arm in Arm: Hasan Salihamidzic (l.) und Stefan Effenberg im Januar 2001. Im Sommer holten sie gemeinsam den Champions-League-Titel. (Quelle: Team 2/imago)

Ich mag Brazzo und das wird sich auch nicht ändern

Matthias Sammer hat gefordert: "Geht wieder respektvoller miteinander um." Leider hat das vor 50 Jahren nicht funktioniert, vor zehn Jahren auch nicht – und es wird auch in 50 Jahren nicht funktionieren, wenn du auf der einen Seite Politiker oder Sportler hast und auf der anderen Seite einen Boulevardjournalisten, der einfach nur verkaufen will und dem alles andere egal ist. Er schafft das nur mit negativen Geschichten. Und deshalb ist es verständlich, wenn den Bayern mal der Kragen platzt.


Auch ich war Thema auf der Bayern-Pressekonferenz. Brazzo (Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Anm.d.Red.) sagte, ich sei beim Fernsehen – und er beim FC Bayern. Ich sage dazu: Damit hat er recht. Ich mag Brazzo und das wird sich auch nicht ändern. Deswegen bin ich ihm doch nicht böse. Vielleicht ist diese Geschichte gut und wichtig für ihn gewesen, weil er vielleicht irgendwann darauf zurückschaut und sagt: 'Hey, aus dem Ding habe ich ziemlich viel gelernt.'"

Auf gewisse Dinge musst du einfach reagieren

Worum ging es überhaupt? Ich hatte gesagt, dass es clever gewesen wäre, nach den sieglosen Spielen sofort öffentlich zu sagen: "Natürlich stehen wir als FC Bayern zu hundert Prozent hinter Niko Kovac." Brazzo sagt, das sei nicht nötig gewesen, so etwas würden sie intern regeln. Wenn das so ist, ist das aller Ehren wert und super. Ich sage aber nach wie vor, dass ich mir gewünscht hätte, dass er sich in seiner Funktion als Sportdirektor dazu äußert. Er hätte die Luft aus der aufkommenden Trainerdiskussion sofort rausnehmen können. So wurden gleich wieder andere Kandidaten gehandelt für eine mögliche Kovac-Nachfolge.

Auf diese Dinge musst du einfach sofort reagieren als Verantwortlicher. Ich hoffe, dass Brazzo daraus gelernt hat. 

Kommen wir zum Sportlichen, weil es da derzeit viel Positives gibt: Die Bundesliga ist spannend wie lange nicht. Ob das Niveau am Ende wirklich gestiegen ist, kann nur der internationale Wettbewerb zeigen, aber ich glaube, dass sich einige Vereine letztlich sehr gut verstärkt haben. In den vergangenen Jahren gab es kaum eine zweite Mannschaft neben Bayern, die unterhaltsamen Fußball gespielt hat. Bremen, Gladbach und Dortmund gelingt das derzeit. Die wirken nach einem Viertel der Saison sehr gefestigt und konstant.

Eberl hat es verstanden – die Bremer Bosse auch?

Gladbach und Bremen haben die Qualität, um bis zum Ende der Saison vorne mitzuspielen. Dortmund sowieso. Das ist schon schön zu lesen, wenn du in der Tabelle vor Bayern München stehst und es nicht der erste oder zweite Spieltag ist. Das gibt Selbstvertrauen und kann dazu führen, dass du ein Jahr auf so einer Erfolgswelle schwimmst bis zum Saisonende. Da können sich die Fans auf eine erfolgreiche Saison einstellen. Die werden um Europa kämpfen. Der große Vorteil ist, dass diese Vereine jetzt schon ein großes Punktepolster auf Schalke oder Leverkusen haben, die eigentlich den eigenen Anspruch haben, ganz vorne dabei zu sein.

Da zeigt sich auch, dass es sich lohnt, einem Trainer zu vertrauen und ihn nicht sofort rauszuwerfen.

Max Eberl hat das erkannt und sich trotz aufkommender Diskussionen immer hinter Dieter Hecking gestellt. Wo stehen sie jetzt? Platz zwei! Ich hoffe, dass sie das auch in Bremen gelernt haben und an Kohfeldt festhalten, wenn es mal eine schwierigere Phase gibt. Bei Nouri oder Skripnik haben sie das noch nicht wirklich durchgestanden, sondern sich getrennt.

Vielleicht war die Entscheidung von Reschke falsch

So wie in Stuttgart. Korkut hat 36 Punkte aus 22 Spielen beim VfB Stuttgart geholt – das ist ein Topwert. Es ist tragisch, dass man sich dann von so einem Trainer trennt. Ich bezweifle, dass das die richtige Entscheidung war von Sportdirektor Reschke. Über Herrlich in Leverkusen wurde schon nach zwei Spielen diskutiert. Das ist doch krank.


Das gilt übrigens auch für die Nationalmannschaft. Ich habe schon nach der WM gesagt, dass wir Joachim Löw Zeit geben müssen, Stück für Stück den Umbruch einzuleiten. Dann werden sie auch wieder nach vorne kommen. Man sollte sagen: Wir arbeiten jetzt auf die EM 2020 hin. Die Nations League ist doch dafür als Wettkampf wunderbar. Da sagen dir nicht sechs Spieler wegen einer Muskelverhärtung ab, weil sie keinen Bock haben, auf Malta oder Zypern zu spielen. Wenn jetzt in der Nations League der Abstieg steht, dann ist es eben so. Dann steigt die Nationalmannschaft eben wieder auf. Da sollten jetzt alle mal die Füße stillhalten.

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