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Effenberg: Rangnick, Klopp und Tuchel nie mehr in der Bundesliga

MEINUNGRangnick, Klopp, Tuchel  

Nie mehr Bundesliga

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

07.12.2021, 10:53 Uhr
Effenberg: Rangnick, Klopp und Tuchel nie mehr in der Bundesliga. Ralf Rangnick (v.l.) hat sein Debüt mit Cristiano Ronaldo und Manchester United erfolgreich hinter sich gebracht und fühlt sich in England offenbar genauso wohl wie Tuchel und Klopp. Stefan Effenberg (Kreis) rechnet nicht mit einer Bundesliga-Rückkehr des Trios. (Quelle: imago images)

Ralf Rangnick (v.l.) hat sein Debüt mit Cristiano Ronaldo und Manchester United erfolgreich hinter sich gebracht und fühlt sich in England offenbar genauso wohl wie Tuchel und Klopp. Stefan Effenberg (Kreis) rechnet nicht mit einer Bundesliga-Rückkehr des Trios. (Quelle: imago images)

In der Bundesliga haben drei Topklubs Probleme, einer sucht einen neuen Coach. Schade, dass mit Rangnick, Klopp und Tuchel die besten deutschen allesamt in der Premier League unter Vertrag stehen.

Leipzig feuert den Trainer, Dortmund hadert mit dem Schiedsrichter, BVB-Spieler Bellingham wird angezeigt und Gladbach kassiert eine historische Pleite mit erstmals fünf Gegentoren nach nur 25 Minuten: In der Bundesliga geht es so hoch her wie lange nicht. Insbesondere drei eigentliche Topklubs stehen jetzt unter riesigem Druck. Bei zwei davon geht es um den Trainer. Und zwei davon spielen schon heute wieder in der Champions League: Dortmund gegen Besiktas Istanbul (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online) und RB Leipzig gegen Manchester City (ab 18.45 Uhr im Liveticker bei t-online).

Das bekommt Bayern eigentlich in den Griff

Borussia Dortmund: Das Topspiel gegen Bayern (2:3) war ein unterhaltsames, temporeiches Spiel mit offenem Visier. Und es war wild. Das ist eigentlich etwas, das der FC Bayern in den Griff bekommt – diesmal ist das nicht gelungen. Auch weil beide Mannschaften ihre Defizite in der Abwehr haben und gleichzeitig extrem offensivstark sind.

War der Schiedsrichter schuld, so wie es die Dortmunder erzählen? Nein, natürlich nicht. Schiedsrichter Felix Zwayer lag letztlich in den kritischen Szenen richtig. Selbst der Vorwurf, dass er sich ein Foul von Bayerns Lucas Hernández an Marco Reus im Strafraum noch mal am Bildschirm hätte anschauen müssen, ist falsch, weil zuvor ohnehin eine Abseitsstellung von Stürmer Erling Haaland vorlag.

BVB-Spieler sind selbst schuld

Und auch an einem Bayern-Bonus hat es sicher nicht gelegen, weil es den weder in diesem Spiel gab – noch überhaupt irgendwann mal. Der wird höchstens als Ablenkungsmanöver genutzt.

Stattdessen sind die Spieler selbst schuld an der Niederlage. Hätte Mats Hummels in den entscheidenden Szenen besser geklärt, hätte der BVB das Spiel nicht verloren. Er hat ausgerechnet das vermissen lassen, was ihn eigentlich auszeichnet: Auge und Handlungsschnelligkeit.

Ja, die beste Zeit von Hummels ist vorbei

Sowohl der frühere Bundesliga-Manager Dieter Hoeneß ("Man muss feststellen, dass Mats‘ beste Zeit vorbei ist") als auch der ehemalige Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("Es ist bekannt, dass Mats Probleme hat, wenn er in Laufduelle gehen muss – das ist dem Alter geschuldet") haben Hummels daraufhin kritisiert.

Ist die beste Zeit von Hummels vorbei? Wahrscheinlich ja. Er ist 32 Jahre alt und hat seine größten Titel schon vor einigen Jahren eingefahren, zum Beispiel den als Weltmeister 2014. Und natürlich ist er auch nicht der Schnellste. Ich denke aber, dass er trotzdem noch eine gute Zeit hat. Der BVB darf ihn aufgrund seiner Tempodefizite vielleicht nicht mehr im Zentrum einer Dreierkette bei Ballbesitz einsetzen – auf halblinks kann er aber sehr wohl noch einige Jahre spielen.

BVB braucht härteren Konkurrenzkampf

Ich habe andere Abwehrspieler wie Marin Pongračić in den vergangenen Wochen ohnehin deutlich schwächer gesehen. Hier muss sich Dortmund sicherlich verstärken, um bessere Alternativen zu haben und damit auch einen härteren Konkurrenzkampf.

Neben Hummels steht derzeit auch der erst 18-jährige Mittelfeldspieler Jude Bellingham nach seiner Aussage über Schiedsrichter Zwayer im Fokus, die lautete: "Du gibst einem Schiedsrichter, der schon vorher mal Spiele geschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?" Der Kontrollausschuss des DFB hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Ich bin eher bei Watzke

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist ihm zur Seite gesprungen und sagte: "Jude hat niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert." Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn sah das erwartungsgemäß anders: "Das geht natürlich schon einen Schritt zu weit. Einen gewaltigen Schritt."

Ich denke: Wäre Bellingham Spieler von Bayern, hätten wir die gleichen Aussagen von Kahn und Watzke bekommen – nur mit anderen Rollen.

So bin ich eher bei Watzke. Die Verantwortlichen sollten Bellingham ins Gewissen reden, eine Sperre oder Strafe würde aus meiner Sicht zu weit gehen.

Kam der Trainerwechsel zu spät?

RB Leipzig: Das Aus in der Champions League und Platz elf nach 14 Bundesliga-Spieltagen waren zu wenig für Trainer Jesse Marsch – RB hat seinen Coach aus dem Homeoffice und der Corona-Quarantäne heraus auf die Straße gesetzt. Es war sicherlich richtig, nicht bis zum Frühjahr zu warten, weil die Ziele dann womöglich nicht mehr zu erreichen wären. Die Frage ist aber, ob die Entscheidung zu spät gefallen ist.

Klubboss Oliver Mintzlaff hat im "Doppelpass" bei Sport 1 erzählt, dass Marsch bereits nach dem siebten Spieltag Zweifel bei der Vereinsführung angemeldet habe, ob das mit ihm und der Mannschaft funktioniere. Als Verein hofft man dann auf der einen Seite natürlich, dass die Beteiligten doch noch zueinander finden. Auf der anderen Seite muss man womöglich nach so einem Zeichen die Lage beobachten und sofort entscheiden.

Die Körpersprache von Marsch passte nicht

Die Aussage von Mintzlaff passt zu meiner Beobachtung. Ich habe in der Körpersprache von Marsch zuletzt diese hundertprozentige Überzeugung vermisst, die Krise in den Griff zu bekommen. Im Nachhinein ist das nur logisch: Er hatte sie einfach nicht. Natürlich müssen sich auch die Spieler hinterfragen, die in den letzten Wochen nicht die Leistung gebracht haben, die es gebraucht hat.

Nun ploppen diverse Fragen auf. Hätte Leipzig Trainer Julian Nagelsmann im Sommer doch nicht gehen lassen dürfen? Oder den Kapitän Marcel Sabitzer behalten, oder sich nicht vom ehemaligen Sportchef Ralf Rangnick abnabeln sollen? Ich sage: Das ist alles hypothetisch und bringt niemanden weiter. Irgendwann geht jeder Weg mal woanders weiter.

Star-Trainer werden in England bleiben

Nagelsmann und Sabitzer sind genau wie der ehemalige Abwehrchef Dayot Upamecano bei Bayern. Rangnick ist der nächste deutsche Toptrainer, der mit Manchester United einen absoluten Topklub in der Premier League trainieren darf. Genau wie seine Kollegen Thomas Tuchel beim FC Chelsea und Jürgen Klopp beim FC Liverpool.

Ich gehe davon aus, dass sich die Bundesliga über diese Trainer ohnehin gar keine Gedanken mehr machen braucht. Sie haben in England ganz andere Möglichkeiten. Zum einen finanzieller Art. Zum anderen haben sie als Manager eine viel größere Entscheidungsgewalt als in Deutschland. Sie dürfen über Spielertransfers selbst entscheiden statt auf ein "Go" von einem Sportdirektor zu warten.

Leipzig muss jetzt nach vorne schauen

Damit die Bundesliga für sie irgendwann noch mal attraktiv wird, müssen die Klubs ihnen ähnliche Kompetenzen zugestehen. Und genau das werden die Vereine nicht tun, so wie sie aufgestellt sind. Insbesondere der FC Bayern oder Borussia Dortmund. Ohnehin bliebe dann noch das Thema Geld. Was in der Summe wahrscheinlich bedeutet: Weder Rangnick noch Klopp oder Tuchel werden jemals als Trainer in die Bundesliga zurückkehren. Es gibt wahrscheinlich nur einen Job, der für sie irgendwann interessant sein könnte: der des Nationaltrainers, der allerdings wohl mit Hansi Flick auf Jahre hinaus besetzt ist.

Für Leipzig bedeutet das nur, dass es jetzt viel wichtiger ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und nach vorne zu schauen – statt sich mit Rangnick oder sonstigen Themen zu beschäftigen, die sie ohnehin nicht mehr ändern können.

Die größte Gefahr für Leipzig

Zumal es eine große Gefahr gibt. Es ist die wohl größte für Leipzig, dass der ein oder andere Spieler sich denkt: "Aha. Ich kann mit Leipzig wohl doch keinen Titel gewinnen und ganz oben mitspielen. Dann schaue ich mich doch lieber nach einem anderen Verein um." Ich denke da zum Beispiel an Christopher Nkunku, der eine herausragende Saison spielt und für die europäischen Topklubs hochinteressant ist.

Umso wichtiger ist die Auswahl des neuen Trainers. Gehandelt wurden in den letzten Tagen bereits Eindhovens Roger Schmidt und Dortmunds Technischer Direktor Edin Terzić. Beide würden sehr gut passen, Schmidt vielleicht noch ein wenig besser. Er soll allerdings bereits abgesagt haben.

Spieler sollten sich entschuldigen

Borussia Mönchengladbach: Erst das 1:4 im Derby gegen den 1. FC Köln, nun das 0:6 gegen den SC Freiburg. Mein früherer Verein Gladbach kann so natürlich nicht weitermachen und muss jetzt jeden Stein umdrehen. Während Leipzig sich vom Trainer getrennt hat, beschreitet die Borussia den gegenteiligen Weg. Sportdirektor Max Eberl hat sich zu Adi Hütter bekannt. Und liegt aus meiner Sicht damit vollkommen richtig.

Hütter hat 7,5 Millionen Euro Ablöse gekostet, Eberl war und ist womöglich auch noch vollkommen überzeugt, dass das funktioniert. Er ist am nächsten dran und kann das auch am besten beurteilen. Zumal sich Hütter bei den Fans für die Leistung zuletzt entschuldigt hat. Das sollten die Spieler auch tun. Und dann zusehen, dass sie in den nächsten Spielen Punkte holen.

Am kommenden Samstag treffen ausgerechnet die kriselnden Klubs Gladbach und Leipzig aufeinander. Wer sich anschließend für seine Leistung entschuldigen muss, hat ein Riesenproblem, so viel ist sicher. Das gilt allerdings auch für den BVB, falls er hinter Bayern zurückfällt. Bei derzeit vier Punkten ist die Meisterschaft noch drin, bei sieben Punkten wäre sie zugunsten von Bayern entschieden.

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