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FC Bayern – Effenberg: Boateng wäre der perfekte Stabilisator für den BVB

MEINUNGZur Bayern-Jagd  

Dortmund braucht Boateng für den nächsten Schritt

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

29.05.2019, 16:57 Uhr
 (Quelle: Bernd König/imago images)
Bayern München: Hoeneß rät Boateng zu Vereinswechsel

Um Bayerns Jerome Boateng gibt es kurz nach dem Double-Gewinn wieder Gerüchte um einen möglichen Vereinswechsel. Präsident Uli Hoeneß gab dem Weltmeister auf der Feier einen freundschaftlichen Rat. (Quelle: Omnisport)

Jerome Boateng: Der Weg für den Bayern-Star ist frei, wie Uli Hoeneß hier klar macht. (Quelle: Omnisport)


Warum der FC Bayern in der Champions League künftig ein Fernglas brauchen wird und wie Borussia Dortmund Meister werden kann.

Der FC Bayern hat die Saison sehr erfolgreich beendet – gerade in Anbetracht der Umstände und der Unruhen. Er hat sich bravourös durch die Rückrunde gekämpft, verdient die Meisterschaft und auch den Pokal geholt. Das alles spricht sehr für Trainer Niko Kovac. Für seinen Charakter. Für seine Fähigkeiten. Da ziehe ich den Hut vor.

Bayern-Bosse hatten keine Wahl mehr

Kovac steht dadurch mindestens auf einer Stufe mit anderen Double-Gewinnern der Bayern-Historie wie Magath oder Guardiola. Kovac hatte nie die hundertprozentige Unterstützung der Vereinsführung. Dieses Double ist ihm deshalb eigentlich sogar noch höher anzurechnen als den meisten Trainern vor ihm.

Selbst die Bayern-Bosse haben sich am Ende doch noch zu einem Bekenntnis zu Kovac durchgerungen – hatten aber auch gar keine Wahl mehr. Die Fans hatten sich bereits zu Kovac bekannt und die Mannschaft ebenfalls. Zu so einem überzeugenden 3:0-Sieg im Pokalfinale war sie nur fähig, weil sie zu hundert Prozent hinter Kovac stand. Es gab also klare Zeichen, an denen die Verantwortlichen erkannt haben: Jetzt müssen wir uns auf dem Marienplatz wohl mal neben Niko Kovac stellen und uns bekennen.

Paris hat Bayern gezeigt, wie es auch geht

Für Kovac war das wahrscheinlich das lehrreichste Jahr seiner gesamten Karriere. Er ist durch ein Stahlbad gegangen. Das wird ihm im Laufe der nächsten 20 Jahre zu Gute kommen.

Spannend fand ich, wie andere Vereine eine ähnliche Situation gelöst haben. Thomas Tuchel hat bei Paris ganz andere finanzielle Möglichkeiten als Kovac. Er ist auch im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden, hatte auch Probleme – trotzdem hat der Verein seinen Vertrag verlängert. Ausgerechnet Paris hat Bayern also gezeigt, wie man mit einem Trainer auch umgehen kann, ohne ihn permanent zu diskreditieren.

Das wird die schwierigste Aufgabe für Kovac

Rückhalt – das wird auch in der kommenden Saison bei Bayern ein ganz entscheidender Faktor sein, der über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann. Denn insbesondere auf der internationalen Bühne wird es noch schwieriger. Der Umbruch ist noch lange nicht abgeschlossen.

Spätestens im August werden sie merken, dass da in der Kabine kein Ribéry mehr sitzt nach zwölf Jahren beim FC Bayern. Und auch kein Robben nach zehn Jahren. Sie haben ihre Weltklasse von der Bank nicht mehr dabei. Auch Boateng und Rafinha werden da nicht mehr sitzen. Diese Vier werden nicht mehr nach 70, 80 Minuten reinkommen und ein Spiel drehen oder stabilisieren können. Sie zu ersetzen, das wird die schwierigste Aufgabe für Niko Kovac.

Bayern müssen Hummels halten

Vielleicht muss der sogar noch mehr Spieler ersetzen. Die Fragen stehen noch im Raum: Was wird aus James Rodriguez oder Mats Hummels? James muss sicher den Verein verlassen, wenn er wieder permanent spielen will. Mats Hummels dagegen müssen die Bayern definitiv halten – gerade, wenn Boateng geht. Hummels hat allein im Pokalfinale Weltklasse gespielt. Und Niklas Süle wird sicher auch mal wackeln irgendwann.

Jetzt kann man sagen: Die Bayern haben doch zwei Weltmeister geholt mit Pavard und Hernandez. Aber das ist ja keine Garantie für eine Meisterschaft oder ein Double. Einer der Weltmeister ist am Montag mit dem VfB Stuttgart in die zweite Liga abgestiegen. Der andere hat seit Anfang Februar kein Spiel mehr gemacht aufgrund seiner Knie-OP.

Boateng wäre der perfekte Stabilisator für Dortmund

Sie müssen auch aufpassen, dass sie nicht zu jung werden. Robben (35), Ribéry (36), Boateng (30) und Rafinha (33) sind zusammen 134 Jahre alt. Der Kader des FC Bayern war mit diesen Spielern laut transfermarkt.de im Schnitt 26,2 Jahre alt. Stand jetzt ist er in der neuen Saison im Schnitt 24,4 Jahre alt. Da bricht also wahnsinnig viel Erfahrung weg. Und der FC Bayern ist ein Verein, der immer von der Erfahrung gelebt hat.

Nur zwei Beispiele aus der Saison, woran man gesehen hat, wie wichtig die Erfahrung ist:

Bei Borussia Dortmund haben ein, zwei erfahrene Spieler für einen Titel gefehlt – gerade in der Innenverteidigung. Der BVB sollte sich deshalb wirklich Gedanken machen über die Personalie Jérôme Boateng. Das wäre der perfekte Stabilisator, um den Kampf um die Meisterschaft ernsthaft annehmen und sogar gewinnen zu können. Boateng wäre der Spieler, den sie für den nächsten Schritt brauchen. Und es wäre durchaus realistisch, weil Boateng Bayern verlassen wird. Und Dortmund ist definitiv der einzige Verein in der Bundesliga, der infrage käme.

Ähnlich erging es Ajax Amsterdam. Die haben in der Champions League im Halbfinale bei Tottenham Hotspur 1:0 gewonnen und zu Hause im Rückspiel 2:0 geführt. Dann haben sie versucht, noch ein Tor zu erzielen. Stattdessen hätten sie jemanden gebraucht, der "Stopp" sagt und dafür sorgt, dass sie das Ergebnis einfach verwalten.

Bayern sollte auf keinen Fall das Triple als Ziel ausgeben

Daran gemessen: Die Bayern müssten eigentlich noch richtig was machen auf dem Transfermarkt – sonst hat die Realität mit den Ansprüchen bald nicht mehr viel zu tun.

Ob Timo Werner oder Leroy Sané kommen oder nicht: Für mich ist klar, was aus diesem Umbruch resultiert. Zum einen wird die Bundesliga weiter zusammenrücken – zum anderen bedeutet das, dass der Rückstand in der Champions League größer wird.

Bayern sollte deshalb auf keinen Fall das Triple als Ziel ausgeben, denn der Champions-League-Titel wird noch viel weiter weg sein als in der abgelaufenen Saison. Uli Hoeneß hat immer gern vom Fernglas gesprochen, mit dem die Konkurrenz den FC Bayern in der Liga verfolgen solle. In der Champions League wird der FC Bayern das Fernglas rausholen müssen, um die Konkurrenz zu verfolgen – da geht die Tendenz zumindest hin.

Nächste Saison wird noch schwieriger für Kovac

Die Klubs, die jetzt im Achtel- bis Halbfinale ausgeschieden sind, werden noch mal Geld in die Hand nehmen und voll angreifen: Der FC Barcelona, Real Madrid mit Zidane, Paris mit Tuchel und die englischen Klubs sowieso. Uli Hoeneß sagte, bei 80 Millionen Euro sei eine moralische Grenze erreicht, die man nicht überschreiten wolle für einen Transfer. Da fangen die britischen Vereine ehrlicherweise erst an.

Die Saison bietet aus vielerlei Hinsicht noch weitere große Herausforderungen für Kovac und wird dadurch schwieriger als die abgelaufene. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass sich auch das Verhältnis im Verein zu den Verantwortlichen nicht wirklich entspannen wird. Hinzu kommt, dass sie Peter Herrmann als Co-Trainer verlieren. Auch der hat einen großen Anteil am Double. Sie brauchen auch künftig unbedingt Erfahrung im Trainerteam. Auf den derzeit gehandelten Hansi Flick würde das ja durchaus zutreffen.

Bayern ist immer noch Bayern

Unter diesen Voraussetzungen wird Kovac bis in den Herbst hinein eine Mannschaft aufbauen müssen, die funktioniert.

Und dann gilt es zum einen, in der Liga vorn dabei zu sein – aber sicher nicht um ein Polster von zehn Punkten. Das wäre unrealistisch. Zum anderen geht es darum, nicht wieder im Achtelfinale der Champions League auszuscheiden. Denn Bayern München ist immer noch Bayern München.

Die Katastrophe für Stuttgart

Ich möchte am Ende noch ein paar Sätze zur Relegation loswerden, weil mich der Aufstieg von Union Berlin begeistert hat. Dieser Verein hat alles geopfert für diesen Erfolg und ihn mehr als verdient. Vereine wie Union oder auch Paderborn sind einfach unfassbar hungrig, gierig und geil auf Erfolg. Die wollten das unbedingt. Die Stuttgarter wollten es auch, die hatten aber eine Sperre im Kopf. Da bringt auch die höhere Qualität nichts. Die Psychologie ist das alles Entscheidende.

Dass Stuttgart es nicht geschafft hat, eines der beiden Spiele zu gewinnen, ist eine Katastrophe. Zu keiner Zeit haben sie eine echte Mannschaft auf den Platz bekommen. Der Grund war die Kaderzusammenstellung von Ex-Sportvorstand Michael Reschke.

Wie geht es nun weiter? Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat müssen jetzt auf die Spieler zugehen – auch auf die, die einen Vertrag für die zweite Liga haben. Sie dürfen jetzt keinen der Spieler zu einem Verbleib zwingen, denn dann haben sie gleich zu Beginn der neuen Spielzeit ein Problem. Sie müssen auf die Leute setzen, die das auch wirklich wieder gut machen wollen.


Die zweite Liga macht das natürlich noch attraktiver mit Nürnberg, Hannover, Stuttgart und dem HSV. Das waren vor wenigen Jahren alles Vereine, die in der Bundesliga mehr oder weniger gesetzt waren.

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