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Bundesliga in der Statistikanalyse: Wer sind wirklich die Besten?

Große Statistikanalyse  

Wer sind wirklich die Besten in der Bundesliga?

Von Constantin Eckner

30.12.2020, 20:01 Uhr
Bundesliga in der Statistikanalyse: Wer sind wirklich die Besten?. Robert Lewandowski und Erling Haaland: Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund kämpfen sie immer um Titel.  (Quelle: imago images/Sven Simon)

Robert Lewandowski und Erling Haaland: Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund kämpfen sie immer um Titel. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Die deutsche Eliteklasse befindet sich in der Winterpause. Die perfekte Zeit, um die ersten Monate der Saison Revue passieren zu lassen. Denn die Tabelle sagt nicht alles über den Leistungsstand der Mannschaften aus.

Aufgrund des Corona-bedingt veränderten Spielplans konnten die Bundesligisten bis Weihnachten erst 13 Partien absolvieren. Allerdings ist diese Anzahl nahezu optimal, um aus den vorhandenen statistischen Zahlen eine fundierte Vorhersage für den Rest der Saison zu treffen. Denn die Analyse von Zahlen spielt im Profifußball eine immer größere Rolle. Wer macht am meisten Tempo nach vorne? Welcher Spieler sorgt am häufigsten für gefährliche Momente vor dem gegnerischen Tor? Solche Detail-Fragen werden in dieser t-online-Analyse beantwortet.

Der Mathematik-Professor und anerkannte Fußballanalyst David Sumpter sprach erst vor wenigen Wochen im Podcast "The Football Pod" darüber, dass zu diesem Zeitpunkt der Saison bestimmte Berechnungsmodelle am aussagekräftigsten seien. Dabei bezog sich Sumpter insbesondere auf die sogenannten "erwarteten Tore", international als "expected goals" oder einfach nur "xG" bekannt. Diese werten anhand von historischen Daten aus, inwieweit ein Team bei eigenen Toren und Gegentoren Glück oder Pech hatte und somit etwas über- oder unterperformte. 

Und es soll anhand von Erfahrungswerten aussagen, wie wahrscheinlich es war, aus einer bestimmten Schussposition unter den gegebenen Bedingungen (beispielsweise das Körperteil oder auch die Art der Vorlage; Anm. d. Red.) zu treffen. Der Wert hat für einen einzelnen Schuss nur wenig Aussagekraft hat, für eine Vielzahl an Schüssen jedoch schon.

Dortmund ist statistisch die beste Mannschaft

In dieser von Analysten als wichtig erachteten Kategorie liegt zur Winterpause Borussia Dortmund auf Rang 1. Der strauchelnde BVB hatte vor allem bei Gegentreffern relativ viel Pech. Der erwartete Wert lag laut Statistikanbieter "Fbref.com" bei 13,6, aber die Dortmunder kassierten 18 Treffer, also deutlich mehr. Insgesamt erarbeitet sich der BVB pro Partie einen Vorteil von 1,11 zu erwartenden Toren und ist damit Spitzenreiter kurz vor RB Leipzig, dem eigentlichen Tabellenführer Bayern München sowie dem Überraschungsteam von Union Berlin, das wohl doch keine Eintagsfliege ist.


Differenz der erwarteten Tore pro PartieErwartete ToreReale ToreErwartete GegentoreReale Gegentore
BVB1,1128,02613,618
RB Leipzig1,0123,62410,59
Union Berlin0,6320,82712,518
FC Bayern0,6326,13917,919
VfB Stuttgart0,5825,52617,920
Bayer Leverkusen0,4418,02812,312
...




Arminia Bielefeld-1,058,3921,923
FC Schalke-1,4210,2828,636


Das bedeutet nun nicht, dass die Dortmunder sich zurücklehnen können und nur darauf warten müssen, dass ihr Glück zurückkehrt – zumal eine gute Tordifferenz nicht automatisch für eine hohe Punktzahl sorgen muss. Aber dieser Wert zeigt schon, dass der BVB etwas besser dastehen müsste und über den Verlauf der restlichen Saison noch Boden gut machen sollte.

Zur Erklärung: Der "Expected Goals"-Wert ist der beste Beleg für die Effizienz von Stürmern. Er beziffert, wie häufig ein Torschuss im Durchschnitt aus einer bestimmten Position drin ist. Den höchsten Wert hat ein Elfmeter, der zu 76 Prozent ein Tor ergibt. Fernschüsse von außerhalb des Strafraums haben meist Wahrscheinlichkeiten von unter zehn Prozent. Nach diesem Schema lassen sich die Torchancen jedes Spielers objektiv bewerten.

Neuer und Casteels sind die besten Schlussmänner

Dortmund ist zugleich entgegen der landläufigen Meinung ein Team, das viel Raumgewinn erzielen kann. Nur Bayern hat mit Pässen mehr Raumgewinn als der BVB verbucht.

Ein weiterer Faktor im Angriffsspiel ist immer auch der Spieler, der die meisten Zuspiele in den gegnerischen Strafraum gebracht hat: das ist in diesem Fall Dortmunds Jadon Sancho (36). Der zweitbeste Spieler in dieser Wertung ist Leipzigs Shootingstar Angeliño mit 29. 

Koen Casteels: der Torwart des VfL Wolfsburg. (Quelle: imago images/Joachim Sielskie)Koen Casteels: der Torwart des VfL Wolfsburg. (Quelle: Joachim Sielskie/imago images)

Eine ganz andere Kategorie: Einer der angriffslustigsten Torhüter ist Bielefelds Stefan Ortega, der mit seinen Pässen den höchsten Raumgewinn aller Schlussmänner erzielen konnte. Wenn es darum geht, den eigenen Kasten sauber zu halten, spielten vor allem zwei herausragend gut in der ersten Saisonphase: Manuel Neuer und Wolfsburgs Koen Casteels. Auch das lässt sich nämlich anhand der erwarteten Tore messen. Beide kassierten deutlich weniger Treffer als anhand der Schüsse zu erwarten war. Gewiss hat das mit Glück zu tun, aber beide sind schon länger in dieser Kategorie vorn dabei, was darauf hindeutet, dass auch viel Qualität dahintersteckt.

Leverkusen ist der Tempokönig

Was die Spielstile der Teams betrifft, stechen vor allem zwei Dinge ins Auge: Bayer Leverkusen zieht am häufigsten bei eigenem Ballbesitz das Tempo an. Laut Anbieter Twenty3 vollzogen die Leverkusener durchschnittlich 12 sogenannte "Spielbeschleunigungen" pro Partie. Nur der FC Augsburg kann mit 10,5 mithalten.

Moussa Diaby und Leon Bailey (r.): Die beiden Leverkusener Offensivakteure zählen zu den schnellsten Spielern der Bundesliga und sorgen immer wieder für Tempo-Verschärfungen im Spiel der Werkself. (Quelle: imago images/Mika Volkmann)Moussa Diaby und Leon Bailey (r.): Die beiden Leverkusener Offensivakteure zählen zu den schnellsten Spielern der Bundesliga und sorgen immer wieder für Tempo-Verschärfungen im Spiel der Werkself. (Quelle: Mika Volkmann/imago images)

Das größte Hin und Her scheint es derweil bei Werder Bremen zu geben. Die Grünweißen verlieren im Schnitt pro Partie den Ball viermal gefährlich in der eigenen Hälfte, gewinnen das Leder aber auch über fünfmal in aussichtsreicher Position in der gegnerischen Hälfte. Ballgewinne sind ein allgegenwärtiges Element in den Partien der Bremer.

Natürlich handelt es sich auf den ersten Blick um Zahlenspielereien. Aber für die Vereine sind diese Werte wichtig. Denn die Trainerteams versuchen stetig herauszufinden, woran es hakt – ob nun am Tempo, an der Vertikalität, am Verteidigungsdruck oder etwas ganz anderem.

Das eigene Gedächtnis kann bei solchen Auswertungen nur bedingt hilfreich sein, weshalb die statistische Analyse im Profifußball mittlerweile einen prominenten Platz eingenommen hat. Nicht ganz zufällig sind Top-Teams wie Liverpool oder auch RB Leipzig hier ganz vorn mit dabei.

Verwendete Quellen:

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